Outdoorerfahrungen sind, so wird gerne gesagt, für mentale Gesundheit so gut wie Therapie. Und zugleich wundert man sich, warum Menschen Berge erklimmen, während man grossartige Athleten auf ein Podest stellt.

Wo bleibt ein normaler Mensch mit etwas Outdoor-Interesse, aber wenig Inklination, etwas zu leisten, was für andere beeindruckend ist, da?

Als ich kürzlich eine Arbeit, etwas plötzlich und gemein, verlor, da liess mir das zumindest die Zeit, endlich wieder einmal in die Berge zu kommen. Und mit dem Bedürfnis, von allem einmal weg zu kommen.

Ein Weg

Die Route, die ich mich zu nehmen entschied, war eine, die ich schon öfter gegangen war, die aber mit dem verbliebenen Schnee ziemlich herausfordernd sein müsste. Der Trail vom Gmundner Bahnhof über den Hang des Grünbergs zum Laudachsee und über die Hohe Scharte zur Umrundung des Traunsteins nämlich.

Ungenutzte Möglichkeiten

Dieser Weg hätte auch Möglichkeiten geboten, den Traunstein hinauf zu klettern, hätte dies ansprechend aussehen sollen.

Am nächsten Morgen sah ich einige Leute auf diesem Weg – aber seitdem hat es auch Warnungen gegen diesen Aufstieg gegeben, weil es einige Unfälle gegeben hatte.

Jener Weg jedenfalls hatte mich aber ohnehin nicht genug gereizt. Meine Wege waren schon fragwürdig genug…

Auf verschneiten Wegen
Das war am nächsten Morgen, auf leichten Wegen…

Pläne und Pfade

Der Plan war, den Pfad zu einem niedrigen Gipfel, wo ich zuvor noch nicht gewesen war und der einen netten Platz für ein Biwak über Nacht bieten sollte, weiter zu gehen: zum Katzenstein.

Der Weg dorthin ist im Wesentlichen nur ein kleiner Umweg von der Hohen Scharte, praktisch über einen Grat von dort weg – aber eben auch entlang eines Wegs, den ich zuvor noch nie gegangen war.

Wetterglück und Dunkelheit

Mit dem Wetter hatte ich wenigstens Glück; Regen und Sturm waren eigentlich vorhergesagt, aber ich erlebte nur ein paar Minuten Regen, ein wenig Nebel und etwas Wind, aber nichts zu schlimmes. Es war also eine gute Wahl, diese Chance hinaus zu kommen, ergriffen zu haben.

So wie ich aufgebrochen war, kam ich zum Anfang des Wegs ohnehin erst am Nachmittag, ging also wieder einmal in die Nacht hinein.

Finster wurde es schon, als ich noch auf dem Weg den Grünberg hinauf war. Der Pfad blieb noch eine Weile länger sichtbar, aber dann war es Zeit, die Stirnlampe auszupacken.

Wie üblich in solchen frühlingshaften Bedingungen – wobei, Ende Februar und Frühling ist nicht gerade normal – war der Schnee von den südlich gelegenen Hängen schon wieder verschwunden.

Schnee-Schwere Wege

Hinüber Richtung Laudachsee, an die östlich gelegenen Hänge um den Traunstein, da war der Schnee allerdings immer noch tief.

Meine Schneeschuhe, gebrochen bei meinem zweiten Versuch, den Sarstein in tiefem Schnee hinauf zu gehen, waren zu Hause verblieben und nicht unbedingt notwendig.

Anders als erwartet, obwohl ich das wirklich hätte erwarten sollen, war der Aufstieg zur Hohen Scharte extrem schwierig zu finden und zu gehen.

Mit all dem Schnee gab es einige Stellen, da waren Schneebrocken den Hang hinuntergekullert und hatten sich dann zu harten Wächten zusammengeballt, die sehr gut zu erklettern waren. Dort bricht man nicht nur nicht in den Schnee ein, man hat auch gute Tritte.

Dummerweise aber gibt es andere Stellen, wo man durch die obere Schneeschicht einbricht. An einer Stelle sass ich dann plötzlich auf meinem Hinterteil im Schnee, meine Beine unter mir im Schnee baumelnd, mit Blick direkt auf den Schnee am Hang über mir…

Und der Hang, der ist dort steil. Der Pfad, der ist so komplett schneebedeckt, dass man nur der Route auf einem Navigationsgerät und seinen eigenen Orientierungsfähigkeiten, die zum Glück schon an ein wenig Bergerfahrung geeicht sind, folgen kann, um den Weg nach oben zu finden.

