zu Hause in... mit Gerald Zhang-Schmidt

Mehr sehen, mehr lernen, in dieser Welt #NachHauseKommen

In China leben lernen

Ich bin wieder in China. Das ist jetzt das dritte Mal, dass ich zum Leben und Arbeiten hierher gekommen bin, dementsprechend ist alles bekannt – und leben in China hat dennoch seine Herausforderungen.

Natürlich können die jeweiligen Erfahrungen unterschiedlich sein, aber ich denke, ich kann doch übliche Themen ansprechen. Und natürlich meine eigene Perspektive zeigen.

Der Staat, die Organisation… die Bürokratie

Das Hauptthema für den Anfang: Bürokratie.

In China einreisen zu dürfen war für mich noch nie so problematisch, wie man es sich gerne vorstellt oder es dargestellt bekommt. Aber, naja…

Den Prozess, die notwendigen Dokumente für mein Arbeitsvisum zusammen und so wie notwendig legalisiert zubekommen, hatte ich im März begonnen. Ich fürchtete – nein, ich war ziemlich sicher – ich würde den Prag-Marathon Anfang Mai verpassen.

Der ganze Prozess sollte sich als noch etwas langwieriger – und mit der Einreise in China noch längst nicht fertig – herausstellen…

China, Das Land der Apps

Eines der wesentlichen Probleme, mit denen dies alles zusammenhängt: Mit einem Bankkonto (sofern ich genau darauf aufpasse, mit welchen Daten es eröffnet wird, denn die Info muss man *exakt* eingeben), sollte ich endlich WeChat Pay und Alipay einrichten können.

Das liebe Geld… in den Apps

Diese zwei Bezahlsysteme/-apps haben das Bargeld in China so weit abgelöst, manche Stände akzeptieren gar keinen Cash mehr. Leben in China ist darum ohne diese Apps gleich viel komplizierter.

Mit Alipay oder WeChat Wallet sollte ich auch Geld von meinem auf das Konto meiner Frau bekommen können, damit ich ihr endlich einige Schulden zurückzahlen kann und es möglich wird, dass sie Geld in Europa abhebt und auf mein Konto dort einzahlt.

Shopping!

Und damit könnte ich auch Taobao und Chinas andere grosse Shopping-Plattformen nutzen, die… Nun ja.

Wenn jemand sich beschwert, dass die Chinesen mehr an Shopping als an sonstwas interessiert zu sein scheinen, dann frage ich mich öfter, ob diese Leute je auf Taobao geschaut haben.

Vieles kann man dort wesentlich günstiger bekommen als in Geschäften. Viele ausgefallene Dinge lassen sich hier finden.

Selbst in meiner Forschung rund um Chilli und andere Würze in China ist Taobao ein spannender Einstiegspunkt um zu lernen, was so alles angeboten wird, woher es kommt, mit welcher Präsentation und Definition.

SIM Me Up!

Zumindest habe ich es schon mit dem Pass alleine geschafft, eine SIM-Karte zu bekommen.

Und mein in Österreich gekauftes (und noch immer an einen Vertrag gekoppeltes) Smartphone hatte doch tatsächlich keinen SIM-Lock mehr. Ich konnte also das alte (offene, aber kaum mehr funktionierende) Telefon endlich sein lassen.

Eine SIM-Karte, ein Vertrag mit viel an Datenangebot, ist eine absolute Notwendigkeit.

Zur Navigation

Ohne Amap (Gaode Ditu) wäre ich schon öfters verloren gewesen. Damit hingegen kann ich durch ganz China navigieren.

Zur Kommunikation

WeChat hatte ich schon installieren müssen, bevor es überhaupt nach China ging. Es ist das hauptsächliche Kommunikationsmittel an meinem (und so ziemlich jedem anderen) Arbeitsplatz. Und für private Gespräche. Und so manch anderes kann die App auch noch.

Sprachhürden

Natürlich spielt die Sprache eine Rolle, wenn es darum geht, in China leben zu lernen. Wenn es um Chinesisch geht.

Ich habe eine Kenntnis der Sprache, aber sie ist noch immer ziemlich limitiert.

