Was erzählt man – was gibt es denn überhaupt noch zu erzählen? – wenn man bei einer Veranstaltung wie dem Bergmarathon “Rund um den Traunsee” mittlerweile schon zum sechsten Mal teilnimmt?

Wer tut sich so etwas an und warum?

Lustige Sache.
Vielen jammernden Stimmen zufolge scheint es schon eine Qual zu sein, wenn man überhaupt eine Laufstrecke mehr als einmal im Jahr laufen muss. So langweilig.
Am Bergmarathon allerdings haben so manche Leute schon 10-mal oder öfter teilgenommen…

Eine solche Tour mehr als nur einmal mitzumachen, das hat auch viele Vorteile.

Kennt man die Strecke schon, dann ist sie wesentlich besser zu genießen, mit all ihren schönen Ausblicken. Bei der ersten Teilnahme, da muss man so mancherorts dann doch noch etwas Zeit und Energie aufwenden, alleine um sich am Weg zurecht zu finden.

Hat man das ‘Rennen’ schon einmal beendet, so ist die Zuversicht auch viel großer, dass man es also schaffen kann.

Mit Ergebnissen von vorhergehenden Events, da kann man dann außerdem vergleichen, ob man eher schneller oder eher langsamer geworden ist.

Jubiläumstour…

Meine erste Teilnahme bei diesem Bergmarathon, die kam 2008.

Es war das 20. Jubiläum des Laufs und ich war gerade 30 geworden und stand zwischen einem Studien- und Arbeitsjahr in Lettland und Versuchen, es doch endlich nach Ostasien zu schaffen… woraus dann drei Jahre in Hunan wurden.

In der Zwischenzeit hatte ich es noch 4-mal zu dem Bergmarathon geschafft, mit wechselnden Bedingungen und Zeiten, aber eher einem Trend hin zu schnelleren Zeiten.

Diesmal, zum 30. Bergmarathon, hätte ich es bald nicht geschafft.

Zu sehr hatte es Anfang des Jahres am Geld gemangelt. Schließlich hatte ich das aber doch und konnte mich, dank des Logins für Teilnehmer mit 5 oder mehr Teilnahmen, auch so spät im Jahr noch anmelden.

Und es sollte ein spezieller Lauf werden.

Bergmarathon 2018 Start

Ein Sozialer Lauf

Los ging es durch Gmunden, wie immer. Ich ganz hinten, weil ich noch in Ruhe alle Uhren, die ich hier testen wollte, eingeschaltet hatte.

Es war wie immer genug Licht im Ort und gemeinsam mit genug anderen Teilnehmern. Erst am Anfang des Wanderwegs auf den Grünberg wollte ich doch lieber meine Stirnlampe einschalten – und sie tat nichts.

Heimgeleuchtet

Keine Ahnung, was los war, aber die Stirnlampe machte einfach gar nichts.

Also immer schön bei anderen bleiben, um den Weg dank deren Lichtstrahlen sehen zu können. Wieder hinunter vom Grünberg fand ich mit jemandem zusammen, der ein ganz ähnliches Tempo hatte und bereitwillig so mit mir lief, dass alles (einigermassen, bei den rutschigen Wegen schon hier) lief.

Bergmarathon Naturfreundesteig

Richtung Naturfreundesteig- Einstieg, am Beginn der Kletterei auf den Traunstein, war es dann schon wieder genug Licht, um ohnehin etwas sehen zu können. Und sozial auf andere Art, dann es war ein rechter Kolonnenverkehr nach oben…

Aber immerhin, auf diese Art war wenigstens auch ein gewisser Zusammenhalt da, als es weiter oben am Berg in Sturm und Wolken hinein ging.

Hochgeleitet

Noch einige Male sollte ich andere Leute brauchen.

Hoch den Daxnersteig zur Spitzelsteinalm wurde es wieder einmal hart genug, dass ich mich fragte, warum ich nicht einfach aufhören sollte.
Immer wieder war es mir ein Bedürfnis, mich an den Rand des üblich weichen, steilen Weges zu setzen und zu verschnaufen. Zumindest, bis dann jemand vorbei kam und mich gewissermassen mitnahm.