All das wird ganz besonders “interessant” – sprich, problematisch – wenn der Hang so steil ist, das GPS-Signal verloren gegangen ist (und selbst der Kompass an einer Stelle keine Richtung mehr anzeigen wollte) während der Weg irgendwo zwischen fast vertikalen Felsen verläuft.

Gefahr… und “Therapie”

Jeden Schritt muss man sich dann in den Schnee treten. Und für zusätzlichen Halt, seine Hände in den Schnee schlagen. Sich anhalten an vereisten Kanten von Schnee, als ginge es um sein Leben – und hoffen, dass diese nicht abbrechen. Von Baum zu Baum klettern um sich hinauf zu ziehen, hoffend, dass man nicht in tieferem, weichem Schnee rundum versinken wird – und, sollte man abrutschen, von den nächsten Bäumen gehalten würde.

Selbstmörderisch? Nein. Gefährlich? Absolut.

Hätte ich es nicht mehr zurück geschafft, wäre ich irgendwo abgerutscht, ich hätte es gehasst.

Hatte ich Grund, meinen Fähigkeiten und meiner Ausdauer zu vertrauen? Ja… und es hat auch alles geklappt.

Die Gefahr, die Herausforderung, die hatten – so weit ich sie auch reduzierte, so weit ich das konnte – ihren eigenen therapeutischen Effekt:

Wenn jeder Schritt sicher platziert werden muss, jeder Schritt anstrengend ist, dann führt jeder Schritt weg von den Alltagsschwierigkeiten, die man gerade erlebt hat.

Alles bringt einen, wortwörtlich und metaphorisch, auf Distanz.

Nächtlicher Ausblick
Nächtlicher Ausblick

Rückkehr und Nacht-“Therapie”

Bis hinüber zum Katzenstein habe ich es auf jenem Weg nicht geschafft.

Es gab Teile jenes Wegs, die unter den gegebenen Bedingungen etwas zu schwierig und gefährlich wurden, als dass ich sie weiter hätte gehen wollen. Ich fühlte kein sonderliches Bedürfnis, mein Glück weiter herauszufordern.

Ich kehrte also um, fand mir einen schönen Schlafplatz und biwakierte dort für die Nacht.

Übernachtungen im Freien, in der Kälte, haben auch ihren schönen therapeutischen Effekt.

Kalte, klare Bergluft. Schlafsack und Unterlage, die gut genug isolieren, um warm zu halten. Ein Schlafplatz, der eben genug ist, um angenehm zu sein!

Die Besonderheit eines solchen Erlebnisses bietet eine andere Perspektive; die Unbequemlichkeiten machen dankbar für alles, was man hat…

Ausblick am Morgen
Der Blick am nächsten Morgen [etwas zusammenkomponiert]

… und der wunderbare Ausblick am nächsten Morgen hat seinen Teil zum Glücksgefühl beigetragen.

Neuer Morgen, Neue Vorsicht

Der Weg nach unten war auf keinem so steilen Hang, aber der Schnee war über Nacht so vereist, dass jeder Schritt wieder vorsichtig gesetzt werden musste, der Weg gut gewählt sein sollte.

Und es war noch immer genug Unterschied im Schnee, dass das Gehen manchmal einfach war, oft aber leicht zum Ausrutschen und Abrutschen, den Hang hinunter, hätte führen können. Und wieder andere Schritte fanden einen plötzlich auf weichem Schnee, in den man sofort tief einsinkt.

Silberstreifen…

Meine DJI Spark hatte an jenem Morgen Probleme gehabt, darin einen Propeller verloren und einen Crash hingelegt… und sie war ansonsten unbeschädigt wieder in meinen Schoss gestürzt.

Die Strasse zurück zum Bahnhof wäre lang gewesen, aber gerade, als ich mich wunderte, ob ich wirklich den ganzen Weg würde entlangmarschieren müssen, da blieb ein Autofahrer stehen und bot eine Mitfahrt an.

Das nahm ich an, besuchte noch ein paar Freunde im Ort und erwischte immer noch den nächsten Zug nach Hause.

Die Dinge haben seitdem gleich wieder etwas anders ausgesehen, auch wenn die nun bestehende Herausforderung durchaus eine Herausforderung darstellt – wie man unschwer bemerken kann, wenn man sich meine YouTube-Videos, angefangen bei jenem über diese kleine Übernacht-Tour, ansieht…