Hallstatt wird heutzutage meist schnell besucht, per Bus oder per Bahn und Schiff über den See. Ich wollte mich langsam an den Ort annähern, in eigenen Schritten bergauf und bergab entlang des BergeSeen-Trail, über den Hang des Dachsteins. Über Nacht.

Besucht man Hallstatt schnell, nur für die üblichen “Viewpoints” und die Selfies dort, wie so viele andere zuvor sie geschossen haben, dann sieht man den Ort kaum.

Man kann wenigstens noch hoch zum Salzbergwerk/Museum, um einen Eindruck von der Topographie zu bekommen und sie nicht nur als malerischen Hintergrund zu fotografieren. Einiges von der Beziehung zwischen Bergen und Seen hier wird man dennoch verpassen.

Hallstatt am frühen Morgen
Hallstatt am frühen Morgen

Zum #NachHauseKommen an solchen Orten muss man sie fühlen. Sie langsam, mit eigenen Schritten, erreichen. Man muss ja nicht den ganzen, 350 km langen, BergeSeen-Trail gehen, der an allen wesentlichen Bergen und Seen des Salzkammerguts vorbei geht. Das wäre schliesslich kein Wochenendvergnügen.

Hallstatt per BergeSeen-Trail

Es gibt allerdings den Teil des BergeSeen-Trails in seiner alpinen Variante, der von den Gosauseen über den Dachstein nach Hallstatt führt und den Ort wunderbar in seine alpine Umgebung eingebettet erfahrbar macht.

Dieser Teil besteht streng genommen aus drei verschiedenen Abschnitten:

  • Abschnitt 23 von Gosau-Hintertal zur Adamekhütte
  • Abschnitt 26 von der Adamekhütte zur Simonyihütte
  • Abschnitt 27 von der Simonyihütte nach Hallstatt

(Beschreibungen inklusive Tourdetails und GPS-Daten zu den Wegen habe ich auf Uhren und Touren publiziert.)

Ich machte mich Ende September auf diesen Weg, zufälligerweise am letzten Tag, an dem die Adamekhütte noch geöffnet hatte; die Simonyihütte war bereits für den Winter geschlossen. Darauf kam es aber auch nicht an; ich wollte ohnehin draussen biwakieren und etwas Erfahrung mit einem demnächst auf den Markt kommenden Biwak von Outdoor Research sammeln (dem Interstellar, falls ich das sagen muss).

Die Anfahrt

Um zum Start in Gosau zu kommen, war wieder einmal der Zug von Attnang-Puchheim Richtung Obertraun-Dachsteinhöhlen nötig, allerdings nur bis zum Bahnhof Steeg-Gosau.

Als ich dorthin fuhr, da waren gerade Bauarbeiten auf der weiterführenden Strecke im Gange, sodass alle dort in Schienenersatzverkehr umsteigen mussten, um weiter nach Hallstatt bzw. Obertraun zu fahren. Ich half einigen asiatischen Touristen, denen das nicht klar gewesen wäre – und es war interessant, diese Vielfalt an Leuten zu sehen, die Hallstatt dieser Tage als ein Must-See betrachten. Es sind bei weitem nicht nur Chinesen, sondern auch Koreaner, Thais, und viele andere.

Umso interessanterwar es, wo mein Weg mich auch nach Hallstatt führen sollte, aber auf eine etwas andere Art und Weise. Mit dem Bus von Steeg-Gosau zuerst einmal zur Endhaltestelle am Gosausee.

Eigentlich startet der Weg schon in Gosau-Hintertal, aber diesen Teil der Wanderung (der öfter an Strassen verläuft) ersparte ich mir, zumal ich erst später als geplant aufbrechen hatte können.

Gosau-Hintertal zur Adamekhütte

Der erste Teil des Wegs, auf Sektion 23 des BergeSeen-Trail in seiner alpinen Variante, vorbei an den Gosauseen und hoch zur Adamekhütte, ist ein beliebter Ausflug, wird dann aber immer einsamer.

