Tourismus und Tradition entlang der Tee-Pferde-Strasse in Yunnan

Yunnan ist eine der vielfältigsten und entferntesten Provinzen Chinas. Und es hat sich zu einer der grössten Tourismusdestinationen entwickelt.

Ein wesentlicher Anziehungspunkt sind die Städte entlang der Tee-Pferde-Strasse, insbesondere Dali, Lijiang und Shangri-la.

Yunnan

So weit entfernt von Beijing (und anderen früheren Hauptstädten) wie man in China selbst überhaupt kommen kann, ist Yunnan unter den südlichen Provinzen, die lange als der barbarische Süden betrachtet wurden.

(Ja, die Barbaren in China waren nicht nur die zentralasiatischen oder ‘westlichen’/europäischen Leute, von denen man oft diesbezüglich hört, sondern auch ethnische “Andere”.)

Yunnan ist in seiner Landschaft vielfältig, ebenso wie in seiner Bevölkerung: Von Chinas 56 verschiedenen ethnischen Gruppen kann man 25 in Yunnan vertreten finden (und sie machen 38% der Bevölkerung aus).

Als entfernte und vielfältige Region wurde Yunnan auch erst spät und mit Schwierigkeiten in das chinesische Reich integriert. Dementsprechend bestanden lokale Königreiche hier länger als andernorts.

Yunnan ist auch ein Schnittpunkt.

Nachbarn und Schnittstellen

Die Provinz grenzt an Myanmar, Laos und Vietnam; Thailand im tropischen Süden und das indische Nagaland und Arunachal Pradesh im Osten, im Himalaya, sind auch nicht weit entfernt.

Sie reicht von tropischen Regionen angrenzend an diese Länder zu Karstlandschaften im Osten. Im Nordwesten erstreckt sich Yunnan in tibetische Gebiete des Himalaya.

Dort findet man die “Drei Parallele Flüsse”-Region, wo Yangtze (hier als Jinsha), Lancang (Mekong) und Nujiang (Salween) von ihren Ursprüngen im Himalaya hinabfliessen.

Der Charakter von Yunnan als Schnittpunkt ist durch seine Handelsbeziehungen umso stärker.

HandelsBeziehungen

Es hat schon lange Interaktionen zwischen dem kontinentalen Südostasien( Vietnam, Myanmar, Thailand,…) und China gegeben, die durch Yunnan gingen.

Einige ethnische Gruppen sind beiderseits der nationalen Grenzen zu finden – oder eigentlich, schon lange vor der Etablierung der modernen Grenzen dort ansässig gewesen.

Handel und spiritueller Austausch gingen in Ostasien oft Hand in Hand. Buddhistische Mönche wanderten zum Wissenserwerb und als Pilger entlang  von Handelswegen, Kaufleute waren unter den grössten Unterstützern von buddhistischen Mönchen und Institutionen.

Netzwerke beider zogen sich durch die Region.

Die Tee-Pferde-Strasse

Die hauptsächliche Handelsroute, über die zunehmend gesprochen wird, ist allerdings die Tee-Pferde-Strasse, der (“alte”) Handelsweg der Cha-Ma Gu Dao.

Dieses Netzwerk an Routen verband die teeproduzierenden Regionen von Yunnan (und Sichuan), vor allem Pu-er, mit Tibet. Tee, gemeinsam mit Salz, wurde hoch in den Himalaya gebracht; Pferde aus dem tibetischen Hochland, nicht zuletzt als “Kriegsgerät” sehr beliebt, wurden in das Tiefland verkauft.

In jüngeren Jahren hat der Handelsweg neuen Aufschwung erlebt, allerdings nicht als ein Weg der Händler, sondern einer der Touristen.

Lijiang

Lijiang ist, teils durch seine Verbindung mit der Tee-Pferde-Strasse, vor allem aber einfach als eine alte Stadt mit einem ganz besonderen romantischen Charakter, der wohl bekannteste Ort hier.

Dieses Zentrum der Naxi-Kultur ist sehr speziell in seiner touristischen Art und darum bei Authentizität suchenden Reisenden oft wenig beliebt. Das hat allerdings auch eine andere Seite.

Das Umland dort beinhaltet ausserdem nicht nur Lijiang und seine Altstadt, in der Nähe liegen auch Baisha und Shuhe.

Dali

Dali, das frühere Zentrum des Bai-Königreichs, liegt sehr schön zwischen Bergen im Westen und dem Erhai-See im Osten und wird auch viel besucht.

Seine drei Pagoden sind ein wunderbarer Anblick.

Und natürlich ist auch hier, wie überall in Yunnan, das Essen ein grosses Thema.

Kunming

Weiter die Tee-Pferde-Strasse hinunter, im Zentrum von Yunnan, liegt die Hauptstadt Kunming, der übliche Ausgangspunkt für eine Reise in Yunnan (wenn man nicht gerade direkt nach Lijiang fliegt).

Kunming ist bekannt als Stadt des ewigen Frühlings; das Klima ist dank der Lage jahraus sehr angenehm.

Mein Besuch hier war diesmal sehr kurz, aber auf der Suche nach mehr Wissen um das Chilli in China ging es zumindest auf den Zhuangxin-Markt.

Shangri-La

Weiter in den Norden von Lijiang, in den Himalaya, kommt man an die Stadt früher bekannt als Zhongdian – und jetzt als Shangri-la.

Die Strategie hinter dieser Namensänderung ist so offensichtlich touristisch, dass es schon ein wenig schmerzt.

Nichtsdestoweniger ist dies ein grossartiger Ort, um etwas von tibetischer Kultur zu sehen – darunter das Kloster Songzanling das nicht ohne Grund als “Kleiner Potala” bekannt ist.

Weiter Richtung Lhasa könnte man hier sogar noch fahren, um dann eigentlich in Sichuan zu sein.

Auf der Suche nach einem speziellen Chilli, das dort mehrjährig wachsen soll, war ich kurz in diese Richtung weiter gekommen, in die Gegend um Nixi.

Neue Schnittmengen…

Die Mischung aus Tradition und Tourismus, Bewahrung und Marketingtaktik findet man hier allerorts.

Was man davon halten soll, das kann man lang und breit diskutieren. Oder man kann selbst hinfahren und sich einen eigenen Eindruck machen… oder sich (zumal in diesen gegenwärtigen Tagen eingeschränkter Reisemöglichkeiten) in Mikroexploration-Manier damit beschäftigen, mehr sehen, mehr lernen!

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