Fastpacking – mit so wenig Ausrüstung wie möglich wie ein extra-schneller Backpacker unterwegs sein – war schon vor der zunehmenden Beliebtheit von Ultramarathons ein Thema. In einer Lauf-Rucksack-Weste wie dem Fastpack 35 von Ultimate Direction trifft Utra-Laufen auf Fastpacking.

Vorderansicht des Ultimate Direction Fastpack 35
Vorderansicht des Ultimate Direction Fastpack 35

Hybrides Design, Duale Nutzung

Der Fastpack 35 ist einerseits Rucksack genug, um eine gewisse Menge an Ausrüstung tragen zu können, solange diese so leicht wie möglich ist.

Das war schon lange Thema für die Ultraleicht-Wanderer, die Gemeinschaft der Leute mit Fastpacking-Interesse.

Rücken-/Tragesystemansicht des Ultimate Direction Fastpack 35
Rücken-/Tragesystemansicht des Ultimate Direction Fastpack 35

Man findet aber auch Designideen von einer Laufweste. Alles ist so gestaltet, dass die gesamte Ausrüstung möglichst nahe am Körper und ohne Wackeln getragen werden kann. Dementsprechend kann man sich nach Art eines Trailruns in Laufschuhen statt einer Trekkingtour in Wanderstiefeln fortbewegen.

Trageeigenschaften

Bei dieser dualen Idee bleibend gibt es am Rücken genug Platz für Ausrüstung, wie man sie mit Übernachtungen braucht, aber auch einiges an Platz vorne.

Dementsprechend kann man Dinge wie ein Bivy und einen Schlafsack tragen, aber zugleich Notwendigkeiten wie Wasser und, inzwischen üblicherweise, “Kommunikationsmittel” (sprich: sein Smartphone) vorne unterbringen und erreichen, ohne den ganzen Pack vom Rücken nehmen zu müssen.

Diese ganze Organisation macht für den geplanten Einsatzzweck eine Menge Sinn, aber sie bedeutet auch, dass sich der Fastpack 35 ziemlich anders trägt als ein Wanderrucksack (oder eine Laufweste).

Das ist nicht der Sack, den man sich nur mal schnell über eine Schulter wirft, um ihn im Alltag zu nutzn.

Sehen wir uns erst recht an, welche Details auffallen sollten. Schliesslich – vollständige Offenlegung, hier – habe ich meinen Fastpack 35 dafür von niemand anderem als Buzz Burrell selbst (auf der OutDoor Friedrichshafen 2017), ohne Vereinbarungen, Auflagen, etc. gratis bekommen, weil ich Ausrüstung so genau betrachte und intensiv teste.

Die letzten 1,5 Jahre habe ich den Fastpack regelmässig in Gebrauch gehabt, für alles von kürzeren Läufen, bei denen ich die DJI Spark dabei haben wollte, bis hin zu Touren über Nacht und einer Chinareise.

Wer einen genauen Blick sehen und hören möchte, für den gibt es meine Video-Vorstellung des Fastpack 35 vom Sommer 2018; mit noch mehr Details und Diskussion geht es aber gleich im Anschluss per Text weiter…

Details zum Design des UD Fastpack 35

Hauptfach

Das Hauptfach des Fastpack liegt, natürlich, am Rücken. Es wird mit einem Roll-Top-Verschluss zugemacht, das man an Riemen an der Seite anhängt. Zurrt man diese Riemen fest, dann komprimieren sie das ganze Rückenfach ganz wunderbar, so dass die Ausrüstung innen nicht herumhüpft.

Rollt man diesen Oberteil/Verschluss etwas mehr ein und bewegt ihn weiter nach unten, dann kann man die Ausrüstung im Rucksack dadurch stärker komprimieren; rollt man es weniger ein und belässt es über der Ausrüstung, lässt sich mehr mittragen, wenn die Ausrüstung das verlangt.

Seitenansicht mit dem Verschluss- und Komprimierungsssytem am UD Fastpack 35

Innenausstattung

Innen, zum Rücken hin, gibt es eine Schaumstoffplatte, die den Rücken versteift und vor Reibung von Ausrüstungskanten gegen den Rücken schützt. Im Notfall kann man diese ‘Matte’ auch nutzen, um darauf zu liegen oder zu sitzen. Dieses Teil ist aber nicht ganz leicht hinaus, geschweige denn hinein, zu bekommen.

Daran schliesst sich eine Schlaufe und eine Stretch-Mesh-Tasche an, die für ein Wasserreservoir gedacht sind. (Man kann natürlich auch andere Ausrüstung dort hineinstecken, aber viel Platz ist dafür nicht.)

