Die Geschichte in unseren Köpfen spricht von Abenteurern und Entdeckern einerseits, Bücherwürmern andererseits.

Idealerweise aber gehen diese zwei Dinge Hand in Hand. In Mikroexploration ganz besonders.

Eigentlich ist es sehr seltsam, dass wir solch unterschiedliche Geschichten erzählen.

Wie die Neugier entsteht

Wer nach Abenteuer sucht, geschweige denn nach Erkundungen, kommt nicht einfach durch einen bestimmten Charakterzug dazu.

Natürlich gibt es Leute, die mehr nach Abenteuern streben als andere (die ihre Abenteuer lieber nur in der Fantasie erleben).

Das Streben nach Abenteuern wurde und wird aber oft durch Geschichten in Büchern genährt.

Wie Entdeckung erfolgreich wird…

Soll Neugier jemals zu erfolgreichen Entdeckungsreisen führen, dann kommt noch mehr Literatur ins Spiel.

Selbst die grossartigsten Abenteurer mit Nerven aus Stahl und der Ausdauer, durchzuhalten, werden eine Expedition schliesslich mit Nachforschungen, Planung und Vorbereitung beginnen.

Sei es auch nur eine Reise, seien wir auch noch so bestrebt, Platz für den Zufall zu lassen: Erfolg wird doch gute Planung und Vorbereitung brauchen.

… und zu weiterem Erfolg führt

Was auch immer erkundet worden war, das braucht dann auch Erklärung.

Geschichten und Nachforschung.

Selbst wenn es nur um ein kleines Abenteuer gehen sollte, selbst inmitten all der Ermahnungen, Dinge um ihrer selbst willen zu unternehmen und nicht für Social Media-Likes, macht eine Dokumentation des Abenteuers es nur umso wertvoller.

War es eine Bergbesteigung, die es in die Annalen der Bergbesteigungen schaffen soll, dann braucht es zumindest ein Gipfelfoto, das publiziert wird.

War es ein Trailrun in einer neuen Bestzeit, ein FKT, dann braucht es die ausreichende Dokumentation der Leistung, den GPS-Track – oder es ist bloss eine Behauptung.

Aber vielleicht war es ja wirklich nur ein persönliches Abenteuer.

Persönliche Abenteuer, Erkundungen nur für einen selbst, sind auch schön. Auch sie haben einen Wert.

Wirkliche Wertsteigerung

Der Wert wird aber auch mehr, wenn sie nicht nur oberflächliche Abenteuer auf dem Niveau von all-inclusive Pauschalreisen waren, bloss mit mehr Anstrengung.

Soll etwas eine kleine Entdeckungsreise gewesen sein, etwas Erkundung – selbst für einen selbst – dann ist es das wert, dass man sich danach etwas hinsetzt.

Nicht nur mit Fotos der Tour. Nicht nur zum Videos schneiden, um zu zeigen, dass man dort war.

Beijing's China National Library

Setzen und mehr lernen ist dann das Gebot. Mehr darüber in Erfahrung bringen, was man da eigentlich gesehen hat. Über seine Geschichte, die Hintergründe, die Beziehungen, die Bedeutung – über das, was auch immer einen interessiert hat und interessiert.

Verbindungen

Es gibt immer eine Menge derartiges zu lernen, viel Wissen, dass man umso besser für sich entdecken kann, wenn man sich eine persönliche Beziehung zu einem Ort aufgebaut hat, zu den Leuten, zu den Pflanzen, zu… wiederum, was auch immer einen dazu gebracht hat, dorthin zu wollen.

Lassen wir es doch aber nicht einfach nur eine schnelle Tour, einen Instant-Besuch für nichts als Instagram-Likes gewesen sein. Likes oder keine Likes, das Interesse daran ist tatsächlich nicht viel mehr, als das Interesse früherer Generationen an den Dias der Freunde von deren letztem Urlaub.

Bei Ganden Sumtseling
Selfie in allen Ehren, aber Ganden Sumtseling bei Shangri-la zum Beispiel lässt noch lange viel lernen, über das Kloster, den Buddhismus, die Natur rundum…

Erkunden wir die Dinge tiefer, indem wir in Bücher eintauchen. Gerne auch in TV-Dokumentationen. (Bei denen man dann meistens schnell lernt, wie oberflächlich oder sogar direkt irreführend diese sein können.)

Machen wir Mikroexploration daraus. Die Zeit ist reif dafür.