Nichts ist schlimmer für Alltagsabenteuer, ob urbane oder Berg-Microexploration, als durchnässt zu werden. Rab gab mir (durch ein PR-Sample, also gratis für mich und ohne Verpflichtungen) die Möglichkeit, ein interessantes Stück ultraleichten Regenschutz zu testen, nämlich ihr Flashpoint Pull-On…

Das Rab Flashpoint ist, ähnlich dem Outdoor Research Helium II, das ich schon jahrelang verwendet habe (und zumindest auf Englisch schon einmal reviewt habe) aus Pertex Shield hergestellt.

Diese ultraleichten Regenhäute bieten nicht viel Wärme, aber funktionieren ausgezeichnet als äussere Schicht, die vor Wind und Regenwetter schützt. Leichtgewichtig und klein verpackbar kann man sie wunderbar mit sich tragen. So ist man ausgerüstet für den Fall der Fälle.

Rab Flashpoint II Jacket vs. Flashpoint Pull-On

Das Flashpoint Pull-On ist die Überziehversion des Flashpoint II Jacket, hergestellt aus dreilagigem Pertex Shield, aber weiter vereinfacht (und damit noch leichter).

Die Jacke wiegt 185 Gramm; sie hat zwei (A-Line) Taschen, einen Kordelzug in einem Teil des Saums und anpassbare Ärmelbündchen (und natürlich einen vollen Zipp, schliesslich ist es eine Jacke).

Das Pull-On, das ich getestet habe, kommt mit nur einer Brusttasche (auch diese mit YKK Aquaguard-Zipp) und Armbündchen und Saum, die nur mit etwas Elastikband versehen sind, aus. Dazu noch der Zipp in halber Länge, und das Gewicht des Pull-On liegt nur bei 130 Gramm.

Verpackbarkeit

Rab liefert das Flashpoint mit einem Packsack; dieser Regenschutz wird nicht in eine seiner Taschen gestopft.

Tatsächlich könnte man die Jacke noch kleiner machen als die Coladosen-Grösse des Packsacks, aber so bleibt es immerhin einfach, sie zu verpacken. Man muss sich keine Sorgen machen, dass man einen Zipp zu stark biegen könnte oder dergleichen.

Rab Flashpoint (im) Packsack
Rab Flashpoint (im) Packsack

Der Packsack wird mit einem Kordelzug verschlossen und hat eine Schlaufe, an der man ihn an einen Klettergurt, Rucksack, oder sonstwas hängen könnte. Ich bin nicht ganz begeistert davon, ein extra Stück Stoff zu haben, das im Wind davonfliegen könnte. In der Nutzung aber macht es viel Sinn, die Jacke im Packsack einfach irgendwo aussen anzuhängen oder leicht erreichbar in den Rucksack gesteckt zu haben. Und man muss sich nicht damit herumspielen, sie in oder aus ihrer eigene Tasche zu bekommen.

Ach ja, und das Gewicht des Packsacks ist bei den oben erwähnten 130 Gramm inkludiert!

Beim Laufen im Rab Flashpoint
Beim Laufen im Rab Flashpoint

Pertex Shield Schutz

Das Rab Flashpoint habe ich jetzt durch den Winter und in den Frühling hinein gehabt, was schon daran denken liess, dass es sich hier nicht gerade um eine Winterjacke handelt.

Das sollte offensichtlich sein, aber da es sich doch um alpine Ausrüstung handelt, will ich schon erwähnen, dass man einer isolierten (Mittelschicht-)Jacke dadurch durchaus etwas mehr Isolierungswirkung und Schutz verleihen kann – aber auch nicht viel mehr. Was Wärme angeht, habe ich solche Jacken so verwendet.

Wärmeschutz-Nutzung

Selbst wenn es nicht schüttet, sondern nur ein wenig zu kalt für das Gewand ist, das ich ansonsten gerade tragen würde – weil ich zum Beispiel gerade dabei bin, mich für die Nacht ins Biwak zu begeben oder am Morgen nach einer Nacht im Bivy wieder warm zu werden – dann leistet das Flashpoint gute Dienste.

