Mit einem weiteren Jahresende, dem Anfang eines neuen Jahres, gab es das übliche Gerede rund um Neujahrsvorsätze – oder darüber, solche lieber zu vermeiden und stattdessen das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen.

Ich bin sehr dafür, habe ich mich in letzter Zeit doch mit meinem bisherigen Lebensweg beschäftigt.

Dabei ist mir etwas aufgefallen, dass man wohl bedenken sollte: Wie man die Dinge sieht, spielt eine grosse Rolle.

Seltsame Jahre

Die letzten zwei Jahre, seit dem Anfang der Pandemie, waren ohnehin seltsam.

Bei allem, was in der Welt so geschieht, mit offiziellen Einschränkungen und persönlichen Beschränkungen und Sorgen, die Pläne und Möglichkeiten ändern, war alles sehr ungewöhnlich.

Schlechte Jahre

Persönlich waren die Jahre auch hart; der Vater meiner Frau ist ziemlich plötzlich an Krebs gestorben, und wir haben eine Schwangerschaft verloren. Die Forschungen für mein Buch sind natürlich plötzlich unterbrochen worden und das Schreiben daran lief auch nicht sonderlich glatt.

Sich auf diese Dinge zu konzentrieren und darüber etwas depressiv zu werden, das würde nur zu leicht fallen.

Ich habe noch dazu schon immer eine Neigung dahin.

Negative Erlebnisse

Mein Leben war ungewöhnlich.

Ich wusste schon früh, was ich erreichen wollte, dass ich einen Einfluss auf die Welt würde haben wollen, was das Thema Nachhaltigkeit, ökologisches Funktionieren und unser Verständnis dafür angeht.

Und wer sich jetzt denkt, dazu noch nie etwas von mir gehört zu haben, der erkennt genau das Problem.

Die Sichtweise, die ich präsentieren wollte, fehlt noch immer, aber sie ist zugleich dem zu ähnlich, was man ohnehin nur zu oft, von nur zu vielen Leuten, hört.

Ich bin bisher kläglich daran gescheitert, diese Sicht der Dinge so gut zu präsentieren, wie ich das gerne schaffen würde – oder auch nur zu entscheiden, was denn nun die beste Präsentation dieser Sichtweise wäre.

Wenig überraschend bei all dem, dass ich nie eine Karriere daraus machen konnte, es zwar versuchte, aber damit scheiterte.

Dementsprechend kamen dann diese zusammengewürfelt wirkenden Jobs, durch die ich einen etwas seltsamen Lebenslauf habe.

Das stört mich alles immer noch; ich möchte daran nicht dauerhaft gescheitert sein – und ich weiss doch nicht so recht, wie ich damit vorankommen soll, obwohl das Thema dieses Blogs damit verbunden ist und mir der Zugang gefällt.

Die Brücke ist furchterregend – und aufregend!

Perspektiven

Das ist dann auch der springende Punkt: Bisher habe ich auf das letzte Jahr (bzw. die letzen Jahre) aus einer negativen Perspektive geblickt – aber es gibt schliesslich nicht nur diese Sichtweise.

Dies vorweg: Die rosarote Brille liegt mir gar nicht. Positives Denken ist mir ein Gräuel, es ist meistens so weit entfernt von der Realität. Eine andere Sicht eines Lebens aber gibt es.

So lange man noch lebt, kann man die Dinge schliesslich auch anders als negativ sehen. Das biographische Gedächtnis hat sogar einen solchen Bias in Richtung positiver Interpretation.

Positive (Re-)Interpretation, Positive Erlebnisse

Die Reiseerlebnisse, die schief gingen etwa, sind in dem Moment extrem frustrierend, aber wir erzählen sie uns in unserer Erinnerung neu als die Abenteuer, die alles interessanter und einprägsamer gemacht haben.

Genauso sind es die Schwierigkeiten und Tiefpunkte in einem Leben, die auch als die Herausforderungen firmieren, die man überwunden hat und an denen man gewachsen ist – und die zeigen, wofür man dankbar sein sollte.

Ich hatte etwa befürchtet, dass meine Frau zu empfindlich sein könnte und an negativen Erfahrungen scheitern könnte, aber wir sind gemeinsam stark geblieben und womöglich durch sie stärker geworden.

Wir können auf jeden Fall umso mehr schätzen, dass jetzt anscheinend ein gesundes Baby auf dem Weg ist!

Vom Positiven zum geradezu Herausragenden!

Meine Nicht-Karriere macht es schwierig, den Lauf meines Lebens einfach zu erklären.

Sie hat aber auch bedeutet, dass ich ein Leben mit internationalen Erfahrungen, mit längerer Arbeitszeit in China, während der ich viel über dieses faszinierende Land lernen konnte, hatte.

Ich konnte vielen meiner verschiedenen Interessen folgen.

Andere kämpfen dafür, es zu einem frühen, selbstorganisierten Ausstieg aus ihrem regulären Arbeitsleben zu schaffen oder suchen „Mini-Retirements“, um von ihrem monotonen 9-to-5, das sie kaum aushalten, wegzukommen.

Für mich ist eine solche geregelte Arbeit und das normale Einkommen, das sie bringt, eine entspannende Auszeit aus meiner üblichen Sorge, über die Runden zu kommen.

Über die Runden gekommen bin ich zudem vor allem dadurch, dass meine Eltern geholfen haben, dass die Beziehung mit meiner Frau geholfen hat – und diese sind alle etwas, wofür ich darum dankbar bin. Oder zumindest sind sie etwas, was ich darum umso mehr schätze.

Gibt es alltägliche negative Seiten, dann versuche ich dementsprechend auch, mich an all dieses Gute zu erinnern.

Also, etwas Realismus!

Wenn man also auf sein Jahr, sein Leben, zurückblickt, dann sollte man nicht darauf vergessen, seine Sicht der Dinge zu wechseln. Man betrachtet die Dinge besser aus verschiedenen Perspektiven, im Guten wie im Schlechten – realistisch!

Daraus versucht man auch besser, etwas zu lernen und sich nicht in Grübeleien (insbesondere über die negativen Dinge) zu verlieren. Schliesslich gibt es noch Leben vor dem Tod, lange Wege vor ihren Zielen!

Die Zukunft liegt im Ungewissen – aber der Weg geht weiter!