Manchmal brauche ich einfach ein High… in den Bergen.

Der Ötztal Gletscher Trailrun ist eines der Events in den Alpen, die wunderbare Möglichkeiten dafür bieten; seine Strecken liegen zwischen 2000 und 3000 m Seehöhe.

Die Sonne in der Höhe ist stark, und die Stelle an meinem Schlüsselbein, die vom Adidas Terrex TR Pro Shirt unbedeckt bleibt, ohne dass ich mir dessen bewusst gewesen wäre, so dass ich mich dort nicht mit Sonnenschutz behandelt hatte, ist von dem Sonnenbrand immer noch, Wochen später, rot und rau.

Der Lauf war es aber wert.

Der Trailrun, im Wesentlichen

Von Obergurgl am Ende des Ötztals erklimmt man einige der Berghänge rundum, kreuzt Täler und Bergkämme und kommt so an einige der wesentlichen Orte von Interesse in der Region.

Die Marathonstrecke im speziellen führt zu vielen der Hütten und Ausblicke, die man gesehen haben sollte, hat mit fast 3000 m Anstieg genug Kletterei zu bieten, aber ist nicht außerordentlich extrem.

Natürlich ist das meine Perspektive darauf; deine Sicht der Dinge könnte eine andere sein.

Wie es für mich lief

Der Ötztal Gletscher Trailrun in seiner 42km-Distanz lief für mich tatsächlich sogar erstaunlich gut.

Ich hatte nicht gerade so gut trainiert, wie ich das gerne würde.

Anstiege und Downhills sind in meiner Wohngegend nicht gerade gut zu finden und fehlen mir dementsprechend – und meine einfachen Läufe sind nicht einfach genug, meine harten Einheiten… naja, was für harte Einheiten?

Dementsprechend hatte ich mich, als ich mich für die 42k angemeldet hatte, gewundert, ob ich die überhaupt in den vorgesehenen Zeitlimits schaffen würde. Wie üblich war ich, schlussendlich, einer der langsamsten Läufer, die den Lauf geschafft haben.

Geschafft habe ich ihn aber – und hart wie die Anstiege und Abstiege waren, hatte ich es diesmal anders als bei so manchen Läufen zuvor nicht nötig, abgeschlagen herumzusitzen.

Ich kam voran, ohne dass ich Krämpfe in den Beinen bekommen hätte, schaffte es ins Ziel und konnte immer noch zu meinem Quartier zurück spazieren.

Ich schätze, es zahlt sich aus, langsam zu machen und zu genießen.

Ein Trailrun auf der Sonnenseite

Zu geniessen gab es hier eine Menge.

Die Sonne war schon aufgegangen, bevor wir an den Start kamen, sogar bevor ich überhaupt aus der Pension, wo ich schlief, hinausgegangen war.

Nur die Läufer der Ultramarathon-Distanz, die dafür aber auch schon um 2 Uhr in der Nacht gestartet waren, erlebten den Sonnenaufgang in den Bergen.

Obergurgl liegt beim Start allerdings immer noch im Schatten. Am ersten Anstieg zum Soomsee kamen wir Marathondistanz-Läufer in die Sonne, die uns den ganzen Tag begleiten sollte.

Ein GlÜcksfall

Das Event dieses Jahres hatte viel Glück. Nur durch einen Rückgang in den Corona-Fallzahlen konnte es überhaupt stattfinden.

Üblichere Sorgen spielten auch schön mit – in dem Sinne, dass sie sich nicht erfüllten: der Vortag war ziemlich kühl und bewölkt, der Tag danach sollte mit starkem Regen beginnen und erst zu einer Zeit (einigermassen) aufklaren, wo wir am Vortag schon unterwegs waren.

Der Tag des Gletscher Trailruns allerdings war der schönste Tag des Sommers, gerade einmal etwas stärkerer Wind und bedrohlich wirkende Wolken an einem Teil der Berge rundum sorgten für ein wenig Abwechslung.

DIE ROUTE des Ötztal Gletscher Trailrun

Nach dem Aufstieg vom Start zum Soomsee geht der Trail kilometerlang im Wesentlichen entlang des Berghangs, vorbei an der Küppelehütte, auf Singletrail.

Der Blick öffnet sich zu den Gletschern voraus und gegenüber – und dann auch hoch zum Ramolhaus, zu einem der wesentlichen Anstiege auf den höchsten Punkt des Laufs, auf knapp über 3000 m.

Ramolhaus

Auf felsigen Pfaden bedeutete dieser Anstieg einiges an Leiden, gerade bei meinem Mangel an Bergauf-Training.

Es hilft nicht gerade, dass die Strecke dort auch gleich wieder zurück verläuft, man also den Läufern begegnet, die schon wieder von oben zurück kommen. Und hier verläuft auch die Strecke für den 21 km-Lauf, so dass man hier noch mehr und stärkeren, schnelleren Läufern begegnet, die schneller emporklettern und wieder hinunterrennen.

Es spielte aber auch nicht die grösste Rolle.

Ich wollte einfach nur vorankommen, genug der Eindrücke aufnehmen, um schöne Eindrücke per Video vermitteln zu können und schlussendlich bis ins Ziel kommen.

Das Zeitlimit war angenehm weit entfernt, und das war das einzige, was mir wirklich Sorgen gemacht hatte. Und oben an der Hütte gab es auch starke, warme Suppe.

Suppe scheint nichts besonderes, Suppe findet man nicht oft an Versorgungsstellen – aber sie scheint mir eine Geheimwaffe für solche Läufe zu sein. Sie bewirkt bei mir jedenfalls wahre Wunder, was ihre belebende Wirkung auf Muskeln und Laune angeht.

