Mit dem Phantom Pull-On hat Rab eine sehr spezielle ultra-leichtgewichtige Option in ihrer Skyline-Produktlinie (für Berg-Trailläufe) geschaffen.

Der Anorak ist in seinem kleinen Packmass und geringen Gewicht sehr attraktiv als ein Ausrüstungsgegenstand, den man ohne viel Nachdenken einpacken wird.

Zugleich allerdings sieht er nur zu dünn und zart aus, um wirklich guten Wetterschutz bieten zu können.

Bei diesem Teil weiss man besser genau, was man will und braucht und wie es funktioniert oder man kann sehr leicht davon enttäuscht sein.

Zunächst einmal, zur eindeutigen Offenlegung: Rab hat mir dieses Stück als PR-Sample geschickt, ich musste dafür also nicht bezahlen, es testen zu können, bekomme aber auch kein Geld – und auch keine Anweisungen oder Vereinbarungen, was oder wie ich darüber zu berichten hätte.

Spezialisierung mit mehr Einsatzmöglichkeiten

Mich hat das Phantom Pull-On sehr interessiert, weil es ein Ausrüstungsgegenstand ist, wie ich ihn besonders schätze: Gemacht für eine spezielle Aufgabe, aber für meinen Zugang zu einem aktiven Leben insgesamt gut passend.

Ausrüstung, die mich besonders reizt, ist für Bewegung in schwierigen Bedingungen ausgelegt, sieht aber nicht unbedingt danach aus.

Besonders schätze ich Produkte, die für Outdoor-Erkundungen mit einem Minimum an notwendiger Ausrüstung gemacht sind, sich aber auch gemeinsam mit Performance Menswear auf Reisen nutzen lassen.

Absolut Packbar

Das Rab Phantom Pull-On nun lässt sich in dem inkludierten Packsack auf Faustgrösse zusammenpacken.

Der Packsack selbst ist schon mit einer netten Kombination aus Schlaufe und Kordelzug gearbeitet.

Es ist nicht unbedingt die empfehlenswerteste Art, es mit sich zu tragen, aber ich habe den Kordelzug am Packsack manchmal dazu genutzt, ihn an eine Gürtelschlaufe meiner Hose zu hängen.

Der Sack hüpft dann etwas dumm herum, aber das funktioniert, um den Anorak für den Fall eines Regengusses schnell mitgenommen zu haben.

Besser natürlich ist es, ihn in eine Tasche oder einen Rucksack zu werfen.

Das Phantom Pull-On wiegt gerade einmal 90 Gramm und liesse sich noch stärker zusammendrücken, als der Packsack gross ist.

Man wird es also in einem Rucksack gar nicht, und selbst in einer Laufweste nur wenig, merken. Das einzige Problem könnte es sein, es wieder zu finden, wenn man es braucht.

Warum ist das Phantom so leicht? Das Material!

Als Anorak ist das Gewicht auch dadurch reduziert, dass der Zipp nur über die Hälfte der Vorderseite geht, nicht die ganze Länge. Auf diesem, als reiner Regenschutz ausgelegten, Stück gibt es auch keinerlei Taschen.

Die grösste Gewichtsreduktion allerdings ist natürlich dem Material zu verdanken. Hier finden wir wieder einmal Pertex Shield, sogar in einer 2.5-Lagen-Version, allerdings nur mit 7 Denier.

Es ist also ein wasserdichtes synthetisches Material aus einer Aussenschicht, der wasserdichten Membran und einer Beschichtung zum Schutz der Membran.

2.5L Pertex Shield (vs. 3L)

Verglichen mit einem 3L-Material (wie dem Flashpoint von Rab), in dem eine gewebte oder gestrickte Materialschicht die Membran schützt, ist ein solches 2.5L leichter und kleiner verpackbar, aber dafür etwas weniger haltbar.

Vergleicht man Flashpoint und Phantom, zwei Teile aus der Regenschutz-Kollektion von Rab, mit denen ich praktische Erfahrung habe, lassen sich beide klein genug verpacken, aber der Unterschied ist doch leicht bemerkbar.

