Mammut hat (leider) das Trailrunning sein lassen, dafür aber nicht nur die bekannte Bergsteigerausrüstung im Angebot, sondern auch eine Linie für Fast Hiking.

Schon alleine der Look im ziemlich trendigen Schwarz-Weiss, hier bei Mammut allerdings mit etwas fluoreszierendem Orange, hat mir gut gefallen.

Besonders gut allerdings sind die technischen Details für den Einsatzzweck – und eben dieser Zweck.

Mammuts Fast Hiking-Kollektion

Insgesamt umfasst die Fast Hiking Kollektion die

  • Ducan (und andere) Rucksäcke, von denen mir der Ducan Spine 28-35 so sehr zugesagt hat, dass ich mir diesen selbst gekauft habe, die
  • Ducan Boa High GTX (und andere) Schuhe (von denen der Ducan Boa den coolsten Stil hätte, aber auch nie erhätlich zu sein scheint*) sowie
  • Sertig Shirt und Shorts und das
  • Convey WB Hooded Jacket.

Die letzteren drei habe ich – um das wie immer explizit zu deklarieren – von Mammut als PR-Samples (sprich zum Testen) bekommen, nicht selbst gekauft (aber auch ohne spezielle, oder eigentlich irgendwelche, Verpflichtungen).

[*Update 1: Ein Freund hat, nachdem ich das gepostet hatte, erklärt, dass die Ducan Boa High durch Corona-Verzögerungen verspätet sind – und sie sind prompt auf der Website verfügbar geworden.]

In diesem Eintrag möchte ich meine Eindrücke und Erfahrungen mit diesen letzteren Stücken wiedergeben; auf den Ducan Spine werden wir einen eigenen Blick werfen.

Die Idee des Fast Hiking

Auf den ersten Blick sind Shirts und Shorts immer nur einfach Shirts und Shorts; darum auch die sofortige Erwähnung des Looks.

Erst bei näherer Betrachtung und vor allem in der praktischen Verwendung wird klar, was die Unterschiede zu anderen solchen Bekleidungsstücken ausmacht und wie gut sie wirklich in ihrer gedachten – oder anderen – Nutzung sind.

Fast Hiking als die gedachte Nutzung hat mir unheimlich zugesagt, denn eigentlich müsste ich die meisten der Bergtouren, die ich am liebsten unternehme, genau das nennen.

Meine Übernachttouren sind nicht wirklich Trailrunning; die meisten meiner Bergabenteuer sind nicht gerade Läufe.

Trailrunning hat allerdings seine bekannten Rennen und so auch seine bekannten “Helden”. Im Marketing und am Sportmarkt ist es so auch wesentlich präsenter.

Wandern ist durchaus mal wieder trendy, aber irgendwie immer noch altbacken und ohne großartige Vorbilder, die leicht Anklang finden.

Fast Hiking ist gerade in diesem Zusammenhang seltsam. Es ist vielen wohl zu viel, zu schnell, zugleich aber auch zu wenig (zu langsam nämlich) um zu beeindrucken.

Gerade in diesem Kontext beeindruckt es mich, dass ein Outdoor-Ausrüster diese “Sportart” als Beispiel und Anregung für eine Linie nützt. Wahrscheinlich überinterpretiere ich das, aber bitte…

Natürlich wären die Sertig Shirts und Shorts für jegliche Art, zu wandern, nutzbar. Oder zum Trailrunning.

Tatsächlich beschreibt selbst Mammut diese Stücke, ausserhalb der Erwähnungen als Teil der Fast Hiking Kollektion, bloss als technische Bekleidung für den Bergsport.

Das Mammut Sertig T-Shirt

Das Sertig T-Shirt ist aus dicht gewebtem Polartec PowerDry gemacht. Das gibt ihm ein seidiges Gefühl und Stretch, aber macht es auch, verglichen mit anderen Sommer-Shirts, recht dick.

Der potentielle Nachteil, dessen man sich bewusst sein sollte – insbesondere, wo er sehr bemerkbar werden kann – ist, dass starkes Schwitzen, insbesondere in Schwüle oder Regenwetter, dazu führen kann, dass das Material nass wird.

Die eine (nasse) Schwachstelle

Es ist an sich gut Schweiss ableitend und schnell trocknend, aber es hat seine Grenzen.

