Gegenüber Hallstatt: Die einfache Sarstein-Querung mit persönlichen Komplikationen

Am Ostufer des Hallstätter Sees, nördlich des Dachsteinmassivs, liegt ein oft übersehener Berg, der Sarstein.

Er hat nicht die Höhe des Dachstein, nicht die direkte Verbindung mit Hallstatt des Plassen, aber er bietet doch einen interessanten weiteren Zugang zu Hallstatt, wenn man das zum Thema machen möchte – wie ich es immer wieder schon, allerdings in winterlichen Verhältnissen, getan hatte.

Der Ausblick vom Gipfel streift rundum über alle Berge, im Osten in die Steiermark, im Westen nach Oberösterreich, auf einem Weg der das Massiv des Berges, anstrengend aber unkompliziert, komplett überschreitet.

Der Aufstieg

Von Obertraun braucht es kaum mehr als den Weg über die Strasse vom Bahnhof zum Berg, um an den Aufstieg zu kommen.

Durch den ziemlich dicht bewaldeten Südhang geht es steil und stetig bergauf, mit wenig aber doch hin und wieder Ausblick, vor allem schon weit oben am Hallstattblick.

Das Wetter, von dem ich am Plassen gemeint hatte, das es sich gut halten würde (ich war über den nach Hallstatt, dann die Strasse am See entlang nach Obertraun, und gleich weiter) änderte sich am Weg den Sarstein hinauf doch ein wenig zum schlechteren.

Immer wieder etwas Nieseln versprach eventuell Probleme, das wirkliche Problem mit Wasser war allerdings doch bloss, dass ich meine Wasserflaschen nicht unten am See aufgefüllt hatte, weil… Ich habe keine Ahnung, warum eigentlich nicht.

Hatte ich einfach nicht stoppen wollen? Jedenfalls war die Anstrengung, gleich auch noch hier hinauf zu gehen, schon etwas grösser – und das Wasser schnell alle.

Der Weg hoch war dementsprechend umso weiter.

Es ist ein interessanter Weg, wieder einmal. Hier kann man sich nicht leicht verlaufen; der Weg ist absolut einfach zu finden. Durch Wald geht er immer ähnlich, stetig weiter bergauf. Gerade einmal ein paar felsigere Passagen sind etwas anders.

Gerade das aber finde ich recht meditativ.

Gipfelerfahrungen

Dann ist man plötzlich nicht mehr zwischen höheren Bäumen, sondern zwischen Latschen unterwegs. Wie in einer Mulde versteckt (es ist aber eigentlich eher ein Abschnitt des Berghangs, der tiefer verläuft, taucht dann auch plötzlich die Sarsteinhütte auf.

Etwas Richtung Berg, aber tiefer, liegt ein Tümpel, der aber eher nach Abwasser aussieht; die Hütte ist als Selbstversorgerhütte nur dann zugänglich, wenn man sich zuvor den Schlüssel dafür besorgt hat – aber an ihrer rechten Seite gab es eine Regenwassertonne.

Mit Sägemehl vom dort auch gestapelten Holz und Fliegenkadavern, aber immerhin Wasser.

Etwas davon war einfach nötig; ich schöpfte es halt, indem ich meine Wasserflaschen etwas tiefer ins Fass tauchte, um zumindest weniger Schmutz zu erwischen. Für das nächste Mal war doch wieder eine Flasche mit Filter nötig, schwor ich mir. (Meine liebste ebensolche war noch immer in China…)

Eine rechte Schatzkiste war da, an der Hüttenwand, auch: Mit Säften und Bier nämlich; zu bezahlen nach dem Ehrenprinzip, per Geldeinwurf in die dort hängende Kassenbox.

An so einer Stelle, in so einer Situation, soll niemand etwas gegen zuckrige Getränke sagen. Sie waren eine Wohltat!

So gestärkt ging es weiter – umso schneller, wo man am restlichen Weg bereits hoch oben ist und nicht mehr viel weiter nach oben muss, um zum Gipfel zu kommen.

Der Weg ist, typisch für diese Berge, ganz anders, weiterhin nur noch zwischen Latschen durch, über niedrige Grasflächen, mit weiten Blicken rundum und voran zum Gipfel.

Einziges Problem: Wie schnell würde ich nun sein, im Vergleich zum Sonnenuntergang? Wo würde ich schlafen wollen?

Viel Zeit war es nicht mehr bis zum Sonnenuntergang – aber auch nicht so wenig, dass ich den Gipfel nicht früher erreichen sollte. Und mit den Wolken rundum, dem vorherigen Nieseln, könnte es unangenehm sein, oben am Berg zu schlafen. Oder doch problemlos, aber wozu ein Biwaklager exponiert und früh aufschlagen, wenn der Sonnenuntergang erst eine Stunde später wäre?

Mit diesem Hin-und-her ging ich halt weiter, ohnehin kaum glaubend, dass die (von meiner Suunto) angezeigte Zeit bis zum Gipfel (als nächstem Wegpunkt) wirklich so kurz sein würde…

Und der nächste Schritt, der plötzlich tatsächlich kürzer war, als erwartet.

Weiter hinauf, weiter entlang – und plötzlich eben am Grat, Schneefeld rechterhand, ganz nahe am Gipfelkreuz.

Dort: an weidenden Schafen vorbei. Mäh!

Hinab in den Schlaf

Der Abstieg ist wieder ein anderer Weg, sehr viel steiniger als am Rest des Berges.

Vorbei an der Sarsteinalm, wo es auch wieder eine Hütte gibt (bzw. gäbe, diese ist wohl wirklich nur für die Bauern?) – aber das war hier auch egal; ein rein aussehendes Bächlein bahnte sich da seinen Weg, und nun waren meine Wasserflaschen mit saubererem Wasser vollgefüllt.

Gute Plätze zum Biwakieren waren da nun allerdings keine zu finden, also ging ich sehr viel weiter den Weg, bald nach dem Bach wieder durch den Wald, weiter. Einige Zeit später, in der Dunkelheit, dann doch ein relativ flacher Platz im Falllaub, das glücklicherweise keine Pfütze versteckte (wie es manchmal der Fall ist).

Schnell das Biwak auf, Schlafsachen hinein, und eine kurze Nacht.

Früh am nächsten Morgen auf, alles weggepackt – Blick zurück, keinerlei Spuren meiner Übernachtung hier; so soll es auch sein – und weiter.

Vorbei an der Stelle, wo alle meine Wegplanungen mir stets einen Weg abseits des eindeutigen Wegs anzeigen, der aber nicht nur im Winter hier nicht existiert, sondern auch jetzt im Sommer eindeutig nicht vorhanden ist.

Vorbei am Unterstand mit Blick ins Tal, der schon einmal im Winter mein Schlafplatz geworden war – und wo mir die ausgezogenen Schuhe über Nacht steif gefroren waren.

Hinab zur Pass-Strasse, diesmal sinnvoller (nicht die Autostrasse entlang) hinunter in den Ort, gut durch den Ort zum Bahnhof – und wieder einmal statt gleich nach Hause zuerst zu einem Frühstück beim Zauner in Bad Ischl…

Zivilisiert beim Frühstück

So gefallen mir solche kleinen Unternehmungen ganz besonders: Einerseits, hart an der Grenze an einer wortwörtlichen Durststrecke, die klarmacht, was eigentlich wichtig ist und wie wenig es zum Überleben braucht.

Andererseits, mit einem kleinen Luxus der daran erinnert, was ein schöner Fortschritt doch in Zivilisation steckt.

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