Oben mittig am Rückenteil liegt eine Möglichkeit, um den Schlauch einer solchen Trinkblase nach aussen zu leiten, wie üblich; auf den Schultergurten gibt es je eine Schlaufe, durch die man diesen Schlauch weiter legen könnte – es wäre also gut, einen mit seiner eigenen Befestigung nahe beim Trinkventil zu nehmen, damit er nicht herumschwingt.

UD Fastpack 35: Aussparung und Schultergurt-Schlaufe für Trinkschlauch
Aussparung und Schultergurt-Schlaufe für Trinkschlauch

Hinten, aussen

An der Aussenseite des Hauptfachs am Rücken gibt es auch eine Mesh-Tasche um schnell noch etwas Ausrüstung, z.B. eine Windjacke, unterzubringen. Sie ist genauso weit und breit wie das Hauptfach (wenn man es nicht mit dem Roll-Top ausweitet), kann aber nicht zu weit ausgedehnt werden.

Für die leichten und weichen Dinge, für die diese Tasche gedacht ist, ist das alles gut; ich erwähne diese geringe Dehnung allerdings, weil diese Tasche so aussieht, als könnte ein Kletterhelm hineinpassen – was er aber nicht tut.

Ans Klettern könnte man denken, weil es an den Aussenseiten auch Halteschlaufen (unten, feste; oben, welche aus Stretchmaterial, die man in verschiedene Positionen bewegen und festzurren kann) für Eispickel oder Trekkingstöcke gibt.

Die Mesh-Tasche hinten versteckt ein kürzeres Fach, das mit einem Zipp verschlossen ist und sich sehr gut eignet, um etwas Geld und Ausweise sicher und zugänglich mitzubringen – zumal sie an einem guten Platz liegt um versteckt und zugleich leicht zugänglich zu sein und aus dem festeren Nylon des Rucksacks besteht, dass relativ gut schützt.

Die Mesh-Tasche aussen vorne am UD Fastpack 35 und die dahinter versteckte Tasche mit Zippverschluss
Die Mesh-Tasche aussen vorne und die dahinter versteckte

Hauptmaterial

Das Nylon, aus dem der Fastpack 35 hauptsächlich besteht, ist allerdings nur wasserresistent. Es hilft dem Fastpack also, atmungsaktiv zu sein, insbesondere mit dem Mesh-Infiknit am Rücken. In stärkerem Regen schützt es allerdings nur bedingt; daran angepasst sollte man besser packen.

Seitentaschen

Links und rechts am Fastpack gibt es auch noch zwei weite Mesh-Taschen, in denen man alles mögliche verstauen kann. Flaschen sind dort nicht ideal untergebracht, weil diese Taschen eher weit als tief sind; es ist auch nicht so ganz einfach, dort etwas hinein bzw. hinaus zu bekommen (wenn man den Pack trägt).

Man muss auch bedenken, dass die Riemen, die den Rucksack zu und an den Rücken ziehen, in diese Taschen laufen. Einerseits kann man dadurch doch Flaschen unterbringen, wenn man diese unter die Riemen steckt, so dass sie von denen gehalten werden. Andererseits aber sind die Riemen auch immer wieder im Weg, wenn man nur schnell etwas in diese Taschen stecken will.

Für kleinere Dinge wie Taschentücher, Haube oder Halstuch, Energieriegel,… sind diese Taschen aber trotzdem gut nutzbar.

Seiten-/Bodenansicht des Ultimate Direction Fastpack 35
Seiten-/Bodenansicht des Ultimate Direction Fastpack 35

Boden

Um den vorderen und seitlichen Teil der Unterseite des Fastpack 35 gibt es auch noch Textilringe, an die man eventuell weitere Ausrüstung hängen könnte; meiner Meinung nach sind diese allerdings von fragwürdigem Nutzen.

Tragesystem/Schultergurte des Ultimate Direction Fastpack 35
Tragesystem/Schultergurte des Ultimate Direction Fastpack 35 (wie oben schon mal gesehen)

Die Schultergurte

Wie typisch für einen solchen Laufrucksack, der sich mehr wie eine Weste als ein klassischer Rucksack tragen soll, sind die Schultergurte weit, gepolstert und mit verschiedenen Taschen gebaut.

Beide Gurte haben an ihrem äusseren Rand oben und am unteren Ende elastische Bänder, an die man Trekkingstöcke hängen kann.

Bergmarathon Naturfreundesteig
Am Einstieg des Naturfreundesteig beim Traunsee Bergmarathon, mit den Trekkingstöcken an den Schultergurten

Am Fastpack 35 sind die Taschen auf den Schultergurten links bzw. rechts, ein wenig ungewöhnlich, unterschiedlich:

Schultergurt, rechts

Am rechten Gurt findet man ganz unten eine kleine, mit Zipp verschlossene, Tasche. Der grösste Teil wird von einer engmaschigen Mesh-Tasche für eine Wasserflasche oder Softflask, verschliessbar mit einem elastischen Kordelzug, eingenommen. Um diese geht in ihrem unteren Bereich auch noch eine weitere Mesh-Tasche.

