Gegenüber Hallstatt: Die Sarstein-Querung

Gleich gegenüber von Hallstatt liegt der Sarstein, einer der Berge, die ich schon oft besucht habe, der einen einfachen Zugang zu (oder weg von) Hallstatt bietet – oder eine ganz andere Erfahrung..

Von Obertraun den Sarstein hoch

Zuerst einmal geht der Weg, gleich weg vom Bahnhof Obertraun, kurz durch den Ort, dann auf einen Feldweg, und sogleich auf – und hinauf – Waldpfade.

Diese Trails klettern ziemlich rasch den Südhang des Sarstein hoch. Rasch. Und ständig ansteigend. Ohne Unterlass. Aber mit einem grossartigen Blick hinunter auf den Hallstätter See – zumindest das eine Mal.

Monoton würde ich diesen Anstieg nicht nennen, er hat seine konstanten Wendungen am Weg und ständige Wechsel des Untergrunds – aber er ist auch nicht der aufregendste Weg.

Der Trail wäre für einen Lauf, wenn man dafür stark genug ist, sehr interessant, womöglich sogar für einen kleinen, recht intimen, FKT (fastest known time, eine schnellste bekannte Zeit) für die gesamte Überquerung, gut.

Er ist auch einfach genug für eine entspannte Wanderung oder einen meditativen Bergmarsch – aber unterschätzen darf man ihn, wie er weiter und weiter ansteigt, auch nicht.

Bei der Sarsteinhütte, Ohne Wasser

Der Weg kommt plötzlich aus dem Wald hinaus, hinaus aus dem Hauptteil des Anstiegs. Für mich konnte das kaum früh genug gekommen, hatte ich doch nicht genug Wasser in Obertraun nachgefüllt (nachdem ich über den Hohen Plassen von Gosau nach Hallstatt und dann hinüber nach Obertraun marschiert war). Dementsprechend fehlte es schon an Wasser.

Ich wusste, dass die Sarsteinhütte dort bald zu erwarten war, von dem Hinweisschild darauf und früheren Erfahrungen mit dem Weg. Ist man erst einmal auf die von Latschen gesäumten Wege hinausgekommen, dann taucht auch bald die Hütte, versteckt in einer kleinen Mulde im Berghang, auf.

Das einzige Wasser, das dort zu finden war, war allerdings auch nur in dem Tümpel dort (der eher nach etwas für, nun, Brauchwasser aussah) oder aus dem Fass für Regenwasser – und mit Sägespänen vom Brennholz neben der Hütte und Fliegenleichen.

Ich musste dennoch etwas von dem Wasser schöpfen, zumindest halt versuchend, es von etwas tiefer im Fass zu nehmen, wo es ein wenig sauberer aussah – und es wurde wirklich klar, dass es tatsächlich an der Zeit für meine geplante Serie an Artikeln zum Thema Wasser (und Wasserfilter) ist. (Folgt in Kürze.)

Neben der Hütte steht allerdings auch eine Kiste mit etwas Bier und Getränken, für die man das verlangte Geld einfach in die Kassa dort einwirft.

Ich hatte schon geahnt, dass es dazu wohl kommen würde und etwas Geld (und nicht nur einen grossen Schein für Notfälle) mitgebracht. Das war eine gute Investition, und noch selten hat ein schön zuckriges ‘Soda’ so gut gemundet!

Das Gesicht eines Mannes, irgendwo zwischen Zuckerhoch und der Scham, noch immer nie genug Wasser mitzubringen…

Sarstein-Gipfel-Weg

Aus dem Wald draussen und auf diesen Wegen zwischen Latschen ist der Trail wesentlich alpiner, dabei aber weniger steil – oder zumindest fühlt er sich so an.

Man ist hier allerdings auch mehr exponiert, selbst in diesem heissen Sommer lag trotzdem an einem Fleck noch etwas Schnee. Exponierte Lage bedeutet allerdings auch, dass man freien Blick auf die Berge rundum hat.

Oft genug geht der Blick auch wirklich rundum.

Gipfelblicke

Das ist eines der Charakteristika, die den Sarstein zu einem netten Berg für eine Querung machen. Er bildet eine Grenze zwischen Oberösterreich und der Steiermark und bietet damit Blicke in beide Bundesländer. Und in den Süden hin, im eigenen Rücken (wenn man so unterwegs ist, wie ich dieses Mal) liegt der Dachstein.

