Einer der mir liebsten Aspekte von “Microexploration” ist es, mit Essen zu denken. Essen zu geniessen, und Verbindungen zu ziehen.

Auf der Suche nach dem besten Gelato in Florenz bin ich so auf einen der Aspekte sozialer Medien gestossen, den ich am wenigsten mag: den Netzwerkeffekt.

Fangen wir süss an: Florenz ist nicht nur das Herz der Toskana und der Ursprung und das Juwel der Renaissance. Es ist auch der Ort, wo das echte italienische Gelato seine Quelle hat.

Die Erfindung von Gelato

Der Geschichte nach rief Caterina de Medici einen Wettbewerb für das speziellste, noch nie gesehene, Gericht aus. Sieger war ein gewisser Ruggeri mit dem Sorbet, das er kreierte.

Wasser mit Zucker und Früchten zu frieren war kein unbekannter Prozess, aber Ruggeri soll diese Methode perfektioniert haben – und dann kam ein gewisser Herr Bernardo Buontalenti, der auf die Idee kam, Eier hinzuzufügen. Diese gaben dem gefrorenen Mix die Cremigkeit, mit der aus Sorbet eine wahre Eiscreme, Gelato, wurde.

Heutzutage gibt es Eiscreme, als eine der beliebtesten kleinen Köstlichkeiten des Sommers, nahezu überall. In Florenz jedenfalls findet man Gelato alle paar Meter.

Nur logisch, dass Gelaterie heutzutage auch beliebte Orte für einen Instagram-Tag sind, deren Kreationen man zeigt, bewertet und bespricht.

Der Netzwerkeffekt von Social Media

Es ist wunderbar, sein Gefallen an einer neuen Erfahrung, einem fantastischen Trip, einem schönen Stanitzel Gelato mit anderen zu teilen.

Florenz mag eine Stadt sein, die mit “Overtourism” zu kämpfen hat, aber natürlich profitiert sie auch von den Besuchern. Gelaterie machen auf jeden Fall guten Profit. Kommt man nicht gerade gleich hinter einer Busladung (anderer) Touristen, so kann man meistens auch ruhigere Zeiten finden und alles etwas mehr geniessen.

Zumindest habe ich noch keine Gelateria gefunden, die dank Instagram-Popularität so überlaufen gewesen wäre, dass man sie besser vermeidet.

In all den Geschichten rund um Beliebtheit, da übersehen wir eines aber oft.

Bewertungen und ihre Probleme

Die Bewertungen, die im Teilen auf Social Media inhärent sind oder auf Tripadvisor und ähnlichen Plattformen explizit gemacht werden, können sehr hilfreich sein.

Ich buche auch selten ein Zimmer auf booking.com (Kleine Schleichwerbung? Ich nutze das oft, hier also mein Affiliate Link dafür, der mir und seinen Nutzern etwas bringen würde…), sondern sehe mir auch an, was für Bewertungen und Erfahrungen dort abgegeben wurden.

Likes und ähnliches ziehen uns aber auch in bestimmte Richtungen, offensichtlich und bewusst oder unbewusst. Im Fall der Gelaterie in Florenz ist der Effekt ein etwas problematischer:

Erstens einmal bekommen die Gelaterie, die näher an den meisten Leuten sind, einfach mehr Bewertungen und Reviews.

Je schöner – oder zumindest auffälliger – noch dazu die Präsentation, desto mehr Leute werden von einem Geschäft angezogen. Wenn dann noch das Stanitzel Eis irgendwie speziell gestaltet wird, dann wird dorthin noch mehr Aufmerksamkeit gehen.

Und umso beliebter und anziehender etwas zu sein scheint, umso mehr wird es auch ge-like-t und weiter geteilt werden, und umso mehr werden die Social Media-Algorithmen diese Inhalte als beliebt weiter fördern.