Es hält genau die Wärme, schützt vor dem Wind, wie man es braucht. Für denselben Zweck bräuchte man sonst eine wesentlich schwerere Jacke (die dann zu warm würde, sobald man sich wieder mehr bewegt).

Für Wind- und Regenschutz – wofür das Flashpoint wirklich gedacht ist – haben Pertex Shield Jacken (und eine Regenhose) mir schon lange gute Dienste geleistet.

Man muss nur wissen, dass man sie mit einer Bekleidungsschicht darunter verwenden sollte, sonst fühlt sich schon alleine das Wasser an der Jacke so kalt an, als würde es nicht wirklich abgehalten werden. Das ist eine Nebenwirkung dessen, wie dünn das Material ist – und sollte wohl nicht das Problem sein; unter einer Regenschicht wird man wohl kaum nackt sein. (Mit einem kurzärmeligen Shirt kann sich das allerdings an den Armen durchaus bemerkbar machen.)

Atmungsaktivität

Mit der Atmungsaktivität kann es bei anstrengenden Aktivitäten wie Trailrunning im Regen schon so eine Sache werden. Ab einem gewissen Punkt weiss man nicht mehr unbedingt, ob das Wasser auf der Haut von innen oder aussen kommt. Wesentlich besser, als ohne Regenschutz durchnässt und ausgekühlt zu werden, ist es allerdings; ich bin im Regen mit einem Woll-Top unter dem Flashpoint laufen gegangen, bei ziemlichem Sturm, und es war einfach nur ein Vergnügen.

Gerade die Pull-On Version bietet eine gute Balance zwischen ständigem Schutz dadurch, dass man es nicht komplett öffnen kann und Ventilation von der Hüfte her, wenn man diese nicht mit einem Hüftgurt vom Rucksack oder der Laufweste komplett verschliesst (mit dem Elastikband ist der Saum ziemlich gut, aber nicht komplett, verschlossen). Und natürlich könnte man den Zipp etwas hinunterziehen, wenn man mehr Luft braucht und es gerade nicht so viel regnet.

Kapuze und Zipp
Kapuze und Zipp

Endlich, eine Kapuze in Form

Die Kapuze ist so ein kleines Detail, aber womöglich das wichtigste…

Ihre Art, sich an den Kopf anzupassen und zu schützen, finde ich überaus gut.

Der Kragen lässt sich gut über dem Kinn tragen oder gleich darunter; er kann sich mit Bewegungen durchaus nach unten bewegen, bleibt beim Laufen mit der Kapuze am Kopf aber gut sitzen.

Die Kapuze sitzt eher knapp am Kopf. Wenn man die Jacke ganz zugezippt hat, dann kann man sie nicht mehr über den Kopf bekommen, dafür sitzt sie zu knapp. Es kann allerdings noch passieren, wenn man sie nicht mit dem (übrigens einhändig bedienbaren) Kordelzug hinten enger gemacht hat, dass sie sich etwas nach hinten bewegt und die Krempe dann auf der Stirn zu liegen kommt, wo sie die Augen nicht mehr vor Regen schützt. – Also daran denken die Kapuze eng genug zu ziehen!

Kordelzug für die Kapuze
Kordelzug für die Kapuze
Kapuze in Verwendung
Kapuze in Verwendung

Enger gemacht allerdings sitzt die Kapuze genau um Kopf und Gesicht. Es gäbe genug Platz für eine Kopfbedeckung und auch eine Sonnenbrille, und so zusammengezogen bewegt sich die Kapuze sehr gut mit Kopfbewegungen mit, aber nicht von selbst.

Für mich am wichtigsten ist, dass die kleine Krempe am Rand der Kapuze dann genau richtig sitzt, um die Augen vor Regenwasser zu schützen. Und ihre Kante ist so verstärkt und geformt durch einen Draht, dass sie sehr stabil ist und, sollte man sie beim Verpacken der Jacke verbogen haben, einfach wieder in Form gebracht werden kann.