Alltägliche Lebensmittelkäufe oder Essensbestellungen in Restaurants sind schon zu schaffen; einfachste Gespräche auch. Manchmal reicht es auch, um zu verstehen, worum es in einer Notiz oder WeChat-Nachricht wohl geht. (Noch dazu hat WeChat eine Übersetzungsfunktion, die oft sehr hilft!)

Muss ich allerdings für Gas, Strom, Wasser zahlen, zum Beispiel, dann war es das mit meinem Chinesisch. (Funktionen dazu sind in den oben erwähnten Apps versteckt und brauchen funktionierende Bezahlsysteme, dementsprechend habe ich dafür wenigstens noch eine Ausrede.)

Anderes als einfachste Gespräche, und ich steige auch schnell aus. Oder ich weiss zwar, worum es geht, kann aber meinerseits nicht mehr antworten…

Chinesisch ist nicht zwingend nötig…

Man braucht allerdings nur einmal einen Blick auf Where’s Poppy? und TravelLight zu werfen, um zu sehen, dass man auch komplett ohne Chinesischkenntnisse durch China reisen kann.

Tatsächlich ist das Chinesisch, das sie zu lernen versucht haben, eher ein Hindernis.

(Das soll sie jetzt nicht als dumm darstellen oder dergleichen; das passiert nur zu leicht, wenn man die Töne nicht von Anfang an, mit guten Lehrern, richtig beigebracht bekommt. Die Frustration ist dann gross, wenn man doch etwas Chinesisch gelernt hat, aber erst recht nicht verstanden wird – und ich kämpfe mit ähnlichen Problemen selbst immer noch!)

… aber Sprache nützt natürlich sehr!

Man braucht allerdings nur Blondie in China anzusehen, um zu bemerken, dass es sich mit guten Chinesischkenntnissen natürlich einfacher lebt und sich so auch mehr lernen lässt.

Also, zum leben in China braucht man nicht unbedingt Chinesischkenntnisse, aber natürlich machen sie die Sache wesentlich interessanter und einfacher. Selbiges gilt noch mehr für das Reisen. Immerhin ist das gute Motivation, mehr zu lernen!

Wo Sprache bemerkbare Barriere wird

Selbst für Reisende wird diese Barriere relevant, wenn man Interaktionen mit bürokratischen Systemen haben muss.

Ein Zugticket abzuholen etwa ist heutzutage so einfach und effizient… wenn man Chinese mit chinesischer ID-Karte ist.

Ansonsten muss man an einen Schalter, um sein Ticket abzuholen. Wofür man sich mit einiger Sicherheit länger anstellen muss. Und wenn dann noch eingeschränkte Englischkenntnisse der Person am Schalter auf eingeschränkte eigene Chinesischkenntnisse treffen, dann können die Dinge kompliziert werden.

(Hier gilt allerdings die oft gegebene Empfehlung, notwendige Informationen auszudrucken, aufschreiben zu lassen, am Handy einen Screenshot zu machen. Auf Chinesisch!)

Menschen und Manieren

Leute sind Leute.
Homo sum; nihil humano mihi alienum puto.
(Ich bin ein Mensch; nichts menschliches ist mir fremd.)

Wie sehr solche Aussagen von Leuten kamen, die nur in ihren eigenen Gesellschaften lebten, mit wenig Kontakt mit anderen, wird schnell klar, wenn man zum leben in China kommt.

Ich habe genug freundliche Menschen getroffen. Manchmal auch etwas speziell freundliche Leute, wie die Frau auf touristischer Besichtigung im ländlichen Hunan (genau wie ich), die mich sofort eine interessantere Attraktion für ihr Handyvideo fand als ihre Umgebung.

“Hallo!”

In Städten wie Beijing oder Shanghai oder Shenzhen fällt man als Ausländer so gut wie gar nicht mehr auf. An anderen Orten allerdings wird man sich immer noch als Ziel von Kommentaren wiederfinden, als “Waiguoren” (Ausländer, Nicht-Chinese) hervorgehoben werden, “Hello“-Rufe und Angestarrt-werden erleben.

Aber man findet nicht nur die Leute, die einen ansehen, als hätten sie einen Geist gesehen (im wahrsten Sinne des chinesischen Wortes; guizi – Geist – ist ja einer der Ausdrücke für Ausländer).

Man findet auch die Kinder, denen erklärt wird, sie sollen doch nett sein und “Hello!” sagen (was sie besser nicht so lernen würden, aber doch nett gemeint und oft ziemlich süss ist).

