Einer der Trail-Laufschuhe, über die ich mir am wenigsten sicher war, wurde zu meinem absoluten Favoriten: der Oribi 2 GTX von Icebug mit deren RB9X-Sohle.

Mein Zögern kam daher, dass dieser Schuh keine so aggressive Sohle (oder gar BUGrip-Spikes, in dieser Variante – obwohl, es gibt auch eine solche) hat, wie man sie auf Icebugs oft findet. Und die Sohle/Dämpfung ist vergleichsweise dicker / stärker, als sonst oft.

Das liess den Schuh eher gewöhnlich und weniger griffig wirken, aber herausgestellt hat sich, dass das gut war.

Testbedingungen

Die übliche Offenlegung vorweg: Ich hatte diese Schuhe von Icebug gratis erhalten, ohne Bedingungen, um sie nach freiem Ermessen zu testen und meine Meinung dazu zu sagen.

Ich habe die Schuhe jetzt seit November 2017, also schon etwas über ein Jahr. Und ich habe sie für wortwörtliche hunderte Kilometer verwendet:

Auf entspannten Läufen und kleinen Abenteuern auf eigene Faust.

Bei den 24 Stunden Burgenland Extrem, die im Winter mehr als 100 km auf Strassen und Feldwegen um den Neusiedler See gehen.

Beim Traunsee Bergmarathon, der im Sommer um den Traunsee klettert ebenso wie bei meiner Überschreitung des Höllengebirges über Nacht.

Beim 24 Stunden Burgenland Extrem
Beim 24 Stunden Burgenland Extrem

Gute und Schlechte Seiten solchen Testens

Dieser Testansatz ist ein wenig problematisch, wenn ich fast darauf vergesse, dass ich den Schuh noch gar nicht reviewt habe. Und keine Fotos von ihnen gemacht hatte, als sie noch neu aussahen – weil sie es noch waren…

Gut allerdings ist das alles auch, weil ich so schliesslich meine Meinung frei und basierend auf langer Erfahrung wiedergeben kann.

Icebug Oribi 2 RB9X GTX (Pressefoto)
Icebug Oribi 2 RB9X GTX (Pressefoto)

Der Aktuelle Stand

Die Schuhsohle zeigt inzwischen ihre lange Nutzung, das Obermaterial hat begonnen, wo ich damit öfter an Steinen entlangschabe, zu reissen – und ich möchte die Schuhe noch immer nicht entsorgen. Sie sind auch immer noch nutzbar – und ich nutze sie ab und an noch.

Der Bau der Schuhe

Der Oribi war eigentlich für Anfänger gemeint, was sich vor allem im Komfort, den er bietet, zeigt. Anders als Anfänger ist der Schuh allerdings relativ leicht und jedenfalls schnell.

Oribi 2, schlammig
Oribi 2, schlammig

Obermaterial

Das Obermaterial ist, in der GTX-Version, ein Polyester-Mesh mit GoreTex-Liner. Die äusseren/unteren Bereiche davon haben auch ein TPU-Overlay zur weiteren Verstärkung (bzw., der offiziellen Info nach, als Schlammschutz)

Schnürung

Die Schnürung ist eine herkömmliche, aber eine mit Schnürsenkeln, die sich abwechselnd erweitern und verdünnen. Der Biologe in mir kann das nicht besser beschreiben als wurmartig.

Diese Schuhbänder hätte ich gerne auf all meinen Schuhen; sie haben nicht nur all der langen Nutzung gut widerstanden, durch ihre Struktur bleiben sie selbst mit einer einfachen Masche gut verschlossen.

(Ich habe nur zu viele Schuhbänder, die zwar eine Menge aushalten, aber so glatt sind, dass sie sich jedesmal von selbst öffnen, wenn ich sie nicht mit einem doppelten Knoten schliesse.)

Kletternd über Schnee und Fels auf Trails um den Traunstein
Kletternd über Schnee und Fels auf Trails um den Traunstein

Die Sohle

Der Oribi 2 GTX RB9X verwendet den “Rubber 9 Extreme”-Gummi von Icebug, der selbst Strassen- und Kiesläufen ziemlich lange widersteht und auf den meisten Oberflächen sehr griffig ist – oder das zumindest sein soll.

Natürlich wäre eine Version mit BUGrip (die es auch gibt) für Winterläufe auf wirklich glattem Untergrund besser (dafür wäre dieser aber nervig auf Strassen). Und die Kalksteinfelsen, auf denen ich in den Alpen oft lande, sind für jeden Schuh glatt, wenn sie abgeschliffen und feucht sind.