Langlebigkeit

Das Flashpoint habe ich jetzt noch nicht lange genug gehabt, um wirklich viel über die Haltbarkeit sagen zu können. Einige Verwendung und auch Waschgänge hat es aber schon hinter sich. In meiner Erfahrung mit Pertex Shield-Material hält dieses ziemlich lange, ohne seine Wasserdichte zu verlieren; es kann durchaus auch unter einem Rucksack eingesetzt werden.

Mit dem Flashpoint habe ich auch ausprobiert, ob es über den Laufrucksack geht. Im Wesentlichen: Ja. Beim Überziehen ist es an der Oberkante des (halbgefüllten) Fastpack 35 hängengeblieben und hat einiges an Herumspielen gebraucht, wodurch das Ganze nicht die angenehmste Aktion war. Einmal fertig drüber hat es aber ganz gut gepasst.

Ein Täschchen Wasserschutz

Wirklich gehört das zum Thema Schutz, aber hier will ich gerne erwähnen, dass die Jacke nicht so atmungsaktiv ist, dass sich keinerlei Wasser (also, Schweiss) darunter ansammeln könnte. Ein Thema ist das an dieser Stelle, weil die Brusttasche des Flashpoint Pull-On zwar als wasserdicht gilt, aber für ein selbst nicht wasserdichtes Smartphone oder Papiere besser nicht verwendet werden sollte, weil sich Feuchtigkeit aufbauen wird.

Das ist allerdings etwas, was ich noch mit jeder Jacke und jedem Material gesehen habe!

Natürlich gibt es mit der Zeit weniger Abperl-Effekt. Mit den richtigen Wash-in oder Sprays kann man diese wasserabweisende Schicht wieder aufbauen, aber das verschlechtert sich mit der Zeit schon. Es würde mich etwas locken, mal das Gore-Tex Shakedry auszuprobieren, das diesen Effekt dauerhaft behalten soll – aber das kommt um den Preis, das man jenes Material absolut nicht mit einem Rucksack verwenden soll…

Haupt-Zipper und Brusttasche
Haupt-Zipper und Brusttasche

Ein Problem mit dem Zipp?

Das einzige wirkliche Problem, das ich in meiner Nutzung des Flashpoint Pull-On feststellen musste, das war mit dem Zipp: Ich konnte diesen so weit nach unten bewegen, dass er sich ausgehakt hat. Es war kein Problem, den Schieber einfach wieder einzuhängen, aber er fühlt sich oft so an, als würde er etwas klemmen. Möglicherweise ist meine Jacke hier auch nicht ganz so vernäht, wie sie es besser sein sollte.

Man muss aber auch anmerken, dass der Zipp ein wasserdichter YKK AquaGuard ist (mit Sturmflappe dahinter und ganz nettem Kinnschutz oben). Die Qualität ist also hoch, aber alle diese wasserdichten Zipps sind eher schwergängig.

Dem Material der Jacke wie dem Typ Zipp ist es geschuldet, dass man den Zipp nicht einfach so einhändig zuziehen kann. Man muss die Jacke halten, so dass der Zipp gerade und leicht gespannt ist, um ihn zu schliessen oder wieder zu öffnen. Ansonsten bietet das dünne Material einfach zu viel Spiel (und der Zipp zu viel Widerstand), als dass das gut funktionieren würde. Das ist aber auch wieder ein Problem aller ultraleichten Jacken.

Grösse und Schnitt

Vergleiche ich meine zwei verschiedenen Pertex Shield Regenjacken, sind sie sich sehr ähnlich. Das Rab scheint nur ein bisschen weniger blockig, weil es ein kleines Stück länger geschnitten ist.

Davon war ich ehrlich gesagt überrascht, weil es sich so anfühlt, als hätte es einen schlankeren, athletischeren Schnitt…

Wie dem auch sei, war ich auch in den Bergen beim Wandern, beim Trailrunning oder auch am Fahrrad, die Grösse hat gut gepasst.

Die Ärmel sind lange genug, dass sie bis leicht über die Handgelenke gehen. Und die etwas elastisch gestalteten Bündchen sind genau richtig, um eng anzuliegen aber doch gut über Sportuhren zu passen, so dass man diese schützen aber auch immer noch ansehen kann.