Und – in meinem Fall, auf jeden Fall – man sieht andere Läufer, die man zumindest mit einem Nicken als andere Fans des Sports grüsst und von denen man ebenso gegrüsst wird. Umso mehr, wo ich immer mehr der Läufer regelmässig sehe, weil wir öfter auf derselben Strecke unterwegs sind.

In die Öffentlichkeit

Ein wenig härter kann es sein, mit dem Sich-Anstellen bzw. Nicht-Anstellen umzugehen.

Das hat sich ziemlich verbessert, aber würde die nette Frau, wo ich regelmässig mein Frühstück kaufe, mich nicht erkennen und sich meiner erbarmen, so würde meine Frühstücksbestellung fast immer unter all den Leuten untergehen, die einfach hinkommen und ihren Wunsch lauthals hinausprusten, als wäre dort niemand ausser ihnen.

Was man vielleicht nicht erwarten würde, aber umso tiefer unangenehm wird: Wenn plötzlich jemand in der Nähe seine Nase aufzieht und dann wahrscheinlich auch gleich den Auswurf ausspuckt, irgendwo hinter einem, nur zu nahe, auf der Strasse. Geschweige denn, wenn man das in der U-Bahn oder in einem Zug hört. Oder einem Restaurant.

Privat-Nix-Sphäre

Mit Ideen von Privatsphäre und Privat-Öffentlich ist es ohnehin so eine Sache; diese sind etwas anders. Alleine gelassen wird man eher nicht werden; geschweige denn, nicht angestarrt, neugierig inspiziert und kommentiert. Oft genug allerdings kommt man davon zu ganz netten Interaktionen, wenn man sich nur auf das Andere einlässt.

Luftverschmutzung

Problematischer ist das Rauchen… Chinesische Zigaretten sind nach wie vor schrecklich; chinesische Männer sind oft nach wie vor schwere Raucher. Und wer raucht, der raucht auch im Büro, beim Schritt aus dem Büro, sobald er auf die Toilette geht oder in einem Lokal eine Zigarette rauchen will.

Mit der Luftverschmutzung scheinen die Dinge insgesamt besser geworden zu sein, aber hiermit ist es noch immer schlimm. Wenigstens verbieten die Hochgeschwindigkeitszüge das Rauchen, anders als die früheren langsamen Züge.

Arbeit

Arbeitskultur und -organisation sind – oder sind doch nicht – anders, wie zu erwarten wäre.

Leben in China bedeutet wohl auch, in China zu arbeiten, aber darauf möchte ich hier nicht auch noch eingehen, zumal ich nicht sagen kann, ob meine Erfahrungen hierzu wirklich repräsentativ wären.

Wie überall scheinen Arbeitskulturen auch hier in China ohnehin zwischen Unternehmen stark zu differieren.

Andere Themen: Essen, Wohnen,…

Vielleicht überrascht es, dass ich solche Dinge wie das Essen oder das Wohnen nicht anspreche. Damit habe ich allerdings nicht wirklich Probleme bzw. finde die Probleme weniger schlimm, als andere das gerne darstellen.

Die Sache mit dem Bad…

Ja, das Badezimmer wird wohl ein Hock-Klo haben. Und die Dusche wird praktisch am selben Ort sein.

Das ist gewöhnungsbedürftig anders, aber man gewöhnt sich daran.

Natürlich habe ich es praktisch sofort geschafft, die Halterung für den Duschkopf abzubrechen. Wie so oft war das Metall desselben so dünn und rostanfällig, dass ich den Duschkopf beim dritten Versuch, ihn anzupassen, stattdessen in der Hand hatte. Nun ja, jetzt muss ich ihn halt in der Hand halten.

Essen

Das Essen? Das ist, was ich gewöhnt bin, was ich selbst koche – und weswegen ich in China bin!

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  1. Jacek

    Ich habe dein Video laufen in Chongqing gesehen, ich komme aus Polen, da wo du am Anfang zum fluss runterläufst, ich bin gewesen genau an dem gleichen Ort wie ein dejavu dein video für mich

    • Hahaha, herrlich. Ich habe in den Monaten, die ich jetzt schon hier bin, erst 2-3 andere Nicht-Chinesen da hinunter gehen gesehen ;)

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