Wie die europäischen Ritter des Mittelalters üben die japanischen Samurai eine grosse Faszination aus. Mit einem Hauch von orientalistischem Exotismus, eine nur umso grössere Faszination.

Exotismus oder nicht, japanische Kultur fasziniert mich jedenfalls. Ich hatte dem nachgegeben, als ich das Land Ende 2017 endlich wieder besuchte; ich habe eine Beschäftigung zumindest mit Elementen davon durch Matcha und Gewürze aufrecht erhalten.

Samurai-Gesichtsmasken
Samurai-Gesichtsmasken

Die Chance

Eine Chance, Einblick in einen speziellen Aspekt japanischer traditioneller Kultur zu erhalten, werde ich dementsprechend natürlich ergreifen.

Die Gastausstellung der Ann und Gabriel Barbier-Mueller Sammlung an Samurai-Objekten in der Kunsthalle München (genau, als ich für die ISPO dort war) ist dementsprechend natürlich ein Must-See gewesen.

Samurai-Rüstungen

Wer auch nur irgendein Interesse an Japan hat, wird wohl schon einmal Samurairüstungen gesehen haben.

Samurai-Rüstungen, voll montiert
Samurai-Rüstungen, voll montiert

Mit ihren detailreich ausgearbeiteten Helmen und Gesichtsmasken, ihren aufwendigen Details und ihrem Mix aus Schutz und Schönheit, Stärke und Flexibilität, sind sie immer eindrucksvoll.

Die Objekte in dieser Sammlung vertiefen diesen Eindruck von Funktion und Faszination noch ganz wesentlich.

Sie beinhaltet schon alleine so vielfältige Helme, dass man beeindruckt und verwundert zurückbleibt.

Manche scheinen gut dafür, Furcht in die Herzen des Feindes zu schlagen. Andere wieder lassen einen wundern, wie sie überhaupt getragen werden konnten, ohne selbst zu Schaden zu führen.

Steil aufragender Helm
Steil aufragender Helm
Pferdemasken
Pferdemasken

Exquisite Ignoranz

So oder so, die Handwerkskunst ist unglaublich exquisit.

Und die Symbolik hinter vielen der Detailarbeiten macht offensichtlich, wie viel man verpasst, wenn einem das notwendige Wissen fehlt, um es richtig zu interpretieren.

Oder, nur zu oft, um überhaupt etwas davon zu verstehen…

Samurai-Rüstung (Oberteil)
Samurai-Rüstung (Oberteil)

Schon so ist die Ausstellung wunderbar.

Klein, womit man ganz einfach einen Eindruck von dieser Welt, die in Zeit und Distanz weit entfernt liegt, bekommen kann… und zugleich verbunden mit so manchen Dingen, die noch immer eine Rolle spielen.

Das Andere Japan

Japan mag nicht länger das Land sein, dass gleich dank seiner Heerscharen an Salarymen die Welt (ökonomisch) beherrschen wird.

Das Land der aufgehenden Sonne, wo Business als Krieg betrachtet wird und ‘Westler’ sich dementsprechend wundern, was für eine Kultur eine Arbeitsethik hervorgebracht hat, in der man lieber an Überarbeitung (karoshi) stirbt, als in seiner Aufgabe für seinen (Wirtschafts-)Herrn zu scheitern.

Samurai, beritten
Samurai, beritten

Japan ist vielmehr “nur” noch ein anderes industrialisiertes Land, ein immer beliebteres Touristenziel – und ein Land, das noch immer, zum besseren wie schlechteren, von einiger kultureller Mystique umgeben ist.

Als ein kulturelles “Anderes” das man wenigstens nicht einfach als ‘zurückgeblieben’ im Vergleich zum ‘entwickelten Westen’ abtun kann, ist Japan wenigstens eine Faszination wie auch ein Partner, um über Gemeinsamkeiten und Unterschiede, Geschichte und Zukunft, nachzudenken.

Also, ansehen!

Warum dann nicht anfangen mit Elementen einer Vergangenheit, die Japanern wie anderen inzwischen fern und zugleich grossartige Beispiele für Handwerkskunst sind?

Objekten zudem, die interessante Beziehungen mit Elementen der Kultur (wie Geschichte, Religion und Teezeremonie) zeigen, die immer noch – mehr oder weniger – Einfluss haben?

Einen schönen Einblick vermittelt eben diese Sammlung – wobei ich mich immer noch frage, wie sie jemals so viele und spezielle Objekte zu einer Zeit, wo doch eigentlich auf kulturelles Erbe geachtet wird, erwerben konnte…