Wearables als Werkzeuge zum #NachHauseKommen

Wearables, insbesondere für Fitness, sind enorm beliebt geworden – und werden oft kritisiert als Produkte, die ihre Versprechen kaum erfüllen.

Noch jenseits von Fitness und Gesundheit aber sehe ich in ihnen Potential als Werkzeuge zum #NachHauseKommen.

Natürlich gibt es Probleme – und Missverständnisse.

Versprechen und Irreführung?

Der Schrittzähler?

Verspricht bessere Fitness. Drängt Leute nur dazu, seltsame Gymnastiken zu betreiben, um doch noch 10000 Schritte am Tag zu erreichen? Oder landet sowieso nur in der Schublade?

Die GPS-Sportuhr?

Ich sehe nur zu viele Leute, die ständig neue Reviews lesen, um die perfekte Uhr zu finden, die endlich ihre Laufstrecken perfekt aufzeichnet. Und wenn sie eine bestimmte Funktion nicht hat, das gewünschte – nein, geforderte! – Update nicht erhält, irgendwo einen Fehler im GPS-Track zeigt, dann wird sie lauthals als unbrauchbar deklariert.

Es ist nur zu leicht, in diesen Zeiten der Social Media, die die dümmlichsten und extremsten Meinungen immer weiter hochpushen, solche bizarren Ansichten und erbosten Kommentare zu finden.

Sinn

Für die meisten Leute sind Wearables aber wohl das, was sie sind: Kleine Werkzeuge, um sportliche Aktivitäten aufzuzeichnen, zu motivieren, mit Training und Gesundheit zu helfen.

Uhren und Fitnessbänder sprechen natürlich an, weil sie so manches versprechen.

Aber sie werden von den meisten Leuten wohl nicht dafür verantwortlich gemacht (anders, als es bei den bösen Kommentaren manchmal so vorkommen kann), wenn ihr Träger nicht ohne weiteres Zutun fitter oder schneller wird.

Werkzeuge zum #NachHauseKommen

Für mich sind Wearables, wenn man sich mit dem, was sie bieten, näher beschäftigt, noch mehr: Fitness-, Gesundheits-, Sport-Wearables, GPS-Uhren,… sie alle erinnern an Beziehungen und geben Einblick in Verbindungen, die wir oft übersehen.

Natürlich werden sie uns noch besser von Nutzen sein, wenn wir sie auch zu ihrem vollen Potential nutzen (oder es zumindest versuchen) – daher die Berichte und How-to zu ihnen, die ich auf www.uhrenundtouren.com publiziere.

Zumindest aber können sie helfen, mehr über uns selbst und unseren Platz in der Welt zu bemerken und zu lernen.

Das ist es jedenfalls, woher meine Faszination mit diesen Geräten kommt.

Mein schlagend Herz

Mein erstes Interesse war, wie es wohl bei vielen so ist, einfach eine geek-ige Faszination mit Uhren (und Daten).

Ich hatte begonnen, laufen zu gehen und wollte ein wenig mehr davon wissen, was ich da so tat.

Im Lauf dieser Dinge bin ich auf eine Pulsuhr gestossen.

Das stellte sich als sehr interessant – mit einer Beilage von “besorgniserregend” – heraus, weil etwas mit meinem Puls seltsam erschien. Immer wieder stieg er plötzlich rasant auf hohe Werte an, und das geschah nicht nur, wenn ich gerade unter einer Hochspannungsleitung stand.

(Solche frühen Pulsuhren erhielten die Herzfrequenzdaten von unkodierten Pulsgurten, deren Signal von Stromleitungen in der Nähe gestört wurde.)

Das sollte sich als unproblematisch herausstellen, aber es war immerhin schon einmal Motivation, meinen Gesundheitszustand überprüfen zu lassen und ihm mehr Aufmerksamkeit zu widmen.

Lektionen in Sachen “innere Daten”

Dabei habe ich natürlich mehr über mich gelernt.

Diese Lektionen sind, so viel später, wie es jetzt ist, vielfältig geworden, aber gut:

Daten als Kontrolle…

Durch Sportuhren habe ich gelernt, mein Training per Herzfrequenz (und in jüngerer Zeit, mit Power) zu steuern.

Die Effekte von Schlafmangel, Stress bzw. Erholungszustand – physiologischen und psychologischen Faktoren in mir als Körper – sind damit klarer geworden.

Umgekehrt habe ich, mit mehr Fitness und Erfahrung, auch gelernt, mich besser zu kennen und mehr auf mich hören zu können.