In Ebensee, am halben Weg, war dann doch wieder klar, dass ich weiter gehen würde – und den Feuerkogel hinauf brauchte es gleich wieder, obwohl (oder gerade weil?) es am Anfang recht gut und flott weiter gegangen war, jemanden, an den ich mich sozusagen einfach hängen konnte.

Schon auf knapp halber Strecke dort hoch hatte ich feststellen müssen, dass ich irgendwie mit meinem Wasserhaushalt nicht gut klarkam und von Wanderern, die dort (bergab) unterwegs waren, etwas Wasser erbeten müssen.
Und auch hier und damit waren Leute sehr nett und hilfsbereit.

Bergmarathon 2018, Rindbach Muddy Downhill

Die andere Art von Down

Ging es mit mir beim Bergauf regelmässig in ein Tief, so waren die Bergabstrecken seltsam aufbauend.

Schon den Mairalm-Steig hinunter vom Traunstein hatte ich zwar lange gebraucht, war es doch feucht und rutschig (zu der normalen Rutschigkeit des Weges durch lockere Steine und glattpolierte Felsen noch dazu).

Von der Spitzelsteinalm hinunter war es ebenso matschig wie immer, und dann noch etwas mehr.

Mein leicht lädiertes Knie versprach eher Probleme, aber mit den Icebug Oribi und meinen Wanderstöcken ging es ziemlich sicher und nicht so langsam hinab.

Schlussendlich sollten all die Bergabläufe mich seltsam beleben.

Langsames Glück

Irgendwie hatte ich eine falsche Erinnerung, an eine Zeit von 14 Stunden für den Lauf. Daran, dass ich auch bei Läufen zuvor die Samstagmittag-Feuerwehrsirene am Weg auf den Feuerkogel hinauf gehört hatte.

Herausstellen würde sich schlussendlich, dass ich nur bei meiner ersten Teilnahme vor 10 Jahren ähnlich lange gebraucht hatte wie ich es diesmal wieder tun würde. Die Läufe dazwischen war ich schon näher an eine Gesamtzeit von 12 Stunden gekommen.

Diesmal allerdings schien diese Langsamkeit, nicht nur wegen der Bedingungen, notwendig und sogar gut zu sein.

Dank dieser Entschleunigung war ich, zumindest gefühlsmässig, auch noch am letzten Drittel der Strecke fähig bergab zu laufen, wie ich es noch selten zuvor gekonnt hatte.

Langsam war das immer noch, sicherlich, aber zumindest stetig – und das eben nach all den Downs und trotz aller Probleme.

Das ist schlussendlich auch, und immer mehr, was mir an den Ultramarathons so zu gefallen scheint: Sie zeigen, dass es irgendwie weitergeht und einfach weiter gehen muss.

Bergmarathon 2018 Finish

Ein Schönes Nachspiel

Wieder zu Hause angekommen hatte ich meine Sachen ausgebreitet und ins Bett gegeben. Und den Schrecken am nächsten Morgen, dass meine Sachen nicht mehr das Laufgewand inkludiert hatten, das ich getragen hatte.

Irgendwie hatte ich es geschafft, das bei den Duschen eingepackt geglaubt zu haben, aber es dabei wohl bei jemand anderem platziert…

Einige Zeit später allerdings, nach Hinweisen darauf, hatte die für die vergessenen Dinge zuständige Helferin des Bergmarathon mich kontaktiert. Mein Laufgewand ist speziell genug, dass sie es erkannt und unter den Fundsachen bemerkt hatte.

Mit ein paar Umwegen war ich damit etwas später wieder in der Gegend von Gmunden und hatte diese meine Dinge – die ich bei meinem aktuellen Einkommen und der Besonderheit (v.a. in Europa) der Lauftights gar nicht hätte ersetzen können – wieder.

So soll es sein.

Kein persönlicher Rekord, aber umso bessere Eindrücke und schönere Erinnerungen.