Das Problem des Besseren Gelato

Dieser Netzwerkeffekt – dass nämlich das, was mehr Aufmerksamkeit bekommt, noch mehr Aufmerksamkeit bekommen wird – ist ein besonderes Problem, wenn es um Dinge geht, welche ein genaueres Hinsehen brauchen.

Die Qualität von Gelato, zum Beispiel, findet man nicht dadurch heraus, wie beliebt es ist oder wie attraktiv es aussieht.

Eiscreme, aufgetürmt

Zugegeben, man wird in Florenz kaum schlecht schmeckende Eiscreme bekommen, selbst wenn sie aus industrieller Massenproduktion stammt. Wer aber ein Kenner ist oder gerne mehr über Qualität lernen würde, müsste von den Läden, wo das Eis sich zu Bergen türmt und in Neonfarben leuchtet davonlaufen.

Das dient nur dazu, diejenigen anzulocken, die es nicht besser wissen.

Je Pozzetti, Desto Besser

Wer es besser weiss, sollte fast immer nach Pozzetti, den Metallzylindern für das Gelato (die übrigens auch Carapine genannt werden) Ausschau halten.

Wo diese verwendet werden, da kann man nicht vom Aussehen der Eiscreme angelockt werden – für deren Attraktivität es jede Menge Farbstoffe und Stabilisatoren braucht. Man muss der Gelateria vertrauen, dass sie gutes Gelato produzieren.

Gelato so gut, man muss es nicht sehen, um davon angezogen zu werden. So gut, dass es das wert ist, bei guter konstanter Temperatur untergebracht zu sein, weg von den schädigenden Einflüssen von Sauerstoff und UV-Licht, bedeckt, so dass VerkäuferInnen und Kunden sich unterhalten können, ohne dass das Gelato vielleicht unabsichtlich angesabbert wird…

Diese besseren Gelaterie habe ich gesucht. Und bei dem diesmaligen Besuch von Florenz, der mir den Anlass für diesen Eintrag gegeben hat, war die Lektion in Sachen Qualität und Bewertung noch einmal interessanter als zuvor schon.

Das beste Gelato in Florenz

GROM Gelato

GROM – il gelato come una volta

Ein wenig zögere ich, GROM zu empfehlen, einfach weil sie so weit expandiert haben. Das ändert allerdings nichts daran, dass ihr Gelato wirklich gut ist.

Gelato nämlich aus ausgesuchten Rohmaterialien, ohne zugesetzte Aromastoffe, Farbstoffe, Konservierungsmittel oder Emulgatoren. Natürlich in Pozzetti.

GROM hat eine nette ständige Auswahl an Geschmäckern und interessante saisonale Geschmäcker, plus einen Geschmack des Monats.

So wie auch andere bessere Gelaterie weisen sie auch gerne darauf hin, was für Nüsse – als ich zuletzt dort war, insbesondere Pistazien – sie genau verwenden.

GROM in Florenz ist gleich beim Dom, eine kleine Strasse am Campanile hinunter – nämlich Via del Campanile 2. (Es gäbe auch ein zweites Geschäft von ihnen in Florenz, im Centro commerciale I Gigli, via San Quirico, 164)

Offizielle Website (verfügbar auf Italienisch, Englisch, Französisch): https://www.grom.it/

Edoardo Bio Gelato

Edoardo

Auch gleich beim Duomo, amüsanterweise nahe beim grossen Geschäft von Magnum-Eiscreme, wo man sich sein eigenes Magnum zusammenstellen (lassen) könnte, ist das kleine und recht neue Edoardo.

Bedenkt man die Geschichte, wie Gelato erfunden wurde, so machen sie hier öfter einen Schritt zurück: Oft nämlich ist die Eiscreme hier ein Sorbet statt ein Gelato… aber das liegt daran, dass hier Bio und oft sogar vegan gearbeitet wird. Im Fall der veganen Geschmäcker fehlen dann eben die Eier (oder die Sahne) durch die Gelato seine Cremigkeit erhalten würde.

