Japan erlebt gerade einen Tourismusboom – und die Faszination Japan rührt immer noch von der Fremdartigkeit und Besonderheit der japanischen Kultur.  Umso weniger würde man erwarten, dass man in Höhepunkten der europäischen Malerei Einflüsse der japanischen Kunst finden würde.

Die Ausstellung “Faszination Japan. Monet. Van Gogh. Klimt.” im Bank Austria Kunstforum Wien (von 10.10.2018 bis 20.1.2019) geht genau diesen nach.

Sie bietet damit ein schönes Beispiel für eine Möglichkeit der “Mikroexploration”, des tieferen Verstehen- und Kennenlernens.

Zum einen findet man heutzutage schliesslich leicht – in Japan, aber auch indirekt – so manchen Kontakt mit japanischer Kunst und Kultur. Umso eher aber bleibt dieser oberflächlich.

Zum anderen aber kann man sich, wie eben mit einer Ausstellung wie dieser, in die Materie vertiefen und damit ein besseres Verständnis für die Hintergründe dieser Themen erwerben.

Wie in dieser Ausstellung…

Katsushika Hokusai. 36 Views of Mount Fuji: The Wave at Kanagawa

Katsushika Hokusai. 36 Ansichten des Berges Fuji: Die Welle bei Kanagawa. © MAK/Georg Mayer

Japans Öffnung, Europas Erstaunen

Als Japan sich der Welt (wieder) öffnete und auf den Weltausstellungen in Paris 1867 und (wie man im Weltmuseum Wien sehen kann) Wien 1873 präsentierte, da muss es mehr als nur einen Hauch von Exotik an sich gehabt haben. Man wusste praktisch nichts von dem Land und hatte noch weniger Kontakt.

Schon zwischen diesen zwei Weltausstellungen aber entwickelte sich die Beschäftigung mit Japan – und die Selbstpräsentation Japans – rasant weiter.

Im Jahr 1867 war Japan noch ein regelrechtes Exotikum; die Besucher der Weltausstellung Paris sollen nicht so recht gewusst haben, was sie von den wenigen Ausstellungsstücken halten sollten.

Schon 1872, gerade einmal fünf Jahre später, aber sprach der Kritiker Philippe Burty vom “Japonismus”. Europäische Kunstsammler und -händler brachen auf, um Kunstwerke zu erwerben; ein reger Handel entstand.

Alfred Stevens, The Japanese Parisienne

Alfred Stevens, Die japanische Pariserin. © Musée des Beaux-Arts de La Boverie, Lüttich

Auf der Weltausstellung in Wien 1873 wurde Japan schon als ein Teil der zivilisierten Welt wahrgenommen. Oder zumindest als ein exotisches Anderes, das der Zivilisation einiges an neuen, anderen Ideen zu bieten hatte und sich bemühte, an die “zivilisierten” Länder Anschluss zu finden.

Wieder in Paris, 1878, war rund um die dortige Weltausstellung die Rede schon – wie die Materialien zur Ausstellung im Bank Austria Kunstforum erwähnen – von der Japomanie, von “Leidenschaft” und “Verrücktheit”.

Der Einfluss japanischer Kunst

Dieser Einfluss, der zog weite Bahnen zu zahlreichen Künstlern:

Édouard Manet (mit dem der Wandel vom Realismus zum Impressionismus verbunden ist).

Impressionisten wie Edgar Degas und Claude Monet.

Edgar Degas, Dancing Lesson

Edgar Degas, Tanzunterricht. Um 1873. National Gallery of Art, Washington, Corcoran
Collection (William A. Clark Collection)

Post-Impressionisten wie Vincent van Gogh und Paul Gauguin.

Expressionisten wie Edvard Munch, Wassily Kandinsky und Paul Klee.

Werke von all diesen Künstlern – mit denen ich nur jene nenne, die mir persönlich etwas sagen – wurden vom Japonismus beeinflusst und sind in der Ausstellung “Faszination Japan” vertreten.

Auch in Österreich hatte dieser Kontakt mit Japan seinen Einfluss. Zum Beispiel wurden Egon Klimt und Oskar Kokoschka davon beeinflusst, ebenso wie Josef Hoffmann (bekannt für seine Arbeiten als Teil der Wiener Werkstätte).

Hat man einmal, wie eben in der Ausstellung hier, einen Hinweis auf Verbindungen zwischen japanischer Kunst und zum Beispiel den Werken von Josef Hoffmann erhalten, so ist diese Beziehung gut zu erkennen…

Und das sind genau die Beziehungen und Perspektiven, die ich besonders spannend finde:

Dinge, die man übersieht, die überraschen, weil man sie nicht unbedingt erwarten würde – und die mit etwas mehr Wissen und Beschäftigung mit einer Materie klar erkennbar und umso interessanter werden und zum persönlichen Weltverständnis beitragen.