Lokale Berge… im Flachland: der Hundsheimer Berg

Ist ein lokaler Berg es wert, ihn sich zu erlaufen, wenn er weit weg und wenig hoch ist?

Wie weit weg ist er überhaupt, und wie hoch wirkt er, wenn man ihn erreicht?

Die Anziehung

Von der Parndorfer Platte, der geologischen Zone um meinen Heimatort Parndorf, sieht man weithin ins Land.

Rundum ist es flach – aber nicht ganz. Im Norden erhebt sich der Hundsheimer Berg, der im Vergleich zur Ebene rundum ein klein wenig was vom Ayers Rock an sich hat.

Für mich hält der Hundsheimer Berg schon immer eine gewisse Verlockung.

Als höchste Erhebung in der Nähe wäre er ein gutes Ziel für Läufe.

Die Abstossung

Gleichzeitig ist der Berg allerdings so weit entfernt – und ich hatte nie genauer nachgesehen, wie weit eigentlich – dass er unerreichbar schien.

Die Wege sind zudem all dieselben, wie sonst auch: Hauptsächlich gerade, auf Schotter, an Feldern vorbei.

Kaum einmal ist etwas anders. Und wenn, dann sind auf dieser Strecke Strassen zu erwarten. Und da wäre noch die Leitha, die oft ein sehr spezielles Problem darstellt.

Dann eines Tages probierte ich einfach aus, was eine schnelle Routenplanung von der Haustüre auf den Hundsheimer Berg so für eine Distanz ergeben würde.

Mit 25 km stellte sich das als eine übliche längere Laufstrecke zum Training heraus – wenn auch nur in die eine Richtung.

Hin und wieder zurück versprach das, ein wenig härter zu werden. Aber doch machbar. – Und so machte mich eines jener Sommertage auf den Weg.

Auf dem Weg

Der Weg ist ein seltsamer.

Für mich ist er natürlich gewöhnlich; dies ist schliesslich die Gegend, in der ich schon lange, meistens, wohne.

Aber, der Weg geht durch eine Landschaft, die unheimlich flach ist. Deren geringes, aber dann doch existentes, Auf-und-Ab aber manchmal um so mehr für Anstrengung sorgt.

Eine Landschaft auch, die schon seit langem praktisch komplett von Landwirtschaft geprägt ist, deren Natur eigentlich Kultur – und maschinell-industrielle Bearbeitung – ist.

Umso spannender aber, wenn man an die Leitha mit ihrem Auwald kommt – und der Weg, den die Wegeplanungs-App vorgeschlagen hat, zwar einen österreichischen Weitwanderweg entlang geht, aber mit Brennesseln, Brombeeren und vielem Grün etwas unangenehm verwachsen ist.

So Nah, und doch…

Praktisch die ganze Zeit über lockt der Berg, der langsam immer näher rückt.

Grösser wird er stetig, aber auch nicht richtig, schliesslich hat er nicht gerade eine beeindruckende Höhe.

Und doch kann man sich leicht vorstellen, dass er als Aussichtspunkt über die Tiefebene interessant gewesen sein müsste – zumal die Donau (an seiner Nordseite) nahe vorbei fliesst.

Erst ganz in der Nähe kann man erkennen, wo wohl Wege auf den Berg hinauf führen werden. Die sehen nun auch durchaus einigermassen steil aus, auf jeden Fall im Vergleich zu der langen, flachen Strecke bislang.

Hoch – und Flach?

Tatsächlich geht es dann rasch bergan – und zu einer anderen Verwunderung, die ganz typisch für so manchen massiven Alpenberg wäre: Es geht schnell, anstrengend, bergauf… und dann ist man etwas weiter oben und es geht noch lange, im sanften Anstieg, auf und über den Berg entlang.

Dieser Weg ist sehr speziell.

Nur sanft weiter ansteigend, aber überraschend lang.

Manchmal in kleineren Senken am Berg, mit Bäumen rundum, die wie eine Welt für sich wirken.

Dann wieder an der exponierten Seite des Berges, mit Blick weit über das flache Land, aus dem man gekommen ist.

Schliesslich öffnet sich auch der Blick Richtung Westen noch mehr, in Richtung Wien, entlang der Donau, die hier vor allem durch ihren Auwald fliesst.

Hinunter den weiteren Weg, mehr gen Osten, geht es durch bewaldete Pfade, die genau so gut irgendwo viel tiefer in den Alpen sein könnten.

Aber natürlich ist nicht nur der Baumbestand ein etwas anderer, man kommt auch rasch wieder hinunter ins Flachland.

Rückweg mit Schwierigkeiten

Den Retourweg wollte ich etwas anders nehmen, aber die Leitha stellte sich wieder einmal als ein grösseres Problem heraus, als man von so einem kleinen Fluss erwarten würde.

Aus eigenem Wissen um die Wege und mit etwas Navigationshilfe von einer Sportuhr ging es ganz gut in die Nähe – und dann war ich in einem Ort, von dem ich noch nie auch nur gehört hatte, so nahe er mir doch eigentlich läge.

Moderne Navigationshilfen leiteten dort dann zum Fluss… und gewaltig in die Irre.

Da hätte wohl einmal ein Weg, den Fluss entlang, sein sollen. Oft genug gibt es diesen auch, weiter flussaufwärts, wo ich schon öfter unterwegs war.

Hier allerdings war der Weg, zu dem mich Online-Landkarten unbedingt leiten wollten, um nicht auf grösseren Strassen laufen zu müssen, einfach nicht vorhanden.

Umgepflügt und überwuchert war er entweder unpassierbar oder gleich ganz verschwunden.

Nichts ging, als endlich den Bundesstrassen zu folgen, quer durch die Dörfer zu laufen und dann endlich wieder an eine der wenigen Brücken über die Leitha und zu den üblichen Feldwegen zu kommen.

Schlussendlich, mittlerweile auch schon in Mittagshitze, wurde der Weg noch länger, als er ohnehin hätte sein sollen – und ich noch viel langsamer.

Eine vergnügliche Mikroexploration der Landschaft rundum, hin zum lokalen – nun zugleich näher und weiter wirkenden – Berg, war es dennoch.

Ausserdem ging es mir dabei auch darum, die FuelWise-Erinnerungen auf der Polar Grit X kennenzulernen; das ist auch stärker im Fokus des Videos zu diesem Lauf:

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