Zusammen mit dem Sohlenprofil, das mir anfänglich zu wenig aggressiv vorkam (verglichen mit den tiefen Stollen der Acceleritas) bieten diese Schuhe aber ausgezeichneten Griff.

Das Sohlenprofil der Oribi 2, wie im Schnee zu erkennen
Das Sohlenprofil der Oribi 2, wie im Schnee zu erkennen

Das Profil der Oribi-Sohle

Die “Stollen” sind weit genug und in einem solchen Winkel angelegt, dass sie miteinander und mit der Fussbewegung arbeiten, um sich im Untergrund festzukrallen – und ich war mit ihnen auf allem von verschneiten Strassen zu schlammigen Sommer-Trails und Felsen und Kies.

Dämpfung und Schutz

Die Dämpfung ist mittelhoch, der Drop 7 mm. Das ist weniger als auf vielen herkömmlichen Laufschuhen, aber mehr als auf vielen Icebug-Schuhen, die ich sehr mag – und es ist ausgezeichnet für eine Vielfalt an Nutzungen.

Zusammen mit dem Rock Shield in der Sohlenmitte, das vor spitzen Steinen schützt, bieten die Oribi so eine ausgezeichnete Kombination an Eigenschaften und ein sehr gutes Laufgefühl.

Das Laufgefühl

Warum ich die Oribi schlussendlich zu Tode liebte – fast wortwörtlich, wenn man sie jetzt so betrachtet: Dieselben Eigenschaften, wegen denen ich mir zuerst unsicher über die Oribi war – ihr vergleichsweise normaler Bau – stellten sich schlussendlich als grossartig heraus.

Die Sohle ist griffig genug, aber nicht so extrem, dass sie auf Strassen oder flachen Wander- und Radwegen nicht gut wäre.

Dämpfung und Drop sind nicht so gering, dass man den Untergrund so extrem fühlt wie in den Acceleritas (die wie Barfussschuhe mit extremen Stollen gebaut sind), und die Steinschutzplatte schützt noch weiter.

Insgesamt sind die Schuhe durch das alles leicht und reaktionsschnell genug, dass man den Untergrund beim Klettern über Steine und Wurzelwerk gut und sicher fühlen kann, aber beim Laufen über scharfe Steine oder lange Asphaltstrassen gut geschützt und unterstützt wird.

Für meine Arten von kleinen Abenteuern und Rennen, wo es über Strassen und einfache Trails in ernsthafteres Berggelände geht, sind die Oribi so genau richtig – und ich kann sie am Weg per Zug zu den Trails und davon zurück ebenso gut tragen. Dabei produzieren sie eben nicht das Klackern von BUGrip-Spikes, sondern tragen sich wie bequeme Sneakers.

Anderswo auf Trails um den Traunstein
Anderswo auf Trails um den Traunstein

“Vorbehalte”

Ausprobieren wollte ich diese Schuhe, weil ich auf der Suche nach gutem Schuhwerk für verschneite Winterläufe und ähnliche Bedingungen, für die ein wasserdichter Schuh nötig ist, war.

Als schnelle und leichte – und niedrige – Schuhe schützen die Oribi 2 GTX zwar besser vor nassem Untergrund als Schuhe mit bloss hydrophobem Obermaterial. Für Läufe in tieferem Schnee braucht man allerdings Gamaschen… und diese bleiben nicht unbedingt niedrig genug am Schuh, dass kein Schnee in den Schuh gedrückt würde.

Das GoreTex war immerhin atmungsaktiv genug, dass ich keine besonderen Probleme mit Nässe oder Schweiss in den Schuhen gehabt hätte. Oder zumindest nicht für zu lange. Für die schlimmsten Bedingungen, in die ich mich begeben hatte, waren sie aber auch nicht ganz ideal.

Will sagen, wer in knietiefem Schnee Berghänge hinunterrennen will, der könnte andere Schuhe brauchen (was ich auch mit den Pace 2 von Icebug ausprobiert habe; deren Review folgt in Kürze) – aber dafür sind keinerlei Schuhe wirklich ideal.

Am schlammigsten Trail beim Traunsee Bergmarathon 2018
Am schlammigsten Trail beim Traunsee Bergmarathon 2018

Für alles andere als Schweben durch Pulverschnee waren die Oribi 2 GTX nur zu gut: Schnee und Schlamm, Winter und Sommer, ebene Strassen und Berg-Ultramarathons.

Sollte ich ein wenig unzufrieden klingen, dann nur weil es mir schwerfällt, mich von den Oribi zu trennen – auch wenn sie schon ziemlich zerstört sind und die ISPO 2019 bald beginnt, auf der Icebug anscheinend ein neues Schuhmodell präsentieren wird, auf das ich mich sehr freue…