Der LGT Alpin Marathon war mir bloss durch Zufall aufgefallen.

Zu meinem Ziel, mich den Alpen im Sinne des Abenteuerns und mit #Mikroexploration anzunähern, hat er aber perfekt gepasst.

Ziemlich genau vor einem Jahr hatte ich die Chance genutzt, an einem Outdoor Blogger-Wochenende, organisiert von Liechtenstein Marketing, teilzunehmen.

Unter anderem hatten wir dabei Malbun und den Fürstin-Gina-Weg darüber besucht – ausgerechnet am Tag des LGT Alpin Marathon, mit Blick auf das Ziel.

Ein Marathon, der praktisch ein ganzes Land durchquert, ist mir schon aus (etwas amüsierter) Ultramarathon-Läufer-Laune nur recht.
(So ähnlich lässt sich in Rom ganz wunderbar der Vatikan-Staat umrunden.)

Dann noch der alpine Charakter – und dieses Jahr fand der Marathon auch noch am Tag vor der OutDoor Friedrichshafen statt.

Ich konnte also am Weg dorthin (so wie im Vorjahr beim etwas weiter entfernten Stelvio-Marathon) noch schnell an diesem Lauf vorbei.

Warum Liechtenstein?

Liechtenstein ist leicht zu übersehen; am Marathon-Kalender zumal: Der LGT Alpin Marathon ist nämlich der einzige Marathon des Fürstentums, das zu den Zwergstaaten Europas zählt.

Eingebettet zwischen die Schweiz und Österreich im Rheintal ist Liechtenstein, bekannt für sein Bankwesen, teuer, aber auch wunderschön.

Schon vom Rheintal aus sieht man selbstverständlich auf die Berge rundum, und in die Berge geht es auch leicht und schnell – und schön.

Früher (Marathon) Morgen in Liechtenstein

Früher (Marathon) Morgen in Liechtenstein

Schon alleine damit ist es einen Besuch wert, seine Geschichte und Kultur lädt aber auch noch weiter zum mehr sehen und mehr lernen ein – aber laufen wir mal.

Der LGT Alpin Marathon

Der Marathon beginnt relativ weit im Norden des Landes, in Bendern. Ein wenig seltsam finden Startnummernausgabe und Start in bzw. bei der Ospelt-Anstalt (einer Wurstfabrik, einfach gesagt) statt.

Man merkt schon hier wieder, was für ein kleines, familiäres Land Liechtenstein doch ist.

Die Helfer – und nicht nur sie – kennen sich. Die Startnummernausgabe wird großteils erst in den Stunden vor dem Start erledigt. Die Strasse/Strecke wird auch erst kurz vor dem Start gesperrt…

Start

Der Lauf geht zuerst im Flachen, neben Feldern, an und auf den Rheindamm bis nach Vaduz.

Durch Vaduz, die Hauptstadt des Landes mit dem Fürstenschloss direkt darüber, geht es direkt durch – und dann, vorbei am Schloss, beginnt die Kletterei.

LGT Alpin Marathon: Schloss Vaduz

LGT Alpin Marathon: Schloss Vaduz

Anstiege

Von Vaduz läuft man hoch (den) Triesenberg, durch Waldwege und Trails und über Strassen, mit immer weiteren Ausblicken über das Rheintal.

Relativ bald nach dem Triesenberg kommt man hinauf und hinüber nach Silum, an den höchsten Punkt der ersten Hälfte des Laufs. Von dort sieht und läuft man schon hinunter zum Ziel des “Halbmarathon Plus” bei Kilometer 25.

LGT Alpin Marathon: Abkühlung

LGT Alpin Marathon: Abkühlung am Weg

Zweite Hälfte

Halbmarathon-Läufer haben ihre Strecke hier hinter sich, für die Weiterläufer geht es in diesem Zwischenziel rechts entlang und ab auf den nächsten Teil der Strecke:

Um Drei Kapuziner und Schönberg geht es in weitem Bogen, mit schönem Rauf-und-Runter, herum, dann immer mehr kletternd hinauf zum Saasförkle, dem höchsten Punkt des Laufes.