Das Material ist beim Phantom noch einmal dünner, und ausserdem kommt hier noch dazu ein Stretch-Material zum Einsatz.

Das macht den Phantom Pull-On angenehm zu tragen, aber auch sehr ungewöhnlich im Griff. Es wirkt geradezu zerbrechlich, als hätte man mit kaum mehr als Frischhaltefolie zu tun.

Warum so leicht?

Diese Materialwahl von Rab ist eine interessante.

Die “richtigen” Regenjacken in der Skyline-Kollektion verkaufen sich wohl  leichter (und werden, allem was ich gesehen habe nach, jedenfalls stärker beworben). Sie klingen ganz danach, dass sie etwas stärker gebaut sind, leichter als Regenschutz erkennbar.

Das Phantom ist, dem Marketingtext von Rab [in meiner eigenen Übersetzung] nach, “die ultimative Pack-sie-ein-und-vergiss-sie-Jacke für Bergläufer mit minimalem Ausrüstungsbedarf” – und ich würde sagen, dass es das ziemlich gut beschreibt.

Minimal, dafür Dabei

Dies ist der Regenschutz, den man für einen schnellen Fastpacking-Übernacht-Trip in die Berge schnell in den Rucksack packt, selbst für schlimmere Bedingungen.

Und der zugleich in eine Laufweste passt, um auch bei einem schnellen kleinen Laufabenteuer für den Fall der Fälle oder bei einem Ultramarathon, zur Erfüllung der Ausrüstungsregeln, gerüstet zu sein.

Für meine Unternehmungen und Vorlieben ist das Phantom auch die richtige Art Regenschutz für einen Städtetrip, der Tropenstürme beinhalten könnte – und Bergläufe.

Seit ich einmal in einem tropischen Sommersturm in Hong Kong durchnässt wurde, und beim nächsten Besuch in der Stadt ohne guten Regenschutz niemals hätte hinausgehen können, sind solche doppelten Nutzungsmöglichkeiten ein sine qua non für Regenausrüstung für mich.

Und wie trägt sich das Phantom Pull-On?

Das Phantom ist nicht nur in der Materialauswahl hochspezialisiert, sondern auch im Schnitt und den Details. Diese bestimmen auch, wie es sich trägt.

Tragegefühl und Schnitt

Das Material ist nicht nur dünn, sondern hat auch etwas Stretch. Damit hat Rab sich für einen engeren Schnitt entschieden. Der Effekt auf das Tragegefühl ist ein etwas seltsamer:

Unter einem Rucksack getragen fühlt sich das Phantom nicht so an, als ob es irgendwo irgendein überflüssiges Material hätte, das Falten schlagen würde. Selbst wenn ich es einfach nur über einem Laufshirt trage, fühlt es sich eher eng an.

Gleichzeitig aber habe ich es geschafft, das Phantom schnell überzuwerfen, als ich plötzlich doch in einen Regenguss geriet, ohne meine schmale Laufweste abzunehmen – und es war zwar ein wenig Manövrieren notwendig, um den Anorak über die (hinten abstehenden, weiteren) Teile der Laufweste zu bekommen, aber er hat dann ohne sonderliche Probleme, ohne zu spannen, darüber gepasst.

ÄrmelBund

Das einzige speziellere Problem, das ich mit dem Schnitt habe, ist mit den halb-elastischen Bündchen am Arm.

Diese sind sehr schön so geschnitten, dass sie noch etwas weiter über den Handrücken gehen (mit dem Teil, der nicht mit Elastikband gearbeitet ist), aber sie sind recht eng.

Was Schutz angeht, mag ich das sehr; das “Problem” ist, dass ich doch ständig mit einer Sportuhr unterwegs bin, die sich dadurch aber nicht mehr so leicht erreichen lässt.

Um das Display ablesen zu können (wenn es durch das dünne Material nicht schon ausreichend durchscheint, was zumindest möglich erscheint), dann muss man den Ärmel also etwas weiter über das Handgelenk hinaufziehen.

