Die Vorstellung der Mammut Delta X Kollektion auf der OutDoor Friedrichshafen dieses Jahr (2018) – und ein Set für die chinesische Teezeremonie von Kingpool – boten interessante Beispiele für Wege, wie wir nicht “zu Hause in” dieser Welt der Mode bzw. Tradition sind.

Die meisten Leute dort haben, würde ich wetten, beides entweder gar nicht bemerkt oder ihre Köpfe darüber geschüttelt.

Für mich allerdings waren beide ein Grund, mehr zu sehen und mehr zu lernen. Beziehungsweise, mehr nachzudenken und zu versuchen, Gedanken zu vermitteln.

Die (Praktische) Metapher des Tees

Das Teeset, das mir auffiel, ist eine Version eines traditionellen ebensolchen Sets für die chinesische Teezeremonie.

Es ist allerdings für das Camping (oder wohl eher Glamping) gedacht, dementsprechend wesentlich kleiner und (etwas) tragbarer.

Wer sich nicht für Tee interessiert, für den wäre es nichts (oder etwas bei weitem zu) Besonderes.

Wer sich allerdings für Tee interessiert und dafür, ihn zu feiern – und ebenso für Outdoor – für den ist das eine interessante Sache.

Kingpool Xun Tang Tee-Set

Umso mehr, als es kaum eine Outdoor-Firma zu geben scheint, die nicht irgendeinen Kaffeemacher im Angebot hat, aber kaum irgendeine, die etwas für Tee anbietet.
Dies also zu sehen, zumal von einem chinesischen Unternehmen, das sich in Sachen Tee auskennen sollte, das war nett.

Noch mehr kommen Tradition und Moderne bei spezieller Bekleidung zusammen…

Mode vs. Leistung

Bei Bekleidung, da herrscht oft eine Kluft zwischen Stil und Substanz, Mode und Leistung.

Urbane Mode kümmert sich typischerweise nicht sehr um die Eigenschaften der Materialien und die Funktionalität der Produkte, solange sie nur teuer und in Mode sind.
Outdoor-Hochleistungsgewand kann plötzlich im Rampenlicht stehen, wie etwa als The North Face-Jacken zur inoffiziellen Uniform von Hip-Hop-Stars geworden waren, aber ist meist meilenweit weg von Mode und Stil.

Als Arc’teryx deren Linie an “performance menswear”, Veilance, gründete, da waren die Reaktionen darauf auch dementsprechend gemischt, wenn nicht negativ.

Und hier kommt Mammut Delta X

Mit Frühling/Sommer 2019 nun aber wird sich die nächste Outdoormarke, die 156-Jahre-alte Mammut, in dieses seltsame Land am Zusammenfluss dieser getrennten Welten wagen.

In dieser modisch-progressiven Nicht-Mode wird Stil mit einem Auge für die Leistung und die Möglichkeiten, die spezielle Materialien für besondere Gewänder bieten, kombiniert. Für mich, der ich ein Interesse daran gefunden habe, gibt es zwei Seltsamkeiten damit.

Seltsame Designs

Oberflächlich betrachtet kann ich verstehen, warum viele Leute – gerade in der Outdoor-Welt – nur ihre Kopfe ob solcher Produkte schütteln würden.

Sei dahingestellt, ob eine Bekleidungslinie wie Delta X von Mammut als Mode gelten oder eine andere Kategorie (der “Performance”) darstellen soll, sie inkludiert jedenfalls einige etwas seltsame Designs.

SCHWEIZ MAMMUT DELTAX

Mammut DeltaX (PPR/Mammut)

Die Fotos im Lookbook machen ziemlich klar, mehr noch als ohnehin schon die Gewänder an sich, dass Delta X durchaus zu Fashion zählt.

Nach Art von so vielem Streetwear, zu ziemlich seltsamer Fashion.

Seltsam, die Negative Einstellung

Die andere Seltsamkeit, die mir allerdings auffällt, die liegt im mangelnden Verständnis für solche Produkte und solche Ansätze bei einem größeren Publikum.

Zugegeben, Streetwear wie auch Outdoor-Gewand sind beide, selbst wenn sie Wachstumsmärkte darstellen, vergleichsweise Nischenbereiche.

Gewand, das nicht so aussieht, als ob man gerade von der nächsten Bergexpedition kommt, sondern in eine anthropozäne Umwelt passt, das erscheint mir allerdings passend.

Umso mehr, wenn es sich dabei um “Techwear” handelt, das nicht so tut, als ginge es bei Bekleidung nicht sowohl um einen Schaueffekt, als auch um Schutz bzw. eine praktische Leistung.

Mammut DeltaX Beispiel

Mammut DeltaX Beispiel

Warum schließlich sollte man, bloß weil man in der Stadt unterwegs ist, klitschnass werden, als ob wir nicht auch in Städten mit Starkregen zu rechnen hätten – und Materialien haben, die gut davor schützen können?

Delta X von Mammut jedenfalls sieht, in dem Zusammenhang, von Materialien wie von Schnitten (und gesamten Kleidungsstücken) her, interessant aus.

SCHWEIZ MAMMUT DELTA X

Zum Beispiel mit Hemden, die cool aussehen und halten. Mammut Delta X Collection. (PPR/Mammut)

SCHWEIZ MAMMUT DELTA X

Oder Hosen, die praktische Inspiration von Outdoor-Kollektionen und Materialien holen, dabei aber nach Mode, nicht nach Outdoors, aussehen. Mammut Delta X Collection. (PPR/Mammut)

Wie üblich in diesem Feld werden manche der Produkte sicherlich von zweifelhafter Leistung sein, selbst was das reine Aussehen angeht, wenn man nicht gerade komplett in der Welt des Streetwear zu Hause ist.

Einiges sieht aber auch sehr interessant, in Form wie Funktion, aus.

Der Preis von Stil und Leistung

Etwas, das so nahe an Mode ist, als so speziell vermarktet wird, das wird sicherlich seinen Preis haben. Es wird sich an ein etwas spezielleres Publikum richten.

Gleichzeitig kann solches Geld, sucht man nach einem spezielleren persönlichen Stil und erhält man auch wirklich die passende Performance für die Bandbreite an Bedingungen, in denen man sich findet, gut investiert sein.

Umso mehr wenn, wie der Designchef für Mammut (Delta X) letztens in einem Interview (auf Englisch) meinte, die Marke absolut nicht danach trachtet, Trends nachzulaufen sondern vielmehr auf ihren Kernkompetenzen aufbauen will.

Wir werden ja sehen, wie das bei Mammut Delta X so läuft…