Der Ausblick rundum war beeindruckend, und der Downhill zum nächsten interessanten Punkt lockte: der Piccardbrücke.

Piccardbrücke

Jetzt war ich an der Reihe mit dem schnelleren Bergab, vorbei an anderen, die sich erst noch empor quälen mussten.

Zuerst über den locker-felsigen Trail, den es hinaufgegangen war, dann auf steinige Wege, wie viele der Wanderwege an Berghängen es sind und schliesslich, nach der Abbiegung hinunter vom zuvor bereits gegangenen Weg, auf grasig-steinige Trails.

Die richtige Schuhwahl

Von Anfang an gab es regelmässig Bäche zu queren.

Die Gegend hat nicht gerade wenig an Wasser, oft genug geradewegs von den Bergen hinunter fließend. Oft genug fiel es mir nicht ganz leicht, den Weg zu finden, wenn er durch und manchmal auch etwas entlang von Wasserläufen führte.

Eindeutig aber war die Wahl der Schuhe, mit den Terrex Agravic Tech Pro, die richtige gewesen.

Diese Schuhe werden eher als Winter-Laufschuhe beworben und sehen so aus, als wären sie Winterstiefel, aber sie waren (auch) hier in ihrem Element.

Die Konstruktion täuscht etwas; der hohe Aufbau ist eigentlich “nur” eine komplett integrierte Gamasche – aber sie ist wasserresistent genug, dass ich mit Spass durch die Bäche platschen konnte; die Sohlen sind zugleich griffig genug, um von Stein zu Stein zu springen.

Technischere Trails vor der Piccardbrücke

Weiter entlang dieses Trails, näher zur Piccardbrücke, wird der Weg etwas technischer.

Die Steine sind ziemlich glatt geschliffen und rutschig; eine nasse Stelle war dann auch prompt zu viel für die Sohle und ließ mich doch ein wenig rutschen und hinfallen. Meistens allerdings bedeutet der technische Aspekt dieses Wegstücks nur, dass es Stahlseile und Metallstufen gibt, entlang derer man sicher weiter kommt.

Mir war die Brücke am Weg hinunter, aus der Ferne, gar nicht aufgefallen. Womöglich war das auch gut so.

Am letzten Teilstück, wo man sich der Brücke von der Seite nähert, war sie nämlich schon beeindruckend genug. Sie beschreitend wird ihre Höhe über dem Boden und ihre Länge dann so richtig klar, und ich ging lieber mit Blick geradeaus darüber, mit laufender Kamera.

Es war immerhin meine 360-Grad-Kamera, den Blick hinunter könnte ich also auch nachher noch einstellen!

Auf und ab, Munter Weiter

Rauf und runter geht der Trail weiter, zuerst über den Schwärzenkamm zur Langtalereckhütte, dann auf Trails und Schotterstrassen zur Schönwieshütte.

Ich fürchtete beim Lauf dorthin schon, den nächsten steilen Anstieg direkt voraus sehen zu können. Und auf den Bergen weit hinein in das Tal hingen bedrohlich aussehende Wolken.

Der sofortige Anstieg war allerdings nur für die kürzere Distanz, die dort gleich hinauf zur Hohe Mut Alm ging. Unsere Strecke ging noch weit in das Rotmoostal, ein relativ weites glaziales Tal, hinein, entlang des Wassers, das vom Gletscher weit vorne kam.

Rotmoostal & Hohe Mut Alm

Ziemlich weit in das Tal hinein kam dann auch unsere Abzweigung schlussendlich, hoch zum Bergkamm und diesen entlang zur Hohe Mut Alm.

Der letzte Teil davon war auch wieder ein Hin-und-zurück, hatte also wieder schon-wieder-entgegenkommende Läufer, bevor man dann selbst zu einem von ebenjenen wurde.

Die Letzten Höhen und Tiefen

Wieder den Hang hinab, in das Gaisbergtal, vorbei an einem weiteren Gletscherbach und wieder ähnlichen, aber doch anderen, Wegen.

Diesmal waren es nicht nur die üblichen Bergwege dort, sondern auch Abschnitte, die ganz schön nass, wenn nicht gar sumpfig, waren, mit richtigen Schritt-Steinen gegen Ende.

Wieder eine Abzweigung, und weiter Richtung Festkogl, vorbei an Skiliften, auf schöne Singletrails, zu Skilift-Baustellen.

Ich war so konzentriert darauf, dass es wohl bald mal wieder bergab gehen würde, ich wollte schon den Weg links hinunter nehmen, wo eine der Gletscher Trailrun-Markierungen an einer der üblichen Wegmarkierungen hing.

Gerade noch sah ich auf meine GPS-Uhr und dann lieber doch noch einmal auf die Markierung… und lief dann eben doch bergauf, den richtigen Weg, weiter.

Noch zwei Mal hoch und runter, im Verwalltal über den Bach dort, dann ein Stück entlang des Bachs im Königstal. Und dann, endlich, ging es wieder in bewaldete Abschnitte auf den letzten Downhill, zurück nach Obergurgl hinein – und prompt nahm ich schon wieder eine Abzweigung nach links, nur um gleich zu bemerken, dass das Ziel nur ein kleines Stück weiter – rechts! – zu finden war.

Zurück zum Gurgl Carat Konferenzzentrum, ab ins Ziel.

Diese Ausblicke, dieser Lauf! – Ich hatte eigentlich für diesen Sommer gar keine Rennen geplant, nur Läufe und Wanderungen nach eigener Lust, aber ich bin über-froh, hier gewesen zu sein.

Es war grossartig!