Hüftbund und Länge

Der Hüftbund ist auch halb-elastisch gearbeitet.

Das Phantom ist lang genug und das Elastikband (und der Schnitt insgesamt) eng genug, dass das endlich einmal perfekt funktioniert.

Viele Jacken haben eine Tendenz, nach oben zu wandern; mit dem Phantom Pull-On habe ich dieses Problem nie gehabt (wie mir erst jetzt, während des Schreibens, bewusst wird).

Kapuze

Die Kapuze ist eine mit niedrigerem Volumen, mit Elastikband, ohne Anpassungsmöglichkeiten (ausser dem Draht in der schmalen Krempe vorne).

Man kann sie zu einer Art Kragen zusammenrollen und dann mit der Schlaufe mit Druckknöpfen, die innen an den Anorak angebracht ist und der Kleiderhänger-Schlaufe an der oberen Hinterseite fixieren.

Schutz und Leistung

Die Kapuze, um hier gleich anzuschliessen, ist nicht unbedingt für kompletten Schutz in einem Regensturm gebaut, bei dem der Wind die Regentropfen horizontal fliegen lässt… aber sie schützt doch ganz schön gut vor Regen und Wind.

Ohne irgendwelche Haken und Elastikbänder, um sie zuzuziehen, hatte ich erwartet, dass Wind die Kapuze einfach vom Kopf hinunterziehen würde.

Im schlimmsten Fall aber hat sie ein wenig Wind eingefangen und begonnen, sich deswegen aufzublähen und zu flattern. Der Effekt war aber eher ein angenehm kühlender als ein problematischer.

Mit oder ohne Kapuze am Kopf; das Phantom schliesst schön hoch ab; mit der Kapuze oben ist nicht zu viel vom Gesicht exponiert.

Natürlich ist es trotzdem gut, wenn man eine Sport(sonnen)brille trägt, damit Regen nicht in die Augen getrieben wird.

Das hat auch am Fahrrad gut gepasst.

Endlich In Kälte

In ernsthaft kalten Bedingungen war ich mit dem Phantom Pull-On erst mit dem Wechsel in den Winter unterwegs.

Natürlich ist es auch nicht dafür gemacht, als Winterjacke zu dienen. Für schnelle Läufe durch den Schnee, für die ansonsten schon ein mittelschweres Top reicht, habe ich aber nicht davor zurückgescheut, es als einzige weitere Schicht mitzubringen.

Tatsächlich würde es mich nicht überraschen, wenn die Atmungsaktivität unter solchen Bedingungen besser wäre als in wärmerem Wetter, während der Schutz, den es bietet, mindestens gleich gut bliebe. Dazu unten mehr.

(Das 3L Flashpoint hatte ich unter solchen Bedingungen jedenfalls schon verwendet, und es war kein Problem. Nur für Pausen ohne Bewegung braucht man dann doch eine wärmendere Schicht!)

In warmem nassem Wetter

Am meisten war ich bislang mit dem Phantom Pull-On im Frühling und Sommer, in Niesel und Regenstürmen, während kühlen bis warmen Temperaturen und bei hoch-aeroben Unternehmungen, unterwegs.

In diesen Bedingungen ist eine solche Art von Regenschutz eher schwierig zu bewerten.

Insbesondere das Phantom hat hier ein Problem: Es ist so dünn und fühlt sich so zart an – und sein Stretch verstärkt das nur noch weiter – das man es kaum für “Ganztagesschutz” (um wieder von Rab zu zitieren) halten will.

DWR? Welches DWR?

Das DWR-typische Abperlen von Wassertropfen habe ich beim Phantom nie gesehen (was auch meine grösste Kritik daran wäre, so schnell eine DWR-Behandlung sich auch mit dem Waschen immer entfernt), und ohne das wirkt das Phantom sehr stark so, als könnte es nicht nur mit meiner eigenen Schweissproduktion nicht mehr mithalten.

Durchnässt das?

Schlussendlich war ich dann also darunter, vor allem an den Armen, ziemlich nass.