Am Rand des Vordersees ist der Weg weit und vielbegangen. Ein Seilkurs bietet etwas Vergnügen für Leute, die mehr als nur die Ausblicke geniessen wollen. Genug Leute machen aber nur einen Spaziergang hier.

Ausblick vom (Vorderen) Gosausee
Ausblick vom (Vorderen) Gosausee

Die Ausblicke sind grandios; die Seen sind schön und die Bergkämme rundum eindrucksvoll.

Vom Vordersee zum Hintersee ist der Weg immer noch einer Forststrasse ähnlich, aber er fängt schon an, etwas anzusteigen.

Den Hintersee streifend geht der Weg zur Adamekhütte ab durch zwergwüchsige Birken. Man kann schon steilere Berghänge sehen, die der Weg sich gleich hinaufwindet. – Und genau so wird der Weg dann auch gleich: Steil und sich die Felsen hochwindend.

Der Blick zurück über die Gosauseen
Der Blick zurück über die Gosauseen

Der Blick zurück über die Seen wird eindrucksvoll, aber auch wohl erkauft.

Höher und näher zur Adamekhütte wird der Trail noch felsiger. Mehr und mehr wird er ein richtiger Alpenweg.

Adamekhütte zu Simonyihütte

Abschnitt 26 des BergeSeen Trails geht erst einmal ein Stück den Weg zurück, hinunter von der Adamekhütte, den man gerade erst hinauf gegangen war.

Wie üblich, wenn ich auf demselben Weg noch einmal entlang, aber eine Abzweigung finden, muss, werde ich von den Uhren, die ich teste, so abgelenkt und/oder versinke so in Gedanken, dass ich die Abzweigung verpasse. Dabei war die entsprechende Markierung wirklich nicht schwer zu sehen…

Von den vielen Leuten unten an den Seen, den Läufern, die von der Adamekhütte herunter kamen (weil es dort zum Saisonabschluss einen Lauf gibt/gab) und den paar Wanderern,die den letzten Öffnungstag der Hütte noch nutzen wollten, ging es auf diesem Weg in die Einsamkeit.

Mondlandschaft mit mehr als genug Wegmarkierungen
Mondlandschaft mit mehr als genug Wegmarkierungen

Der Weg führt über Fels, der von Eiszeitgletschern teils poliert, teils mit Furchen versehen, worden war. Manchmal ist das Terrain überraschend flach. Oft wieder klettert man ganz ordentlich.

Vom Licht in die Finsternis

Mit meinem Timing hatte ich Glück, den ich schaffte es noch im Tageslicht bis zur Adamekhütte und einiges weiter. Selbst ein schöner Teil dieses Wegs zur Simonyihütte war noch mit etwas Licht zu bewältigen.

Das war besonders gut, als der BergeSeen Trail hier auf die nördliche Flanke des Dachsteinmassivs gelangte. Dort ging es öfter wieder bergab. Normalerweise ist das angenehm -oder zumindest weniger anstrengend – als die Kletterei. Auf jener Seite des Berges aber gab es selbst um diese Zeit noch eisige Flecken. Und es sind im wesentlichen nichts als Hänge voller Geröll.

Weite Ausblicke vom Dachstein (noch im Licht)
Weite Ausblicke vom Dachstein (noch im Licht)

Wohin auch immer man steigt, es werden sich lose Steine unter seinem Fuss befinden, die immer wieder ins Rollen kommen. Mit dem Verblassen des Tageslichts wurde alles dann noch mehr zu einer Mondlandschaft, als es durch seine graue Farbe und die spitzen Steine ohnehin selbst im Tageslicht schon gewesen war.

