Manchmal muss man einfach durch die Hölle gehen… oder ihre Gipfel überschreiten, wenn es um das oberösterreichische Höllengebirge geht.

Zwischen Attersee und Traunsee gelegen erstreckt sich dieser Gebirgsstock über etwa 15 Kilometer, mit einer maximalen Höhe von etwas über 1800 m.

Als der erste Gebirgszug nach dem einsamen Wächter des Traunsteins im Nordosten des Traunsees ist das Höllengebirge ein beliebter Ort für kleine Wanderungen. Und ein Ort, der für solches Abenteuern etwas zu wenig genutzt wird…

Blick zurück zum Attersee
Blick zurück zum Attersee

Meistens nämlich werden nur die ersten Gipfel am Attersee – Mahdgupf, Dachsteinblick, Brennerin – bestiegen. Oder die Wanderwege oder Gondelbahn im Osten des Gebirges, an der Traunseeseite, zum Feuerkogel hoch genommen (der ja ausserdem als kleines Skigebiet dient).

Die ganze Überquerung ist irgendwie gleichzeitig beliebt und bekannt bei Einheimischen, aber ein recht ungewöhnliches Unterfangen.

Nachdem ich schon oft auf den Feuerkogel gegangen bin, den Höllkogel manchmal bestiegen habe und die restlichen Berge sogar schon vom Helikopter gesehen hatte, schien es höchste Zeit…

Anfahrt

Weissenbach am Attersee, der Ort auf der Westseite und am nächsten zu den Wegen in das Höllengebirge, ist nur per Auto oder Bus erreichbar.

Für mich hat das bedeutet, dass ich diesen Ort als Startpunkt nutzen wollte, um dann Richtung Osten in bekanntes Terrain und zur Bahnstation in Ebensee zu kommen.

Vorbereitung

Ich wusste auch, dass ich langsam und über Nacht würde gehen wollen, also kam natürlich das Biwak und andere Schlafausrüstung mit.

Ansonsten braucht es nur die übliche Ausrüstung fürs Unterwegssein in den Bergen: geeignete Schuhe, schützende Kleidung, für den Fall, dass es regnen sollte oder kälter wird, etc.
Etwas Essen macht natürlich auch Sinn; Wasser ist die womöglich grösste Sorge: der Fels dort ist Kalkstein, der diese Berge nicht gerade wasserreich sein lässt. Regen rinnt einfach in Klüfte und Höhlen ab.

Natürlich braucht es die ausreichende Fitness, insbesondere, da diese Tour ziemlich einsam wird.

Das Erlebnis

Ein Mitgrund, warum ich endlich – und genau zu dieser Zeit – hinaus wollte, war der Höhepunkt des Perseiden-Meteorschauern. Von diesen sollte ich schlussendlich keine sehen, aber die Nächte inmitten dieser Berge werden wenigstens schön dunkel.

Das alleine ist schon etwas, wofür man sich dieser Tage dankbar schätzen muss, macht doch das viele Kunstlicht allerorts die Nachthimmel wesentlich heller, als sie es eigentlich sein sollten.

Downhill während der Höllengebirge-Querung
Downhill während der Höllengebirge-Querung

Fels unter sich

Die Wanderwege hier sind ziemlich gut erkennbar und gut markiert, insbesondere, wenn man sich auch noch mit einem GPS-Track helfen kann.
Oft verlaufen sie zwischen Latschen durch, ab und an auch durch Alpenwiesen oder über exponierte Bergkämme.

Die Felsen bieten wunderbare Beispiele für den Gletscherabrieb während der Eiszeiten und die rezentere Wirkung von Wind und Wasser… will sagen, der Fels, über den man geht, ist auf alle möglichen Arten erodiert.

Manchmal geht man so also über lockere Steine, mal grössere, mal Kies-artige.
Manchmal bedeutet das glattgeschliffenes Gestein, noch öfter abgespaltenes Felswerk mit ziemlich scharfen Kanten.

Man kann grossteils gut über das alles gehen, es hat aber alles auch seine Gefahren; Aufmerksamkeit muss man dem schenken, wohin man jeweils tritt.

Blick über den Attersee
Blick über den Attersee

Blicke Rundum

So oft zwischen Latschen zu sein, bergauf und bergab zu klettern, das hat seine Vor- und Nachteile:

Kommt man auf einen Gipfel oder an den Rand des Gebirges, dann findet man fantastische Ausblicke.

Zuerst sieht man – ganz schön lange – zurück zum Attersee.

Später werden der Dachstein und andere Gipfel der oberösterreichischen Alpen erkennbar.

Blick vom Dachsteinblick im Höllengebirge
Blick vom Dachsteinblick im Höllengebirge

Der Traunstein und der Traunsee, wo die Tour enden wird, kommen auch in den Blick.

Früher Morgen am Höllkogel
Früher Morgen am Höllkogel

In den Niederungen der Berge allerdings ist man von deren Hängen gut eingeschlossen. Und oft auch noch von den Latschen umgeben.

Das bietet ab und an ein gewisses Gefühl der Geborgenheit (und einen gewissen Schutz). So exponiert, wie an manchen anderen Bergen, ist man hier nicht oft.

Die Sommerhitze kann dadurch allerdings auch gut gestaut werden, und dann wird der Mangel an Wasserquellen gut bemerkbar…

Über Nacht

Je nachdem, wie sehr man sich den Wanderern oder den Bergläufern zugehörig fühlt, wäre die Höllengebirge-Querung gut für einen FKT (fastest known time – schnellste bekannte Zeit) Versuch an einem einzigen Tag – oder einen wesentlich entspannteren Bergausflug mit Übernachtung(en).

Ich war am ersten Tag schlussendlich 8 Stunden unterwegs, biwakierte dann einem dafür ausreichend gut geeigneten Platz und kam in weiteren ca. 4 Stunden am nächsten Tag zum Ende der Querung.

Macht man keine Umwege zu einigen der Gipfel entlang des Weges wäre diese Überschreitung des Höllengebirge noch ein wenig kürzer und schneller machbar; ich konnte aber nicht widerstehen, Brennerin, Brunnkogel und Höllkogel einen Besuch abzustatten.

Abendessen im Biwak
Abendessen im Biwak

Wie gesagt, wollte ich eben auch eine Nacht draussen verbringen, tat das also. Meteoriten konnte ich trotzdem keine sehen (auch wenn es das Maximum der Perseiden hätte sein sollen).

Das Erlebnis, die Sterne in einem so dunklen Nachthimmel erscheinen zu sehen, die kalten Temperaturen zu spüren, einen geeigneten Schlafplatz finden zu müssen – das war alles, wie immer, ein schönes kleines ‘Abenteuern.’

Der Sternenhimmel über dem Höllengebirge
Der Sternenhimmel über dem Höllengebirge

Zeit und Gelegenheit

Es gäbe einige Schneeschuh-Wege im Höllengebirge, die Sommerhitze kann recht heftig werden, aber diese Tour ist für die warme Jahreszeit zu empfehlen.

In der Kälte könnte es alles leicht unangenehm werden. Und die Sommerhitze macht wenigstens Lust darauf, die Tour in einem der Seen, wo sie endet – oder in der Traun – zu beschliessen. So wie ich das tat…

Und der Sprung in die Traun nach der Gebirgsquerung
Und der Sprung in die Traun nach der Gebirgsquerung

Die Tourdaten lassen sich auf www.uhrenundtouren.com finden