Rechter Schultergurt des Ultimate Direction Fastpack 35
Rechter Schultergurt des Ultimate Direction Fastpack 35

Schultergurt, links

Am linken Schultergurt findet man eine grössere Mesh-Tasche unten und eine Nylontasche mit Zippverschluss über einen Grossteil der Gurtlänge. Diese ist ideal-gross für ein Telefon, bis hin zu modernen Smartphones (oder ein GPS).

Sie ist auch ein wenig abgesetzt vom Gurt innen; mit Mesh-Material wo sie an diesen angenäht ist. Dadurch ist sie etwas vor Schweiss geschützt… und lässt Ausrüstung darin eventuell ein wenig leichter feucht werden, als dem sonst wäre.

(Umgekehrt kann man dadurch zwischen die Nylontasche und den Gurt noch etwas langes und schmales an Ausrüstung – oder eine Plastik-“Schutzschicht” – legen. Was dort drin ist, das könnte allerdings ziemlich weit nach unten rutschen…)

Die Tasche(n) am linken Schultergurt desUltimate Direction Fastpack 35
Die Tasche(n) am linken Schultergurt desUltimate Direction Fastpack 35

Hüftgurt

Der Fastpack 35 hat auch einen Hüftgurt, der allerdings nur beim Tragen grösserer Lasten – und selbst dann nur vielleicht – hilfreich sein kann.

Ich habe ihn meistens umgedreht und dazu verwendet, den unteren Teil des Hauptfachs etwas zu komprimieren, der vom sonstigen “Zuzerrsystem” nicht besonders verkleinert wird.

Das Fassungsvermögen des Fastpack 35

Mein “grösstes Problem” mit dem Fastpack 35 ist, dass er wohl vielen Leuten zu gross wäre, gross genug ist, um jede Menge Ausrüstung mitzunehmen – und mir irgendwie doch nicht gross genug ist.

Die offiziell angegebenen 35 Liter Volumen scheinen auch aus einer 1,5-Liter Wasserflasche, die man vorne unterbringen könnte und dem so-weit-wie-möglich angefüllten Hauptfach zu bestehen.

Damit hat man genug Platz für die Ausrüstung, die man für Touren über Nacht im Sommer braucht. Ich habe mein ultraleichtes Bivy, den Sommerschlafsack, die 3/4-lange Unterlage, Esbit-Kocher und Titan-Minitopf, etwas Essen und Wasser, das Gewand, dass ich bei der Anfahrt im Zug an hatte und sogar die DJI Spark im Fastpack untergebracht.

Für Winterabenteuer über Nacht allerdings, mit Daunenschlafsack, Unterlage in regulärer Länge und dem zusätzlich benötigten Gewand ist der Platz nicht genug.

Dafür verwende ich immer noch meinen Arrakis 40, den ich immer für solche langsameren, anspruchsvolleren Touren verwende – und dessen zusätzliche 5 Liter so aussehen, als wäre der richtige/normale Rucksack leicht drei Mal so gross, was sein hautpsächliches (und eigentlich einziges) Fach angeht.

Tragekomfort

Nach langen (>10 Stunden) Touren mit all der oben erwähnten Ausrüstung hatte ich durchaus Druckstellen gespürt. Die Unterkante des Rucksacks hat bei so vollem Gewicht schon unangenehm an meinem Rücken gerieben.

Die Gurte etwas anders einzurichten (man kann schlieslich verändern, wo man diese am Rucksack fixiert) hatte dabei schon etwas geholfen.

Dementsprechend würde ich empfehlen, sich etwas damit herumzuspielen, welche Position den besten Tragekomfort ergibt. Und ich würde empfehlen, dass wirklich durch Herumspielen auszuprobieren; für mich scheint eine Position der Gurte am besten zu sein, bei der ich das eigentlich nicht erwartet hatte.

Mein Fazit

Insgesamt trägt der Fastpack 35 sich sehr gut.

Mit genug Ausrüstung, ausreichend an den Rücken gezogen, mit einem guten Ausgleich zwischen Ausrüstung vorne (an den Schultergurten) und hinten sitzt alles angenehm und trägt sich ohne zu hüpfen.

Ich habe Stunden mit dem Fastpack 35 am Rücken, auf Strassen und Trails, verbracht, damit eine ganze Menge getragen – nicht zuletzt, die DJI Spark, die wesentlich mehr Kilometer so als in der Luft verbracht hat. Alles hat mich zu wunderbaren Erlebnissen gebracht und wird es, so wie der Fastpack 35 jetzt aussieht, noch eine ganze Weile länger tun.

Mit dem Ultimate Direction Fastpack 35 am Lion Rock Trail über Hong Kong
Mit dem Ultimate Direction Fastpack 35 am Lion Rock Trail über Hong Kong

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