Die Leidenschaft für biologische Rohmaterialien vorzugsweise aus der Toskana ist aber sehr nett zu sehen, und die Gelati sind gut (so wie auch ihre handgemachten Eistüten).

Piazza del Duomo 45/R

Offizielle Website: http://www.edoardobio.it/

RivaReno Gelato

Rivareno Gelato

Rivareno Gelato in Via Borgo Degli Albizi, 46/R findet man, die Strasse an der Ecke des Doms, wo Edoardo liegt, hinunter und dann nach links, wo man auch zum Chocolatier Vestri kommt.

(Vestri finde ich immer einen Besuch wert; im Winter gibt es heisse Schokolade, die ausgezeichnet ist, im Sommer – vor allem Schokolade- – Gelato und stets saisonale Produkte neben der normalen Auswahl, durch die der kleine Laden wortwörtlich überfüllt aussieht.)

Von Rivareno gibt es tatsächlich auch so manche Zweigstellen, insbesondere in Italien, aber selbst weiter weg. Seltsamerweise sogar eine auf Bali…

Diese Gelateria kommt ursprünglich aus Bologna (und ist nach einem Bezirk jener Stadt benannt); man rühmt sich hier, konsequent nur ausgesuchte hochqualitative Zutaten zu verwenden. Darum werden auch keine künstlichen Süssstoffe eingesetzt, dafür aber ausgewählte Kakaos aus Zaire und Elfenbeinküste. Frucht-Gelato oder Sorbets enthalten hier mindestens 55% Frucht…

Ein Grund, warum ich Rivareno praktisch immer besuche, ist die Auswahl an immer-angebotenen Geschmäckern, zu denen einige speziellere – und wirklich ausgezeichnete – Sorten gehören.

Im Video zu diesem Thema auch erwähnt habe ich etwa die Crema Buontalenti (oder Crema Fiorentina), welche vom ursprünglichen Gelato von Signore Buontalenti inspiriert ist, mit Sahne, Eiern, Millefiori-Honig, Orangen- und Zitronenschalenextrakt.

Contessa (mit sizilianischen Mandeln, Amaretti und Haselnusspaste aus piemontesischen Haselnüssen) und Cremino Rivareno (deren Bestseller mit weisser Schokolade, Haselnuss, Sahne und Gianduja) sind auch Favoriten, nicht nur von mir.

Offizielle Website (Italienisch, Englisch): https://www.rivareno.com/

Le Botteghe di Leonardo Gelato

Le Botteghe di Leonardo

Versteckt und auch wieder nicht, Schritte von den Capelle Medicee in Via de’ Ginori, 21 R, findet man diese Gelateria.

Hier wird ziemlich kreativ gearbeitet, oft mit etwas anderen Geschmackskombinationen. Zitrone-Minze etwa war wirklich erfrischend und gut (und neu); ich probierte auch Apfel-Karotte-Ingwer, was reichlich seltsam klang, aber ziemlich gut geschmeckt hat.

Ähnlich wie Edoardo wird auch bei Leonardo einige Rücksicht auf Leute mit besonderen Anforderungen an ihr Essen genommen. Dementsprechend gibt es auch hier nicht unbedingt das beste, cremigste Gelato, aber dennoch sehr gutes, ein wenig ungewöhnlicheres – und eben auch welches, das für Veganer, bei Laktose-Intoleranz u.ä. essbar ist.

Offizielle Website, aktuell gerade im Wiederaufbau:
http://www.lebotteghedileonardo.it/

Gelateria Della Passera Gelato

Gelateria Della Passera

Meine liebste Entdeckung und das beste Beispiel für das Problem des Netzwerkeffekts in Social Media war Gelateria Della Passera in Oltrarno, auf der anderen Seite des Arno von der florentinischen Altstadt.

Man geht also über Ponte Vecchio in Richtung Palazzo Pitti, die Via de’ Guicciardini hinunter. Bevor man auf den Platz vor Palazzo Pitti kommt, geht es rechts in die Via dello Sprone. Gelangt man dort auf einen kleinen Platz, Piazza della Passera, dann steht man schon auf der Via Toscanella, 15, wo Gelateria Della Passera, gleich an der Strassenecke rechterhand, liegt.