… ohne von Daten kontrolliert zu sein

Das hatte den interessanten Effekt, dass eine Sportuhr damit weniger notwendig erscheint.

Wenn ich mich einfach bewegen möchte, weil es Spass macht, dann brauche ich keine exakten Pulsdaten von einem Herzfrequenzgurt, ich kann auch einfach hinaus, mich vergnügen und trotzdem wissen, was ich da mache.

Ich habe immer noch gerne Daten davon aufgezeichnet, nicht zuletzt für eine eventuelle Trainingskontrolle – aber ein Lieblingsfeature ist die Möglichkeit, die Uhr mit ausgeschaltetem Display aufzeichnen zu lassen, was sie misst.

Weit und schnell… oder doch kurz und langsam?

Als nächstes in meiner Historie mit Sportuhren – und deren Entwicklung – kamen die Footpods für die Messung von Geschwindigkeit und Distanz.

Ich frage mich nach wie vor, wie viel von der Kritik an dieser Technologie davon gekommen war, dass Leute feststellen mussten, dass sie weniger weit und weniger schnell unterwegs waren, als sie gedacht hatten.

Ob nun unzufrieden mit diesen Daten oder davon geleitet, es wurde jedenfalls wieder mehr an Daten aufgezeichnet.

Was eine Distanz eigentlich bedeutet

Es war ein erster Schritt dahin, den eigenen Platz in der Welt besser zu verstehen.

Was 5 km, 10 km oder gar ein Marathon wirklich bedeuteten, im Vergleich zu den Strecken, die man bei Trainingseinheiten per Zeit – im Sinne von, “Ich laufe heute mal 45 Minuten lang” – gelaufen war, wurde nun klar.

Die Marathondistanz war für mich persönlich besonders interessant, wohne ich doch 40 km von Wien entfernt – was mir immer so vorkam, als könnte man die Strecke sicherlich nur per PKW oder Bahn bewältigen.

Später kamen sogar Ultramarathon-Distanzen dazu, aber dass dann schon wieder mit anderer Technologie, mit GPS.

Du bist *Hier

Noch später (und das ist inzwischen 15 Jahre her), schaffte GPS-Technologie es auf das Handgelenk – und damit kamen noch spannendere Möglichkeiten, sich in die Welt zu begeben und in ihr zu lokalisieren, hinzu.

Mit dem Tracking durch GPS-fähige Uhren wurde es möglich und immer einfacher, die bei einem Training oder einer anderen Outdoor-Aktivität zurückgelegten Strecken später, auf der Landkarte, zu betrachten.

Es machte es leichter zu sehen, wo man rund um die Welt schon war (und lief) – insbesondere mit gesunkenen Flugticketpreisen, mit denen auch die Reisen mehr wurden.

Es machte es auch deutlicher, wie viele Orte in der unmittelbaren Umgebung noch nie erkundet worden waren; wie oft immer dieselben Wege genommen werden und wir uns vertraut mit unserer Umgebung fühlen, das meiste von ihr aber noch nie gesehen haben.

Und Da geht’s Lang

GPS-Sport-/Outdoor-Uhren haben dann auch noch Navigationsfunktionen erhalten und es damit angenehmer und sicherer gemacht, neue Orte zu erkunden.

Sich an Mappingsoftware zu setzen und zu sehen, wo andere Leute unterwegs waren, Routen zu erstellen, um sie selbst auszuprobieren, sich zu bewegen und die Welt zu entdecken – und seine Spuren danach neu zu betrachten – das alles wurde damit möglich und einfach.

Alles Zusammen…

Das alles bietet Möglichkeiten, sich mit der Welt intensiver zu beschäftigen.

In Bewegung, sei sie nun sportlich oder auf Reisen oder bei Mikroexploration und Weltentdeckung, nah oder fern.

Oder beim Sitzen am Computer und Smartphone, mit eigenen Erinnerungen, im Durchsehen von Fotos und Videos – und eben im Betrachten von Streckenaufzeichnungen!

Beim sich-zu-Hause-machen in der Welt und mit seinem – auch wortwörtlichen – Platz in ihr befassen!

In der Verbindung zwischen eigenem Innerem und Bewegung in der Welt, Gesundheit und Erkundung, Entdeckung und Navigation – da eben finde ich solche Wearables besonders spannend.

Wie üblich müssen wir nur mehr sehen, mehr lernen, uns in dieser Welt zu Hause kommen lassen!

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