Von dort schliesslich kommt man bald zu dem vielleicht seltsamsten Punkt des Weges, wo man gleich oberhalb von Malbun und dem Zielbereich ist.

Man hört den Moderator von Leuten auf der Zielgeraden reden – ist hier aber noch etwas mehr als 5 km von seinem eigenen Zieleinlauf entfernt.

Zuerst geht es nämlich noch den Panoramaweg oberhalb von Malbun entlang um den Talkessel des Ortes, wiederum mit schönem, sanftem Auf-und-Ab.

Zu Kilometer 40 geht es die Trails und Wanderwege noch einmal etwas hinauf, dann aber bis ins Ziel praktisch nur noch hinunter, mit den letzten paar hundert Metern auf der Strasse durch den Ort.

Mein Lauferlebnis

Aufgewacht am Tag zuvor mit einem Krampf in der Wade, am selben Tag noch einige Kilometer mit dem Rucksack durch Liechtenstein marschiert, wieder einmal eher Probleme mit dem Magen – da hatte ich mir nicht viel für diesen Marathon erwartet.

Nach dem Skyrace beim Hochkönigman waren die 1870 Höhenmeter (im Aufstieg) nicht mehr so ein Schrecken, aber die Distanz und der höhere Anteil an Strassenabschnitten hatten mich schon auch wundern lassen.

LGT Alpin Marathon: Wald-Trail

LGT Alpin Marathon: Wald-Trail

Der schönste Lauf

Der Lauf stellte sich tatsächlich als einer der schönsten und angenehmsten heraus, die ich bisher mitgemacht habe.

Es ist natürlich genug Anstrengung, schliesslich handelt es sich um eine Marathondistanz plus einiges an Höhenmetern.

Dies war allerdings der erste derartige Lauf, wo ich konsequent flott bergauf marschieren und im Flacheren bzw. Bergab wieder schön laufen konnte.

Manche der Steigungen waren schon knackig, die Downhills nicht zu unterschätzen, aber alles nicht so extrem, wie bei meinen sonst häufigen Bergrennen, bei denen irgendwann einfach nichts mehr geht.

Glück des Tages?

Vielleicht war es natürlich einfach Glück.

Hin und wieder hatten sich gewisse Krämpfe ja doch angekündigt, waren aber nur nicht gekommen.

Vielleicht sollte ich auch doch Schuhe mit mehr Dämpfung ausprobieren. (Ich war hier, weil ich noch mehr von einem Strassenlauf erwartet hatte, als es der Alpin Marathon dann war, mit den Nike Lunarepic gelaufen).

Vielleicht, vielleicht,…

Es war mir jedenfalls ein Fest.

Zudem habe ich noch kaum einen Lauf erlebt, bei dem so viele freundliche Gesichter an so zahlreichen Orten an den Wegen zujubeln und anfeuern.

Nicht, dass das sonst so unüblich wäre, aber es war hier einfach wirklich Feststimmung zu spüren – und natürlich hat es geholfen, dass es mir (noch dazu wider Erwarten) bei diesem Lauf einfach gut erging.

Aufbruch

Der LGT Alpin Marathon war auch ganz wunderbar organisiert.

Es gab keine Probleme, meinen Rucksack ans Ziel transportiert zu bekommen. Dort wartete nicht nur der, sondern auch ein Duschzelt mit angenehm warmem Wasser, regelmässige Shuttlebusse hinunter nach Vaduz oder zurück zum Startbereich.

Damit konnte ich mit guten Verbindungen – und dank meiner, für mich unerwartet schönen, Zeit von knapp unter 5 Stunden auch ganz ohne Eile – weiterfahren nach Friedrichshafen für die OutDoor.

Das wird dann aber eine ganz andere Geschichte…