Ich hatte zum Beispiel, beim Bergwandern in grosser Hitze und mit starker Schweissproduktion, eine nasse Stelle am Shirt über meinem Bauch.

Das Shirt erinnert mich auch an ähnlich seidiges Gewand, das in regnerischem Tropenwetter wie ein nasser Sack an der Haut anliegen kann.

Wir sprechen hier allerdings über ein Shirt, dass nicht für Sommerläufe in den Tropen gemacht ist, sondern für schnelle Wanderungen in den Bergen.

Hier hat sich dieser kühle Fleck am Bauch dann auch meistens eher wie eine angenehme Kühlung angefühlt und war, sobald ich langsamer und weniger schwitzend unterwegs war, unproblematisch.

Der Rest des Shirts war ohnehin unproblematisch. (Naja, ich könnte eine nasse Stelle am Rücken, wo der Hüftpolster des Rucksacks aufliegt, erwähnen – aber die hat man auch ganz ohne ein Shirt.)

Mehr praktische Erfahrungen

Ich war bisher praktisch nur in wärmeren Bedingungen mit dem Sertig Shirt unterwegs, es muss sich also auch noch zeigen, wie gut es funktioniert, wenn man in kühlere Nächte hinein wandert und bei Mehrtageswanderungen in kühlen Morgenstunden wieder losgeht.

In Kombination mit dem Convey WB Hooded Jacket, das auch zur Fast Hiking-Kollektion von Mammut gehört, wird alles wahrscheinlich passen. Für den Test dieser Jacke brauche ich auch noch einmal schlechteres Wetter, als ich es bisher hatte.

In Ruhe und ein wenig kühlerem Nachtwind war die Kombination jedenfalls schon sehr gut, wenn nicht doch gleich wieder zu warm.

Details

Die Nähte am Sertig Shirt, die zum Teil recht hoch auf den Schultern verlaufen, hatten mir anfänglich ein wenig Sorgen gemacht.

Sie sind allerdings flach und haben absolut keinerlei Probleme im Zusammenspiel mit Rucksackriemen produziert.

Insgesamt ist der Schnitt schön athletisch, nicht so locker-flatterig, wie er bei zu vielen Gewändern geworden ist. Er ist nicht eng, aber angenehm schlank. Der Stretch im Material hilft mit Passform und Beweglichkeit. Was das alles angeht, habe ich absolut keine Probleme gesehen.

Die Konstruktion des Shirts könnte etwas gewesen sein, wodurch ich die 1-2 nasseren Stellen besonders bemerkt habe, weil sie dafür sorgt, dass alles, was am Sertig Shirt gut passt, auch wirklich gut passt.

Der Rücken des Shirts ist übrigens nicht nur anders in der Farbe, er ist auch in einem ein wenig lockereren Material gearbeitet.

Im Nacken ist ein Riegel an Textil, der etwas dicker gebaut ist, als der Rest; ob das ein Designelement ist, ein Artefakt des Schnitts oder eine bewusste und funktionale Wahl, bin ich mir nicht sicher. Es könnte schon sein, dass das die Halswirbel dort im Nacken ein wenig vor (Ausrüstung auf) dem Rucksack schützt…

Das Shirt ist ausserdem übrigens lang genug geschnitten, dass es aussen hängend oder in die Shorts gesteckt, gut passt.

Die Mammut Sertig Shorts

Wie das Sertig Shirt, sind auch die Mammut Sertig Shorts wunderbar für ihren gedachten Einsatzzweck gebaut.

Material und Passform

Das Material ist ziemlich dünn, aber durch ihre Konstruktion fühlen die Shorts sich dennoch ziemlich stark, auf gute Art, gebaut an.

Die Sertig Shorts fühlen sich enger an, als die meisten Shorts, die ich in letzter Zeit getragen habe; sie sind auch etwas länger, bis knapp oberhalb des Knies.

Das fühlt sich schützender und schweissableitender (und womöglich, falls nötig, wärmender) an, als weitere und luftigere Shorts; sie sind allerdings durchaus keine Tights.

