Beliebt, wie Marathons geworden sind: Sie finden meist in Städten statt, in die man erst einmal reisen muss. Der Wachau-Marathon ist ein schneller Strassenlauf, aber durch das Welterbe des Wachautals. Und man kann sehr nett an den Start kommen…

Warum sollte man in die Wachau?

Die Wachau, geprägt durch die Donau, ist ein Tal sanfter Hügel mit Wein und Obstbäumen (insbesondere Marillen – Aprikosen) an ihren Hängen.

Dörfer und kleine Städte befinden sich in den Niederungen, so einige Klöster und Burgen finden sich hier.

Man muss gar nicht so weit zurück in der Geschichte zu Burg Dürnstein, in der Richard Löwenherz gefangen gehalten wurde – mitten in der Wachau. (Wer jemals einen Robin Hood-Film gesehen hat und sich wunderte, was Richards Rückkehr vom Kreuzzug bloss verhinderte – seine Gefangenschaft gegen Lösegeld hier war der Grund.)
Viel weiter zurück geht es mit Willendorf, auch in der Region, wo die Venus von Willendorf gefunden wurde.

Viele Menschen kommen im Frühling in die Wachau, hoffend auf die richtige Zeit, um die Marillenblüte zu erleben, die das Hügelland in Weiss bedeckt. Es ist kein japanisches Hanami (Kirschblütenschauen), aber ganz ähnlich hübsch und kurz.

Grundsätzliches zum Wachaumarathon

Der Wachaumarathon findet immer Ende September statt.

Bedingungen

Manchmal sind die Bedingungen zu der Zeit des Jahres nicht so gut (wie 2017, mit Regen und Kälte). Oft aber sind sie ideal zum Laufen, mit kühleren Temperaturen und angenehmen Bedingungen.

Dieses Jahr (2018) war praktisch perfekt, mit etwas Nieselregen, aber kaum Wind und sehr angenehmen Temperaturen zum Laufen.

Streckenverhältnisse

Der Marathon ist ein reiner Strassenlauf.

Er beginnt auf Radwegen entlang der Donau, verläuft aber grossteils über die Landstrassen durch die Wachau.
Es gibt so gut wie keine Bergaufpassagen. Im wesentlichen folgt der Lauf der Donau abwärts. Schon das alleine ergibt eine schnelle Route.

Der Lauf ist ausserdem nur gegen Anfang auf ein wenig engeren Wegen, sonst aber fast immer auf weiten Strassen.

Halbmarathon und 10 km-Lauf beginnen zu ähnlichen Zeiten wie der Marathon, aber in ihrer jeweils passenden Entfernung vom Ziel. Man muss sich also nicht mit den Nicht-Marathon-Startern herumplagen.

Startersackerl und die Anfahrt

Der schnelle Verlauf bergab ist schon nett, aber was den Wachaumarathon wirklich nett macht, dass ist seine spezielle Organisation.

Bei anderen Marathons muss man erst einmal organisieren, wie man in die Stadt, wo er startet, kommt, die Startnummer abholt, zumindest etwas Transport organisiert, usw. …

Für den Wachaumarathon kann man nach Krems, in die wesentliche Stadt der Wachau. Am Tag vor dem Rennen gibt es dort eine Marathon-Expo und die Startnummernabholung.

Einige Tage früher (typischerweise am Mittwoch vor dem Lauf am Sonntag) kann man seine Startnummer aber auch in Wien abholen.

Selbes mit der Anfahrt zum Start: Es gibt Busse und Züge von Krems zum Start (bzw. den Starts), aber auch einen Sonderzug, der früh am Morgen direkt von Wien fährt. Dieser Zug ist nur für die Teilnehmer (und für diese gratis).

Der Sonderzug braucht seine Zeit, aber man bekommt immerhin einen Eindruck der niederösterreichischen Landschaft. (Wer davon noch touristischere Eindrücke bekommen möchte, der kann auch ein Ticket für ein Schiff zum Start lösen.)

Wie üblich vor einem Rennen werden die Schlangen vor den Toiletten immer länger, aber auf der Zugfahrt hat man immerhin eine gute Chance, auch dazu zu kommen. Oder einfach noch etwas zu entspannen, plaudern, etc.

(Gewand kann man am Zug oder im Startbereich wechseln; im Startareal warten Busse, welche die Startersackerl dann auch ans Ziel in Krems bringen.)

Wachaumarathon-Road

Das Lauferlebnis Wachaumarathon

Als Strassenlauf kann man beim Wachaumarathon leicht in eigenen Gedanken verschwinden.

Die Belastung – hier spricht meine Trailläufer-Seite – ist natürlich hoch. Die Strassen sind aber gut zu laufen.

Noch netter, wenn man darauf nicht vergisst, ist der Ausblick, den man beim Blick rundherum hat.

Für jemanden, der Landschaft nicht so begeisternd findet und stattdessen ständig Gebäude und Menschen um sich haben will, kann die Landschaft monoton wirken.

Man muss aber nur ein wenig wissen, wirklich hinsehen, und da hat man die Donau, neben der man läuft. Man hat Felder und Weingärten am Strassenrand. Hügel rundum, nicht so selten mit Burgruinen darauf – nicht zuletzt, Dürnstein mit seiner Beziehung zu Richard Löwenherz. Hübsche Dörfer.

Ähnlich wie beim Venedig-Marathon startet der Lauf recht ausserhalb, endet dann in der wichtigsten kleinen Stadt der Region, macht ein paar Kurven durch diese – und da ist sie, die Ziellinie.

In Kombination mit den eher einsamen Strassen und der hübschen (wenn auch stets ähnlichen) Landschaft, unterbrochen von kleinen Dörfern, ist der Wachau-Marathon schön durch seine Ausblicke, und schön einfach zu Laufen.

Braucht man Ablenkung und ständige Anfeuerung, dann ist das vielleicht nicht das richtige Rennen.

Aber um eine neue Bestzeit zu schaffen oder einfach für ein nettes Lauferlebnis, in Gedanken verloren oder mit anderen Läufern plaudernd, ist dies immer noch eine der besten Lauferfahrungen, die ich kenne.