Longji Rice Terraces

Die goldenen Longji-Reisterrassen im Herbst

Eine der grossen Schönheiten von Guangxi, neben Guilin und Yangshuo, sind die Longji- (“Drachenrücken”) Reisterrassen bei Longsheng.

Meine Hoffnung über sie wurde tatsächlich war: Im Oktober wird hier erst nach den chinesischen (National-)Feiertagen geerntet, um den Touristen noch ein schönes Bild zu bieten.

Reifer Reis auf den Longji-Reisterrassen

Für die Ernte ist die Zeit schon etwas spät; der Reis ist bis dahin wirklich goldfarben und zum Bersten dick. Aber, keine Beschwerde von mir. Der Blick über die terrassierten Felder ist dadurch ein beeindruckend schöner.

Jinkeng Reisterrassen

Schon gemütlich über die Pfade hier zu spazieren ist anstrengend.

Wobei, genau aus dem Grund gibt es einen Sessellift vom Dorf Dazhai zum “Goldener Buddha-Gipfel” Jinfo-ding 金佛顶.

Wahrscheinlich waren genau deswegen nicht so viele Leute im Dorf und auf den anderen Wegen. Tagesausflügler fahren einfach zum Parkplatz unterhalb des Orts, gehen zum Lift, fahren damit hoch und wieder hinunter.

Das macht absoluten Übertourismus, aber normaler chinesischer Tourismus ist ohnehin ein Massenbetrieb; China hat nun einmal etwas andere Bevölkerungsverhältnisse. Touristenorte sind darum gleichbedeutend mit Menschenmassen.

Man lernt aber auch schnell zu verstehen, warum die Einheimischen  die Chancen aus dem Tourismus gerne ergriffen haben. Schwer zu verstehen ist nämlich nur, wie diese Terrassenlandschaft jemals konstruiert werden konnte. Das war eine Arbeit…!

Dieses Erstaunen scheint schon lange zu bestehen. Ich bin über Geschichten rund um Dazhai gestolpert, denen zufolge der Ort schon früher ein beliebter Platz für eine etwas anders orientierte Art von Besucher war:

Vertreter der kommunistischen Partei nämlich, schon zu Zeiten von Mao Zedong, für die er als Beispiel dafür galt – und genutzt wurde – was mit vereinter Anstrengung eifriger Arbeiter nicht so alles erreichbar wäre. Eben selbst das Umsetzen – oder zumindest Umgestalten – ganzer Berghänge.

JinFoDing

JinFoDing ist eine Wanderung – oder ein kleiner Trail-Lauf – wenn man dorthin zu Fuss möchte. Dorthin für den Sonnenaufgang oder -untergang zu gehen, wenn der Sessellift nicht fährt, ist allerdings wesentlich schöner.

Um die GPX-Datei hinunterzuladen, hierauf rechts klicken und “Speichern”.

Ich kann es nur empfehlen, früh am Morgen hoch zu gehen, auf den Sonnenaufgang zu warten, zuzusehen, wie die Leute immer mehr (und noch immer keine veritablen Massen) werden.

Der Sonnenaufgang macht nicht den grössten Unterschied für den Ausblick; die Landschaft wird nur stetig heller und besser zu sehen. Wie die Sonne allerdings über die Berge im Osten, links vom eigenen Blick ins Tal hinunter, aufsteigt, ist ein wunderbarer Anblick.

Longji Jinfoding (vor) Sonnenaufgang
Longji Jinfoding (bei) Sonnenaufgang
Longji Jinfoding (kurz nach) Sonnenaufgang

XiShan ShaoYue

Ein anderer Weg, den man gehen – und nicht unterschätzen – sollte, führt von Dazhai vorbei an Tiantouzhai.

Dieses andere Dorf oben auf einer der Anhöhen hier ist auch beliebt für Unterkünfte – man sollte nur wissen, dass man dorthin erst einmal hochgehen muss, bevor man sich im Hotel/Hostel entspannen kann.

Von dort geht es weiter, zum Aussichtspunkt XiShan ShaoYue 西山韶乐 “West Hills Music.”