Der Weg war meist immer noch gut zu finden. Wo der erste Teil dieses Abschnitts aber fast schon zu viele Markierungen bietet, eine nach der anderen, da verschwanden diese hier geradezu. Nur im Licht einer Stirnlampe weiter zu kommen, dass wird damit zu einer ganz besonders “interessanten” Erfahrung.

Zwischen der Routennavigation auf meinen Uhren (wie gesagt, ich war ja auch zum Testen dort), den Wegmarkierungen auf Felsen und dem üblichen Unterschied zwischen ‘natürlichen’ Felsen und dem Trail, da war alles ganz okay. Es war aber doch beruhigend, die Routennavigation auf den Uhren aktiv zu haben – und das die ganze Zeit.

Noch netter war es, zu sehen, wie der Endpunkt einer Route auf der Uhr sichtbar wurde, tief in der Dunkelheit. Und da war dann auch tatsächlich die Simonyihütte. Geschlossen und ohne ein Winterquartier, das ich finden konnte, allerdings. Oder mit einem guten Platz für ein Biwak.

So einfach, wie der von dort weiter verlaufende Weg zu sehen war, musste ich nur kurz entscheiden, ob ich noch länger weitergehen und früher nach Hause kommen oder noch länger am Berg bleiben und vielleicht mehr vom Weg (im Tageslicht) zeigen wollte.

Simonyihütte nach Hallstatt

Abschnitt 27 desBergeSeen Trail wurde so zu meiner spätnächtlich / frühmorgendlichen Route.

Von der Simonyihütte folgte ich dem weiten und einfachen – wenn auch immer noch aus losen Steinen bestehenden – Weg hinunter. Teils einfach aus Spass an der Sache, teils um nach einem guten Schlafplatz Aussicht zu halten.

Die Landschaft hier verändert sich, selbst wenn man sie nur in der nächtlichen Dunkelheit betrachtet, wieder. Man kommt den Berg wieder weiter hinab und landet wieder unter Latschen. Verglichen mit den Hängen weiter oben fühlt sich die Umgebung so an, als wäre sie eher eine Hügellandschaft.

Zur Biwak-Ruhe

Wie so oft in diesen Bergen ist es gar nicht so einfach, einen ausreichend flachen Ort zu finden, der ein wenig versteckt ist, um ein Biwak aufzuschlagen. Schliesslich aber fiel mir ein Plätzchen ins Auge, dass meinen Ansprüchen genügte. Nicht sofort augenfällig, aber mit ein wenig Ausblick; nicht auf Felsen, nicht zu sehr geneigt.

Also dann zum Biwak.

Mein Dachstein-Biwakplatz auf 2000 m Seehöhe
Mein Dachstein-Biwakplatz auf 2000 m Seehöhe

Zu ein wenig Essen. Ich hatte noch eine der Proben von Good To-Go, die ich auf der OutDoor bekommen hatte und ausprobieren wollte, dabei. Das Wasser, aufgekocht auf meinemMini-Esbitkocher, war auch diesmal nicht heiss genug, um das Essen komplett zu rehydrieren. Das würzige Chicken Gumbo aber war trotzdem genau das richtige nach so einer anstrengenden Tour und mit dem Anfang einer doch kalten Nacht.

Schützendes Biwak, etwas scharfes Chicken Gumbo, eine Rast
Schützendes Biwak, etwas scharfes Chicken Gumbo, eine Rast

Noch ein paar Versuche von Astrophotographie. Und ich bettete mich für die Nacht zur Ruhe.

Mondaufgang vom Biwak aus
Mondaufgang vom Biwak aus

Die Nacht, die war nicht lange. Etwas an der ganzen Erfahrung liess mich einigermassen okay schlafen, aber auch nicht mehr als das. Ich rastete für fast 7 Stunden – aber diese inkludierten das Kochen und Essen in der Nacht und den Kaffee am Morgen.

