Ganymed Nature: Das Kunsthistorische Museum Wien kommt zum Leben

Was wäre, würde man – oder würden moderne Künstler – über Natur als einen Akteur nachdenken? Die Natur, die man in Werken der klassischen Kunst findet? Und diese Gedanken dann vorspielen, die Kunst in einen Dialog bringen?

Das Resultat wäre wohl Ganymed Nature, die diesjährige Ausgabe der Ganymed-Reihe von Kunst- (und) Aufführungen die Gemälde zu modernem interpretativem Leben erweckt.

Auf Einladung des Naturhistorischen Museums und des Kunsthistorischen Museums Wien konnte ich einen Blick hinter die Kulissen und auf diese Szenen einer Ausstellung werfen. Oder eigentlich, auf diese Szenen/Aufführungen in einer Ausstellung.

Stumme Schätze

Weltbekannte naturhistorische und kunsthistorische Museen gleich nebeneinander zu haben, in seiner eigenen Stadt, das produziert absurderweise ein doppeltes Problem:

Die Museen sind ja ohnehin da. Man hat sie wohl auch schon einmal besucht, das muss man doch.
Also will man oft nicht mehr hin.

Und so viel Museen auch tun, um wiederholte Besuche anzuregen, irgendwie sind sie ja doch anstrengende Hochkultur. Die Objekte in einem Museum sprechen nicht für sich selbst, passen in die moderne Unterhaltungslandschaft unserer Hirne – und Smartphones – nicht so gut.
Und so werden sie auch darum nicht besucht.

Andererseits aber sind die Objekte, die Äonen der Erdgeschichte repräsentieren, die Kunstwerke, an denen man die Entwicklung der Malerei in Europa nachvollziehen kann, schon Schätze.

Peter Paul Rubens, Helena Fourment und Maria Lassnig, Iris stehend, in der Sonderausstellung "The Shape of Time"

Peter Paul Rubens, Helena Fourment und Maria Lassnig, Iris stehend, in der Sonderausstellung „The Shape of Time“ (© KHM-Museumsverband bzw. Maria Lassnig Stiftung, Wien)

Sie würden schon zu uns sprechen, wenn wir nur mehr lernen und damit mehr sehen würden.
Oder wenn wir andere präsentieren lassen, was sie denen sagten.

Moderne Künstler in einen solchen Dialog mit Kunstwerken in Wiens grossem Kunsthistorischen Museum zu bringen, das ist jetzt schon einige Jahre die raison d’etre des Projekts Ganymed gewesen. Dieses Jahr, 2018, rund um das Thema Natur.

Natur? Was hat Natur mit Kunst zu tun?

Wir haben hier berühmte Landschaftsmalerei, berühmte Stillleben, Heiligenfiguren auf Bergen und in Höhlen – jede Menge Natur.

Natur der Art, wie wir sie uns oft denken, ist in den grossen Kunstwerken allerorts zu finden.

Die (Rückkehr der) Jäger im Schnee, Pieter Bruegel d.Ä.

Die (Rückkehr der) Jäger im Schnee, Pieter Bruegel d.Ä. Natur, natürlich.

Sie ist allerdings nicht oft ein Akteur, anders als in unseren Leben, wo sie dazu schnell werden kann.

Mit Klimawandel, Wetterextremen – und auch mit Themen wie Ernährung und Krankheit, Umweltverschmutzung und Fertilität – wird sie wahrscheinlich (wieder) zu einem grösseren Einflussfaktor werden.

Sicherlich mehr Einfluss, als wir aktuell glauben, dass sie hätte.

Ganymed Nature jedenfalls beschäftigt sich dieses Jahr mit Natur als Akteur, und dies in verschiedensten Kontexten. Im Video gibt es einige Eindrücke von verschiedenen der Szenen dieser Aufführung.

"Twilight Train", inspiriert von "Der Düstere Tag" von Pieter Bruegel dem Älteren

„Twilight Train“, inspiriert von „Der Düstere Tag“ von Pieter Bruegel dem Älteren

"The Last Rose of Summer", inspiriert von Erzherzogin Marie Antoinette, Königin von Frankreich (von Marie-Louise Elisabeth Vigée-Lebrun)

„The Last Rose of Summer“, inspiriert von Erzherzogin Marie Antoinette, Königin von Frankreich (von Marie-Louise Elisabeth Vigée-Lebrun)

 

Mehr Sehen – in Museen

Und mit diesem Gedanken daraus will ich schliessen:

Man sollte Museen mehr besuchen.

Aber, nicht weil sie weltbekannt sind und man schnell einmal die bekanntesten Werke in ihnen gesehen haben muss.
Vielmehr, mit Zeit um durch sie zu flanieren und zu sehen, was einen anspricht. Und mehr lernend, um mehr sehen zu können.

Das typische Problem ist, dass wir zunehmend erwarten, dass die Welt unsere Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen sollte, so wie Social Media das mit ihr machen… und mit unseren Daten.

Manchmal schafft sie das auch.

Öfter aber liegt es an uns, zu lernen mehr zu sehen. Mehr zu sehen, mehr zu lernen… in dieser Welt nach Hause zu kommen.

 

Mehr über Ganymed Nature (und Karten dafür) findet man auf https://www.khm.at/ganymednature/

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1 Kommentar

  1. Passend zur Ausstellung in Wien: Ich habe gerade einen gigantischen Bruegel-Band in meinem Buchblog vorgestellt:
    https://meinkunstbuch.wordpress.com/2018/09/21/pieter-bruegel-das-vollstaendige-werk/

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