Ärmelbündchen über Uhr
Ärmelbündchen über Uhr

Der Bund ist lang genug, und länger am Rücken, dass sich alles selbst am Fahrrad gut angefühlt hat, selbst wenn ich wie üblich CW-X Tights anhatte, die in der Hüfte notorisch kurz geschnitten sind.

Es hat mich etwas überrascht, dass der Bund ohne Kordelzug zu gut funktioniert hat. Manchmal trägt er ein wenig zu Atmungsaktivität bei, wenn er Luft hineinlässt; das ist nicht immer ideal. Nur zu oft aber hat dieser nur ein klein wenig elastische Bund besser funktioniert als einer, der sich zuziehen lässt und sich dann mit meinen Bewegungen immer weiter die Hüfte hinauf bewegt.

Nutzbarkeit

Zwischen verschiedenen ultraleichten Regenjacken könnte man sich durchaus per Zufall entscheiden und würde wahrscheinlich nicht komplett enttäuscht werden. Mit ihrem geringen Gewicht, kleinen Packmass und hoher Schutzwirkung sind sie ausgezeichnete Ausrüstung für eine überraschend grosse Bandbreite an Bedingungen.

Alltag

Ich habe so eine Jacke üblicherweise griffbereit, um sie in eine Alltagstasche zu packen, sollte es doch kälter als erwartet werden oder wenn es eine gewisse Wahrscheinlichkeit für Regen gibt. (Wo ich meistens wohne, da gibt es genug Wind, der schnell unangenehm werden kann… und der Regenschirme oft ziemlich sinnlos macht.)

Reisen

Auf Reisen machen diese 130 Gramm potentiell den Unterschied zwischen einem Tag, den man an den Regen verliert oder dennoch gut nutzen kann; nach Südchina/Hong Kong dieses Jahr werde ich das Rab Flashpoint, nach den früheren Erfahrungen dort, sicherlich mitbringen – und es dann auch auf seine Nutzbarkeit in heiss-schwülen Bedingungen und tropischem Regen testen können…

Outdoor-Abenteuer

Für Trailrunning und Microexploration in den Bergen ist eine solche Regenjacke nicht grundlos Pflichtausrüstung bei Rennen. Sie kann leicht den Unterschied zwischen weiterem Vorankommen in verschlechterten Bedingungen, dem Überleben bei ungeplanten Stops, ausreichend guten körperlichen Bedingungen wenn die Temperaturen mit Wind oder der Nacht abstürzen – oder dem Gegenteil – ausmachen.

Zwischen ihrem ultraleichtem Gewicht, dem wunderbar geringen Packmass und der grossen Nützlichkeit – die mich, falls das nicht schon genug zu merken war, schon alleine wegen der Kapuze mit ihrer Krempe begeistert – hat das Rab Flashpoint Pull-On einige Vorzüge.

Was man bedenken sollte…

Über zwei Dinge könnte man dennoch stolpern: Preis und Farbe.

Preis

Mit einem empfohlenen Preis von €249.95 ist diese Jacke nicht gerade billig. (Die wirkliche Jacke kostet 279,95)

Viele vergleichbare Regenbekleidung ist günstiger, bei ihr wird allerdings nicht das dreilagige Pertex Shield verwendet und das Gewicht ist höher. Die Entscheidung wird man wohl danach treffen, wie viel man in seinen Regenschutz investieren möchte, wie viel mehr man Rab über andere Hersteller schätzt oder der Firma mehr vertraut und ob es bestimmte Merkmale oder Aspekte in Schnitt und Grösse gibt, die einem zusagen.

Farbe(n)

Ein Teil dieses Zusagens (oder nicht) des Flashpoint Pull-On könnte die Farbauswahl sein: Deep Ink oder Deep Ink.

(Die Jacke gäbe es daneben auch noch in “Silver”, einem leicht grauen Weiss.)

Für Outdoorabenteuer könnten so manche Leute eine leichter sichtbare Farbe vorziehen. Mir gefällt dieses fast schwarze Tiefblau ganz gut, weil es in Stadtspaziergänge ebenso gut passt, wie sonst überall.

Rab Logo auf dem Flashpoint Pull-On