Das lässt es so erscheinen, als würde das Material bloss wasserresistent sein und schnell durchnässen, vor allem wenn es (eben ohne den DWR-Effekt) nass aussieht und sich direkt auf der Haut kalt-nass anfühlt.

Bei einigen Tests unter verschiedenen Bedingungen, darunter auch einfach in einem Regenguss stehend ohne zu schwitzen, bei Läufen in verschiedenen Temperaturbereichen, wird klarer, dass das Material kaum bis gar nicht durchnässt; die Wasserdichte ist sehr gut.

Technologie und Technik bei Lauf-Regenschutz

An diesem Punkt treffen sich die Grenzen von Technologie und die Notwendigkeit eigener richtiger Technik, auf eine Art, wie ich sie immer sehr schätze.

Will sagen: Ein Regenschutz wie das Phantom Pull-On (wie so vieles an High-tech) kann nicht jederzeit und überall erfüllen, was es zu versprechen scheint. Es muss schon richtig genutzt werden.

Die Atmungsaktivität eines Materials wie diesem hier ist hoch, aber in hoch-aeroben Aktivitäten wie dem Laufen schwitzt man leicht mehr, als es nach aussen leiten kann.

Wenn die Temperaturen ausserhalb ähnlich hoch sind wie innerhalb der Jacke, bei Sommerläufen, dann wird dieses Problem besonders stark.

In solchen Bedingungen sollte man allerdings eigentlich auch gar keine Regenjacke anziehen. Ich habe das gemacht, um ihre Grenzen auszuloten, aber sie sollte wirklich nur dann eingesetzt werden, wenn die Bedingungen das verlangen.

Bei einem Lauf durch starken Regen in einer kalten Nacht – da wird solche Ausrüstung nötig. Ich hatte das vor Jahren einmal bei einem 100-Meilen-Lauf und, hätte ich nicht eine ähnliche Jacke gehabt, so hätte ich wohl zu den Teilnehmern gehört, die am nächsten Morgen nass und unterkühlt bereits aufgeben mussten.

Zurück in die Kälte

Bei der Sarstein-Überquerung, gleich nach dem Traillauf über den Plassen nach Hallstatt, da etwa war es Zeit für das Phantom, als die Temperaturen (draussen und/oder meine Körpertemperatur) am Sinken waren, es ein wenig regnete und der Tag sich seinem Ende zuneigte.

Wahrscheinlich schwitzte ich nur darum weniger, weil ich zu wenig Wasser hatte, gar nicht wegen wenig Anstrengung. Wie dem auch immer war, an hatte ich unter dem Phantom nur ein kurzärmeliges Shirt, aber es war alles angenehm so.

Auf winterlichen Läufen war alles nur noch besser.

Es war ideal zum Überziehen, wenn der Wind stark und kalt genug wurde, dass ein Laufoberteil alleine nicht mehr gereicht hätte.

Bei Niederschlag in der Kälte waren schon überhaupt keine Probleme zu bemerken.

Nutzen, aber Sicher

Die richtige(n) Nutzung(en) eines Ausrüstungsteils, die Technik zu wissen, wann und wie man es einsetzt – und zuallererst einmal das Wissen, welche Bedingungen man antreffen wird und welche Ausrüstung man für diese wird nutzen wollen – sind alle mindestens so wichtig, wie die Eigenschaften des Gegenstands selbst.

Das Rab Phantom Pull-On ist so spezialisiert, dass sich sein Nutzen nicht sofort erschliesst (ausser vielleicht im Hinblick auf Gewicht und Packmass).

Es wird sich nicht ohne weiteres an jedermann verkaufen – aber das ist auch genau richtig, denn es ist mit Sicherheit keine Jacke für jedermann.

Für mich und für meine Nutzungen allerdings hat sich das Phantom Pull-On bislang als genau richtig herausgestellt.

Die Frage, “Soll ich eine Regenjacke mitnehmen?” stellt sich damit nämlich gar nicht erst. Es kommt einfach mit.