Warum ich das so detailliert beschreibe?

Durch diese schmalen Strassen muss man erst einmal seinen Weg finden. Hier in Oltrarno gehen viele zu Palazzo Pitti und vielleicht noch zur Kirche und Piazza von Santo Spirito, aber an Gelateria Della Passera wird man nicht so schnell einfach so vorbeikommen, das liebe kleine Geschäft bemerken, etwas vom Gelato probieren und bemerken, wie gut es ist.

Gelateria Della Passera

Das zeigt sich auch in den Bewertungen von der Masse an Social Media-Nutzern.

Social Media-Popularität und Versteckte Meisterschaft

In Rankings, die eine Social Media-ähnliche Popularität widerspiegeln, liegt Gelateria Della Passera nicht gerade auf den ersten Plätzen.

Bei einem nochmaligen Blick auf die Rankings fand ich sie weiter oben, als sie in meiner Erinnerung zuvor waren. Aber sieht man, wie viele Gelaterie so oder so noch über dieser stehen, mit was für guten Bewertungen, dann würde man wohl einfach die nächstgelegene aufsuchen.

Wie oben schon einmal gesagt, wird man damit wahrscheinlich auch nicht komplett falsch liegen; das Gelato wird so ziemlich überall gut schmecken, zumindest wenn man der Durchschnitts-Eis-Esser ist – und ich würde mich auch eher zu diesen zählen.

Sieht man sich die Bewertungen auf den üblichen Portalen, die auf Masse setzen, genauer an, dann wird aber schon ziemlich klar, dass Top-Plätze hier oft darauf beruhen, was einfach ein Top-Platz im Sinne der Lage ist: Wo die meisten Leute vorbeikommen, dort die meisten Bewertungen – und oft genug eben nicht gerade schlechte, ziemlich egal, wie die Qualität wohl wirklich ist.

Gelateria Della Passera ist dafür ein ausgezeichnetes Beispiel, weil italienische Rankings der besten Gelaterie in Firenze sie entweder auf Nummer 1 oder jedenfalls auf einen der Top-Plätze setzen.

Qualität und Geschmäcker

Warum sollte sie dort sein?

Das Gelato hier ist auch wieder aus eigener Produktion mit ausgesuchten Zutaten. Hier wird das Gelato nicht mit der üblichen Spatel, sondern mit einem Eiskugelformer serviert; dementsprechend ist die Einzelportion eher kleiner, aber mit 1 Euro ist die Portion vergleichbar im Preis.

Die Auswahl an Geschmäckern ist sehr nett, und hier kommen einige Aromen ins Spiel, die ziemlich speziell sind und wirklich ausgezeichnet schmecken.

In Crema di Sette Profumi etwa finden sich verschiedene Gewürze, und das Gelato ist zugleich subtil im Aroma und verlockend.

Crema della Primavera war ähnlich elegant und ausgezeichnet aromatisch.

Es gab auch ausgezeichnetes Pistazien-Gelato und ein grossartiges Cassata-Gelato, inspiriert von der sizilianischen Süssigkeit aus Ricotta und kandierten Früchten.

Cassata Gelato bei Gelateria Della Passera

Ich ging dort hin, um die Gelateria ausprobiert zu haben – und hatte dann gleich noch einen Becher nach dem ersten. Und am nächsten Tag, bevor es wieder nach Hause ging, war ich gleich noch einmal dort…

Gelato von Gelateria Della Passera

Offizielle Website (nur Italienisch, eher ein nicht sehr aktueller Blog):
https://gelaterialapassera.wordpress.com/

Besser findet man aktuelle Infos auf Facebook:
https://www.facebook.com/pages/category/Ice-Cream-Shop/Gelateria-della-Passera-442537459160710/