Ebenfalls an der Grenze zwischen Oberösterreich und der Steiermark gelegen, ist der Hohe Dachstein der höchste Berg dieser zwei Bundesländer und der zweithöchste Gipfel der nördlichen Kalkalpen.

(Der höchste von dessen Gipfeln wäre die Parseierspitze in Tirol, die auch der einzige 3000er dieses Teils der Alpen ist. Die Zugspitze an der Grenze von Österreich und Deutschland – und der höchste Berg Deutschlands – gehört auch hier dazu.)

Der Hohe Dachstein hat 2995 m Höhe; seine oberen Hänge sind vom Dachsteingletscher bedeckt… Hier gibt es vieles, touristisches wie an sportlichen Möglichkeiten.

Diese sind tatsächlich so zahlreich und so bekannt, ich sollte sie wohl einmal vorstellen – aber gleichzeitig geht es damit so weit, dass der Dachstein durch seine Bekanntheit solche Berge wie den Sarstein im mehrfachen Wortsinn überragt. (Und die ganzen touristischen Angebote am Dachstein mit ihren Eintrittskarten zu vermeiden, ist nicht so einfach.)

Hinunter Richtung Steeg-Gosau

Vom Sarsteingipfel – der amüsanterweise in den Sommermonaten als Schafweide genutzt wird – geht es den Weg hinunter Richtung Steeg-Gosau.

Dieser Abstieg ist zuerst sehr felsig, fühlt sich dabei aber, zumindest für mich, immer wie ein Gehsteig an. Dann geht es über eine Alm (die hauptsächliche Weide hier). Dort steht auch wieder eine Hütte und, an Zeiten wie jener meines Besuchs, fliessen Bächlein hier hinunter – mit wesentlich klarerem Wasser, als ich es zuvor gehabt hatte.

Nach der Sarsteinalm ist man dann wieder zurück im Wald, zurück auf typischen Waldwegen. Stellenweise geht es immer noch über Felsen, oft aber über angenehmeren, weicheren, Waldboden – auch wenn man besser auf Wurzeln aufpasst.

Waldschlafen

Ich hatte irgendwo abseits von diesem Pfad geschlafen, auf einer ziemlichen Laubschicht, wo endlich einmal ein einigermassen flaches Plätzchen zu finden gewesen war. Es hatte einfach noch zu viel Licht gehabt, als ich an den Gipfel gekommen war, auch wenn es schon nahe am Sonnenuntergang war, als dass ich schon hätte stoppen wollen.

Eigentlich war ich für ein Biwak schon einmal knapp unter dem Gipfel geblieben; exponiert wie das ist, funktioniert es doch ziemlich gut.

(Zwischen den Regenwolken, die diesmal durchgezogen waren und meinem Wunsch, lieber bald am nächsten Tag wieder nach Hause zu kommen, hatte ich mich dennoch dagegen entschieden, dort oben zu schlafen – was ich nicht mehr für die beste Entscheidung halte.)

Wege im Morgenlicht

Wie dem auch sei, ich war jedenfalls am nächsten Morgen früh wieder auf und unterwegs – auf den Pfaden, auf denen ich, in die andere Richtung und mehr oder eher minder gut, auf Sarsteinquerungsversuchen im Winter unterwegs gewesen war.

Mit dem morgendlichen allmählich heller werdenden Licht und dem Zwitschern vieler Vögel unterwegs zu sein, war jedenfalls sehr schön… und auch, an dem Ort vorbeizukommen, wo die geplante Route mir auch diesmal einen Abstieg anzeigte, der jetzt im sommerlichen Morgenlicht eindeutig nicht existierte.

Auf dieser Strecke hatte ich mich im Winter durch Schnee gekämpft; da hatte es ein wenig mehr danach ausgesehen, als könnte dort ein Weg bestehen.

Mit Licht und unbedecktem Boden allerdings war sehr klar, dass dort nicht wirklich ein Weg hinab führt – und so ging ich wieder einmal weiter, auf dem eindeutigen Weg hinab, zu der Passstrasse am nördlichen Hang des Sarstein und dann – diesmal wenigstens auf etwas besseren Wegen, nicht einfach am Rand der Strasse entlang – hinab nach Steeg-Gosau und zum dortigen Bahnhof.

Zurück in die Zivilisation

Eine Katzenwäsche und einen Kleidungswechsel im Zug später ging es in Bad Ischl gleich noch einmal aus dem Zug hinaus auf ein Frühstück mit Kaffee und Kuchen bei der Konditorei Zauner (und Mitbringsel für Zuhause), und zurück in das “normale” Leben.

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