Lass GPS-Uhren keine schlechten Navigations-Gewohnheiten antrainieren

Die Werkzeuge, die wir nutzen, formen uns. Ein Aspekt der Sport-/Outdooruhren, der mich das hat bemerken lassen, ist die Navigation.

Ironischerweise waren es ausgerechnet die grossartigen Landkarten – in Verbindung mit der fragwürdigen Batterielaufzeit – der Suunto 7, später dann auch das Fehlen von Landkartennavigation auf der Garmin Enduro, welche mich darauf gebracht haben.

“Diese Uhr navigiert nicht richtig!”

Die meiste Zeit hört man bloss Beschwerden darüber, dass Sportuhren und ihre Navigation nicht exakt und hilfreich genug sind. Dass sie die Erwartungen der betreffenden Person einfach irgendwie nicht erfüllt hatten.

Natürlich bemerken wir etwas nicht so besonders, wenn damit alles gut läuft, wir also keinen Grund zur Beschwerde haben. Dann war etwas einfach eine schöne Tour, ein erfolgreicher Lauf.

Von solchen hatte ich auch schon viele.

Mit Suunto-Uhren, mit solchen von Garmin und auch mit den neueren Polar-Uhren, bei denen Schwächen nur zu bemerkbar sind.

Ich hatte auch schon genug Läufe, bei denen Abzweigungen in der Navigationsansicht nicht gut genug sichtbar waren. Oder wo die automatische Routenführung von einer Landkarten-App Wegen folgen wollte, die es in der Realität gar nicht gab oder denen zu folgen jedenfalls nicht ideal war.

*Ich* Navigiere nicht richtig!

Die Frage, die wir uns aber nur selten stellen, ist diese:

Was bewirkt es eigentlich in uns, was bedeutet es für unsere eigenen Fähigkeiten, wenn wir nur der Linie einer Route auf einem Bildschirm folgen? Wenn wir nur darauf warten, von einer Uhr mit Abbiegehinweisen angepiept zu werden?

Die Suunto 7 hat grossartige Landkarten, die wirklich hilfreich dafür sein können, sich ins Freie zu begeben und seine Umgebung zu erkunden.

Sie kann auch, auf diesem Kartenmaterial, wunderbare Routennavigation anzeigen.

Gleichzeitig aber wird man, auf jeden Fall bei längeren Touren, nicht zu viel auf dieses Navigationsdisplay schauen wollen, damit die Batterie nicht zu schnell leer ist.

Das alles brachte mich dazu, zu bemerken, wie oft ich  mit anderen Uhren entlang von Routen navigiere, indem ich die Navigation ständig aktiv lasse und auch alle paar Minuten (wenn nicht Sekunden) darauf schaue, ob ich immer noch auf der geplanten Route bin.

Mein eigenes, bewusstes Navigieren schalte ich zu einem Grossteil ab – so glücklich ich auch immer bin, wenn ich irgendwo in den Bergen unterwegs bin und Markierungen am Weg sehe – und folge einfach dem Weg vor meinen Füssen und der Linie am Display der Uhr.

Mit Abbiegehinweisen wird das alles nur noch gedankenverlorener.

Selbst Abzweigungen werden bei Navigation mit dieser Funktion nur noch dann bewusst beachtet, wenn die Uhr sie nicht per Piep angedeutet hat.

Das kann meditativ (und dadurch durchaus angenehm) werden, aber es wird auch gedankenlos – und von Piepsern, die nicht gut Sinn machen, dann doch wieder gestört.

Mit der Suunto 7, im Versuch, die Batterie zu schonen, habe ich viel öfter nachgesehen, wie eigentlich der Weg weitergeht und versucht, mir das zu merken, dann ohne Blick auf die Navigation weiter zu laufen. Nur an kniffligen Kreuzungen und dergleichen gab es den Blick auf die Uhr.

So ist diese Smartwatch das richtige Gerät, um sicherheitshalber eine Route geplant zu haben, hauptsächlich aber einfach hinaus zu gehen und das Land zu erkunden. Tatsächlichen Wegen, die man um sich sieht, zu folgen. Zu entscheiden, welcher Weg gerade anspricht, auf der Karte gut aussieht – und einfach weiter zu laufen.

Navigation als Aktiver Prozess

Navigation wird so ein wesentlich aktiverer Prozess.

Ich fühle mich dazu bewogen, mir meiner Umgebung bewusster zu sein, ihr und meiner Lage in ihr mehr Aufmerksamkeit zu widmen, meine mentale Landkarte meiner Lage und meines geplanten Weges stärker zu “nützen”.

Nächster Schritt: Weniger automatische Routenführung, mehr Aufmerksamkeit bei der Planung, auf die Landkarte, bevor es überhaupt hinaus geht.

Es gibt schliesslich immer auch andere Wege, die interessant sein könnten. Nur echte Landkarten und ein aktiver, näherer Blick auf diese bringt das Bewusstsein um ihre Existenz, das Lernen.

Mit dem Laden einer GPX-Route ist es noch nicht getan… Das zu glauben ist ein Weg zu schlechteren mentalen Landkarten der Welt und schlechteren Navigationsfähigkeiten.

Natürlich, wir lassen uns solche kognitiven Lasten gerne abnehmen. Bei meinem nächsten Ultramarathon werde ich gerne wieder ein GPX der Route laden. Hoffentlich eines, das noch immer den richtigen Weg weist, wenn ich irgendwo auf einem Berg stehe und alles bezweifle.

Bei der nächsten Outdoor-Tour zum Spass, als Exploration, zum mehr lernen aber, da werde ich lieber versuchen, selbst besser zu wissen, wo ich bin – einfach in meinem Kopf.

Eine Uhr sollte schliesslich ein Werkzeug sein. Keine Krücke, ohne die wir schliesslich nicht mehr zurechtkommen.

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