Zurück auf dunkle Wege

Als ich zum weiteren Abstieg nach Hallstatt aufbrach, da waren es gerade die frühen Morgenstunden…wenn man eine Zeit gegen 2:30 Uhr als Morgen zählen will.

Einen solchen Weg in der Dunkelheit zu beschreiten, das ist für Videos solcher Mikroexploration /Mikroabenteuer nicht gerade gut, aber immer eine interessante Erfahrung.

Mein Lichtweg in der Finsternis
Mein Lichtweg in der Finsternis

Man fühlt sich einfach so anders in die Landschaft eingebettet: Einerseits hat man den immens weiten Blick auf die Sterne über sich. Und andererseits den immens eingeschränkten Blick rund um sich. Der es umso deutlicher bemerkbar macht, wenn der Weg weit genug nach unten verlaufen ist, dass man sich wieder zwischen Bäumen befindet.

Genau in einem solchen Teil hatte ich zu bemerken, dass sich meine RX 100 Mk. II flüchtig gemacht hatte. Ich hatte ihren Vorgänger auf dem Hong Kong Trail verloren und mich immer gewundert, wie eine nicht so leichte Kamera bloss unbemerkt aus einer Tasche und auf den Boden fallen konnte – und jetzt war es wieder passiert. Rucksack hinunter ging es mit mir wieder den Weg hoch – und sogar zu der Kamera!

Weiter den Weg hinab, schon lange in Wald, kommt man an Stellen, wo der Hallstätter See selbst in der Dunkelheit erkennbar wird. Kurze knackige Abstiege gehen steile Wiesen hinab, auf denen sich genau genug Steine finden, dass es gefährlich wird. Und unangenehm für ohnehin schon angeschlagene Wandererfüsse. Vorbei am Wasserfall etwas oberhalb von Hallstatt. Und auf Strassen, welche die schmerzenden Zehen etwas entlasten.

Schlussendlich kam ich nach Hallstatt, wie ich das gerne wollte: zeitgerecht für den Sonnenaufgang.

Hallstatt, und der Salzkammergut-Genuss nach einer Wanderung

Von einem Sonnenaufgang gab es allerdings gar nicht so viel zu sehen, eher nur von einem allmählichen Heller-werden des Himmels.

Die katholische Kirche von Hallstatt im fahlen Morgenlicht
Die katholische Kirche von Hallstatt im fahlen Morgenlicht

Wie an so vielen Orten, die vor Touristen nur so wimmeln, hatte ich auch Hallstatt zu dieser frühen Zeit praktisch für mich selbst. Das finde ich immer eine interessante Erfahrung, schon für sich alleine. Man muss solche Orte nicht so langsam erreichen, wie ich das getan hatte, aber auch das hatte 
seinen Teil zum Erlebnis beigetragen.

Ohne Leute damit zu behelligen, steckte ich meine Füsse noch in das eiskalte Wasser des Hallstätter Sees, nachdem ich einen Blick durch den Ort geworfen hatte.

Müde Wandererfüsse im eiskalten Hallstätter See-Wasser
Müde Wandererfüsse im eiskalten Hallstätter See-Wasser

Rasch, wie ich gerne wieder nach Hause kommen wollte (schliesslich wartete dort meine Frau auf mich), musste der kurze Zwischenstopp in Bad Ischl doch noch sein, für ein etwas anderes Frühstück als ich es denselben Morgen noch auf 2000 Metern Seehöhe gehabt hatte…

Frühstücks-Kaffee und Torte in der Konditorei Zauner, Bad Ischl
Frühstücks-Kaffee und Torte in der Konditorei Zauner, Bad Ischl

… und dann ging es zurück, wieder ein Bergerlebnis reicher.

Und wie immer, mit einer neuerlichen Wertschätzung für die einfachen Glücksmomente eines modernen und eines Familienlebens, wie wir sie so oft als selbstverständlich aus den Augen verlieren: meine Frau, eine warme Dusche, im angenehmen Bett zu kuscheln.