Hierauf rechts klicken und “Speichern” für die GPX-Datei (und nicht von meinem Verschreiber im Dateinamen stören lassen).

Dieser Ort ist der höchste Punkt auf den Reisterrassen und bietet die weitesten Blicke. Um den Sonnenuntergang herum dorthin zu gehen, war nicht unbedingt die beste Wahl, geht der Blick doch in Richtung Osten – Sonnenaufgang, nicht Sonnenuntergang.

Danach wird die Nacht ziemlich dunkel, und um wieder die Pfade hinunter zu kommen, ist eine Taschen- oder Stirnlampe eine sehr gute Idee.

Davor allerdings waren die Ausblicke schon sehr schön…

XiShan ShaoLe in den Longji-Reisterrassen

Die Roten Yao…

Dieses ganze Areal rund um Dazhai und Tiantouzhai sind die Jinkeng-Reisterrassen der Roten Yao. Sie liegen am weitesten östlich, am Rand des Gebiets der Longji Tianti Reisterrassen und werden eben von den Roten Yao bewohnt.

Diese ethnische Minorität wird, wie viele andere hier im Südwesten von China, nach der Farbe der traditionellen Frauengewänder unterschieden/benannt.

Dieser Teil der Reisterrassen gilt – bei allem, was ich über Menschenmassen gesagt habe – als weniger kommerzialisiert, rustikaler. Es ist eher nur relativ richtig, aber nicht unwahr…

Wandern von Dazhai nach Ping’an

Ich konnte – voll wie mein Rucksack war, unklar, wie das Heimkommen danach wurde, usw. – nicht widerstehen, die Wanderung von Dazhai nach Ping’an zu machen.

Es war anstrengend genug, aber auch interessant. Man kommt (zu dieser Zeit) an mehr bereits abgeernteten Feldern unterwegs. An Feldern, die aufgegeben wurden. Durch Waldstücke. Etwas seltsam durch den Ort Zhong Liu, am Hang neben einer Strasse mitten durch ein kleines Häuserlabyrinth – und dann zum Blick auf das andere wesentliche Areal an Reisterrassen, jene von Ping’an.

Die Ping’an Reisterrassen

Die Top-Aussicht hier, metaphorisch und wortwörtlich, ist jene der Neun Drachen und Fünf Tiger (九龙五虎, Jiu Long Wu Hu). Man geht auf der Wanderung schon länger auf Asphaltstrassen, trifft auf immer mehr Autos und ist dann plötzlich wahrlich unter Menschenmassen.

Longji Reisterrassen: JiuLong WuHu (Neun Drachen, Fünf Tiger) Aussichtspunkt

Hier kam mir die Offenbarung, dass es dieser Ort war, den ich vor Jahren einmal besucht hatte. Es wurde alles schon damals etwas kommerzialisiert, aber meine Erinnerungen an den Ort waren kaum mit dem heutigen Stand vereinbar. Die Felder sind immer noch Terrassen, die Pfade immer noch steil, aber touristische Infrastruktur ist seit damals wirklich ausgeufert.

Der Blick ist trotzdem immer noch ein schöner.

Am Weg – oder zumindest, auf einem der Wege – hinunter kommt man an einem anderen berühmten Aussichtspunkt hier vorbei, Sieben Sterne um den Mond (七星伴月). Er soll gut für Fotos sein – und das ist heutzutage der wesentliche Zeitvertreib und Grund für einen Besuch, so wie es aussieht; ich bin mir allerdings nicht sicher, ob ich die sieben Steinhaufen auf einem mondförmigen Feld dort wirklich gesehen habe.

Der Vollständigkeit halber: Zhuang Reisterrassen

Es gäbe auch noch die Longji Ancient Zhuang Rice Fields, die Alten Reisterrassen der Zhuang (einer anderen Volksgruppe hier), aber diese könnten man anscheinend nur erreichen, würde man weiter wandern (was kaum jemand jemals zu tun scheint, und der Weg war bzw. wurde mir auch so schon ein etwas langer…)

Für mehr über den Wanderweg, hier entlang.

Schreibe einen Kommentar

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.