Taschen

Das ist gut und auch nötig, denn die Sertig Shorts haben zwei vordere Taschen an der Hüfte, weit genug oben, um an einer guten Stelle zu liegen, weit genug unten, um unterhalb eines Hüftgurts zu liegen. (Ausserdem passen nur recht kleine Gegenstände hier hinein, was ich für die gedachte Nutzung auch gut finde.)

Eine weitere Tasche findet sich unten am rechten Hosenbein, auch mit Zippverschluss; diese Tasche ist gross genug für ein Smartphone wie mein Sony Xperia 5 II. Das schwingt dann schon ein wenig herum, aber dank des Schnitts, nicht viel; ein Telefon in dieser Tasche liegt meist gegen das Bein, so dass es sich nicht zu sehr herumbewegt.

Konstruktion innen und Komfort

Es gibt in diesen Shorts keinen Innenslip, aber der wäre bei ihrer Länge auch nicht nötig.

Man wird aber wohl eine Unterhose tragen wollen. Höchstwahrscheinlich wird man die Nähte vor allem auch der Taschen nicht fühlen, aber sie sind da und könnten unter Umständen (wenn man die Shorts ohne irgendwas darunter anzieht) doch reiben.

Mir hat an den Sertig Shorts auch sehr gut gefallen, dass der Hüftbund hinten mit dickerem Material, das elastisch (mit Gummi) gemacht ist, ausgestattet sind. Damit sind sie eng genug um die Hüfte, haben aber auch einiges an Spiel und funktionieren mit einem Rucksack (und seinem Hüftgurt) sehr gut.

Hinten gibt es keine Taschen, was für Wandergewand auch eine gute Entscheidung ist.

Verschluss

Vorne gibt es noch einen (Hosenstall) Zipp für eventuelle schnelle “Rufe der Natur”; das Hüftband schliesst vorne mit einem netten, flachen Druckknopf (der manchmal ein wenig hakelig zu schliessen erscheint, aber generell doch unproblematisch ist; von selbst geöffnet hat er sich auf jeden Fall nie).

Es gäbe einen Kordelzug innen, würde man die Hüfte noch enger machen wollen, dessen Schnüre sind allerdings sehr kurz, so dass man sie nicht leicht verknoten kann – und wenn man sie etwas enger zuzieht, dann steht der Teil mit dem Druckknopf etwas seltsam nach vorne ab. (Das könnte allerdings ein Problem meiner schlanken Figur und einer nicht dafür ideal sitzenden Hose sein.)

Das Band kann auch zwischen Zipp und Druckknopf blöd hervorstehen. Alles “Negative” hier sind absolute Kleinigkeiten, die ich bei weitem nicht so wortreich beschreiben sollte; sie sind bloss die Art von absolut nebensächlichen Details, die mich irritieren können.

[Update 2: Grössere Irritation – ich bin nämlich ein Depp. Derselbe Freund wie oben wegen der Ducan Boa High erwähnt, wusste auch, was es mit diesem Kordelzug auf sich hat. Er ist nicht so gedacht, dass man beide Enden miteinander verknotet, sondern so, dass man in beide Enden individuell einen Knoten bzw. eine Halbschleife macht, um damit das ganze Hüftband kürzer zu halten – und die Hose gleichzeitig immer noch problemlos öffnen zu können!]

Nutzen

Der Nützlichkeit und Nettigkeit der Sertig Shorts nimmt [meine Dummheit, siehe Update oben] absolut nichts ab.

Ich trage immer öfter Shorts, und die Sertig sind jene, die ich für das Fast Hiking, für das sie eben gedacht sind, absolut am meisten mag.

(Beim Trailrunning sind dünnere Shorts mit mehr Platz für Ausrüstung schon noch netter – und das ist ein ziemlich problematischer Balanceakt; für Wanderungen hatte ich noch lange meine Tights vorgezogen, aber würde die Sertig Shorts jetzt in den allermeisten Bedingungen vorziehen.)

Da wären wir also…

Weiter geht es (was Fast Hiking angeht) demnächst mit dem Ducan Spine Rucksack. Und ich muss wohl auf ein wenig schlechteres Wetter hoffen, damit ich das alles und insbesondere auch das Convey WB Hooded Jacket , das den Look… äh, die Ausrüstung… komplettiert auch in anderen Bedingungen testen und beurteilen kann.