“Und, hat das Hochkönigman Skyrace seinen Namen verdient?” meinte Thomas Bosnjak, der Organisator, mit einem Schmunzeln.

Ich hatte mich, gerade im Ziel, über die Härte des Rennens beklagt…

Denke ich an mein Motto für 2018, dann fällt das Skyrace wohl eindeutig unter das Schlagwort “Experimentiere.”

Ein “Experimentelles” Rennen

So war das damit eigentlich nicht gemeint.

Mein Training im Burgenland, das ist aber unregelmässig. Und bei 20 km Streckenlänge überwindet es keine 500 Meter Höhenunterschied.

Davon an den Hochkönig zu einem Rennen mit 30 km Länge und fast 3000 Höhenmetern zu fahren, das verlangt schon nach einer gewissen Experimentierlaune…

Wie denn auch erwartet, sollte ich hochoffiziell gar nicht in der Wertung aufscheinen. Schliesslich sollte ich schlussendlich länger als das Zeitlimit von 6 Stunden gebraucht haben.

Der Hochkönigman, der macht allerdings seinem eigenen, schon von Anfang an bestehenden, Motto des “Sieger geben niemals auf”-Gefühls alle Ehre.

Alle seine Läufe sind nicht zu unterschätzen, alle sind schön – und bei allen muss man nicht auf einen vorderen Platz kommen, um sich als Sieger zu fühlen.

Die Strecke des Hochkönigman Skyrace

Schon beim Marathon-Trail 2016 hatte ich lange Anstiege verflucht.
Beim Speed Trail 2017 brauchte ich einige Pausen.

Und nun ging es mit dem Skyrace noch wesentlich höher hinaus.

Der erste Teil verläuft gemeinsam mit der Speed Trail-Strecke; der letzte Teil ebenso.

Dazwischen allerdings geht es von Rohrmoos über die Buchauer Scharte unter die Schönfeldspitze. Um diese geht es – durch fast nur Schnee, was ich aus den Race Briefings so nicht hinausgehört hatte – herum.

(Der Gewinner des Skyrace bezeichnete sich selbst als “Sieger” unter Anführungszeichen, er hatte nämlich den eigentlich gedachten Weg dort oben nicht gesehen und war – wie dann auch andere – über die Schönfeldspitze gelaufen…)

Hochkönigman Skyrace. Die Landschaft oben.

Hochkönigman Skyrace. Die Landschaft oben.

Dann geht es über Wurmkopf und Schönegg zum Riemannhaus.

Und, da wartet dann der Downhill praktisch bis zurück ins Ziel in Maria Alm.

(Eine Beschreibung mitsamt GPS-Daten zum Download findet man in Kürze auf www.uhrenundtouren.com)

Skyrace? Oder Hellrace?

Gut 2800 m bergauf, davon fast zwei Drittel alleine am Anstieg über die Buchauer Scharte. – Da geht es himmelwärts, wahrlich “racing to the sky”… aber die Anstrengung ist höllisch.

Mein erster “Spitzenwert” beim Hochkönigman Skyrace war gleich bei Kilometer 8 erreicht: Nämlich ein Puls von 206 als ich mit Schrecken feststellen musste, dass es schon mit dem ersten Zeitlimit für Rohrmoos eng werden könnte.

Hochkönigman. Blick die Buchauer Scharte hoch

Hochkönigman. Blick die Buchauer Scharte hoch

Das schaffte ich dann doch noch (wenn mich nicht alles täuscht) – und beim Anstieg über die Buchauer Scharte wurde die Zeit dann schon egal.

Nur noch rechtzeitig für den Weg nach Hause wollte ich ganz gerne wieder in Maria Alm ankommen. Oder wenigstens nicht die Bergrettung brauchen.

Pausen brauchte ich auch hier immer wieder. So viel Zeit auf allen vieren habe ich auch schon lange nicht mehr verbracht, wie dort oben im Schnee – zumal, als es zum Wurmkopf dann “nur noch diese Scharte hinauf” ging. Ziemlich steil hinauf nämlich.

Die auf der Pflichtausrüstungsliste noch belächelten Handschuhe waren mir dort Lebensretter, so oft, wie ich eben in den Schnee fassen musste. Selbst wenn es bei Bergabpassagen auch regelmässig am glatten Hosenboden meiner CW-X Tights durch den Schnee ging…

Nicht wie eine Glissade aussieht, mit Blick auf das Riemannhaus

Nicht wie eine Glissade aussieht, mit Blick auf das Riemannhaus

Der Sieg über sich selbst

Wie das möglich war, dass ich trotz alledem vorankam, schlussendlich den Weg bergab auch wieder laufen konnte – das ist mir selbst ein Rätsel.

Es ging langsam bergauf und hinüber; auf meine versammelte Sporttechnologie-Ausrüstung (die mit diesem Rennen gleich einmal getestet werden sollte und wurde) schaute ich für einen Grossteil der Strecke gar nicht mehr… Nun gut, für die Navigation schon, aber nicht mehr, um etwas über meine Zeit zu wissen.

Diese Langsamkeit war es womöglich, was dort geholfen hat. Zumindest entging ich damit einer totalen Verkrampfung und konnte weiter. Weiter, bis dann eben der Abstieg, zumal über Waldwege, wieder zum Laufen belebte.

Das typische Siegesgefühl, das wirklich zählt, stellt sich damit ein: Man fühlt sich keineswegs als Sieger. Man hat aber doch etwas geschafft, dessen man sich ziemlich unsicher war.

Bei aller Unsicherheit in der heutigen Welt – und ich hatte gerade eine Absage bekommen, die mich karrieremässig gerettet hätte… – da ist es umso hilfreicher, so etwas zu sehen.

Zu sehen, dass man immer noch über sich selbst hinauswachsen kann. Etwas schaffen kann. Einen Schritt nach dem anderen weiter kommt.

Und es damit weitergeht. Schritt für Schritt.

Ein Hoch(könig)gefühl

Hier kommt noch das dazu: Ich hatte kaum mehr damit gerechnet, überhaupt wirklich in das Ziel einlaufen zu können. Schliesslich war es schon nach dem Zeitlimit.

Tatsächlich erwartete mich ein Kind in Tracht, das mich mit aufmunternden Worten ins Ziel begleitet hat. Helferschaft von Lauf, die mich als Finisher fröhlich begrüsste. Publikum im Festzelt, das begeistert Applaus spendierte.

Hochkönigman Zieleinlauf - mit Begleitung

Hochkönigman Zieleinlauf – mit Begleitung

Alles Fremde. Maximal Bekannte. Und zu diesem Zeitpunkt, Freunde die sich mit jedem, der wieder ins Ziel kam, freuten.