Die kleinen Abenteuer sind manchmal am schwersten zu erreichen:

Für ein grosses, echtes Abenteuer plant man immerhin. Man hat Zeit dafür zu schaffen, Ausrüstung zu organisieren, Vorfreude zu geniessen.

Mikroabenteuer, als welche Alastair Humphreys kleine Aktionen bekannt gemacht hat, sind so einfach. Man muss nur hinaus.

Aber es ist auch nur so eine kurze Aktion. Es kaum wert. Und so viel leichter, zu Hause zu bleiben, es sich bequem zu machen, sich um seine Familie zu kümmern.

Planen

Man war an den Orten in der Nähe wohl auch schon mal, hat eine solche Aktion schon einmal unternommen – und wenn nicht, dann wäre es doch alles auch nicht so anders, als das, was man schon gesehen hat.

So war ich schon oft am Traunstein, dem “Wächter der Alpen” am Eingang zum oberösterreichischen Salzkammergut.
Nie aber war ich bis hinauf zum Gipfel gegangen, nie über Nacht oben geblieben.

Diesen Frühling, mit den Blumen im Tal am Blühen, mit Schnee immer noch auf den Bergen, sollte es anders werden.

Zum Glück hatte ich schon eine Woche früher hierhin gehen wollen, das dann verschoben, damit aber immerhin meine Frau vorgewarnt. So hatte sie nun auch Pläne gemacht, und für mich wäre es blöd gewesen, meine Meinung noch einmal zu ändern und meinerseits alleine zu Hause zu sitzen.

Besser also hinaus.

Packen

Für eine kurze Übernachtung braucht es nicht viel, aber der Winterschlafsack füllt meinen 40-Liter-Rucksack dann doch gleich einmal ein Drittel.

Biwak und Isomatte dazu, sollte ich draussen schlafen wollen oder müssen, extra Gewand, etwas Essen und Wasser, meine DJI Spark und andere Foto-/Video-Ausrüstung, das Tablet, mit dem ich im Zug hin und zurück arbeite (oder, “arbeite”)…

Die 40 Liter waren gleich einmal ziemlich gefüllt, und der Rucksack war damit zwar okay, aber nicht gerade leicht.

Pfade

Der Berg sah fast noch etwas zu verschneit-weiss aus; das versprach, interessant zu werden. Dazu noch mit dem anderen Timing als üblicherweise…

Der Weg vom Bahnhof hinunter nach Gmunden und dann entlang des Traunsee war warm und sonnig, die Frühlingsblumen in voller Blüte, alles sehr angenehm – und es ist doch auch ein langer und langweiliger Fussmarsch entlang einer Strasse.

(Über den Grünberg zu gehen wäre wesentlich netter gewesen, aber auch anstrengender. Und es hätte länger gedauert; ich wollte aber so weit wie möglich auf den Berg kommen, während es noch Tageslicht gab.)

Der Naturfreundesteig war auch sehr schön.

Es erstaunt mich aber doch immer noch, wann immer ich mir die Zeit nehme, mich darauf umzusehen, wie steil eigentlich viele der Passagen des Steigs sind – und wie wir dort doch alle nur ein wenig an die Stahlseile greifen, um uns festzuhalten… aber so machen das fast alle hier.

Etwas Schnee gab es immer noch, nach oben zu immer mehr, und dort war es gut, dass die für Winteraufstiege gespannten Seile noch immer dort waren. Es lief aber alles sehr gut; der Aufstieg war in dem, von der Nachmittagssonne aufgeweichten, Schnee ziemlich sicher.

Fast mitten am Weg stand eine Gams mit ihrem Kitz, ziemlich ungestört von mir.

Knapp unter dem Naturfreundehaus hörte ich plötzlich jemanden intensiv schimpfen… und es stellte sich als die vermutete Sache heraus: Ein Mann oben schimpfte mit seinem iPhone, das den Geist genau jetzt aufgegeben hatte, wo der Sonnenuntergang gerade wunderschön wurde.

Spitzen

Es war reines Glück mit dem Timing, aber ich war tatsächlich genau richtig für den Sonnenuntergang an der Terrasse der Hütte angekommen, konnte wunderbare Fotos machen – und dem Mann mit einer Powerbank von mir auch gleich helfen. Er kam also auch an sein gewünschtes Foto.

Er stieg gleich wieder ab, ich flüchtete vor der rasch einbrechenden Kälte in den Biwakraum des Naturfreundehauses. Nach etwas Zeit in meinem Schlafsack, wieder aufgewärmt, ging es dann noch einmal für Nacht-/Astrophotographie hinaus und dann bald in den Schlaf.

Aufgang und Aufstieg

Nächster Morgen, und ich wachte knapp vor meinem Wecker, einiges vor dem Sonnenaufgang, auf. Warm und so steif, wie ich das in letzter Zeit auch zu Hause im Bett immer werde.

Dann also etwas Frühstück, die Kontaktlinsen wieder genommen, alles gut eingepackt, Stirnlampe auf den Kopf und es ging los Richtung Gipfel.

Zum Glück war jemand zuvor schon dorthin gegangen; in dem tiefen Schnee und ohne den Weg exakt zu kennen wäre es sonst etwas schwierig geworden…

Vorbei an der Abzweigung zum Mairalmsteig hinunter, der jetzt wirklich bestenfalls auf Skiern nutzbar gewesen wäre, ging es hinüber zur Gmundner Hütte, der zweiten Hütte am Traunstein.

Von dort, nahe des Grats, immer noch in einer Spur, die ein paar wenige Leute vor mir hinterlassen hatten, ging es weiter. Gut, dass deren Spur dort war oder der Weg wäre unklar und etwas unsicherer gewesen. So aber ging es, mit Orientierung und etwas besserem Grip, gut über den schön gesetzten Schnee…

Im Licht der Morgendämmerung ging es so hinüber auf den Gipfel, endlich.

Zur Bank am Ende des Berges.

Zu einem Sonnenaufgang, wie er kaum schöner  sein könnte, in der stillen kalten Bergluft, ganz alleine.

Abstieg, Reicher

Hinunter musste es wieder über den Naturfreundesteig gehen, wie ich jetzt wusste. Und es wurde etwas unangenehm, war doch alles Wasser vom Vortag nun zu Eis gefroren.

Gut an die Seile gehängt, gerne regelmässig die steileren Felsen auf allen Vieren hinunter kletternd (wie ich hier ohnehin oft unterwegs bin) war es aber durchaus machbar.

Zurück vom Berg nahm ich dann noch den Umweg über die Kaltenbachwildnis, die ich erst vor kurzem für mich entdeckt hatte.

An den Hängen des Grünbergs ging es wieder einmal, wie so oft, irgendwo querfeldein. Und dann schliesslich zurück zum Bahnhof und wieder nach Hause…

Alles kaum 24 Stunden, die meisten davon nicht einmal am Berg und weg von Social Media und all dem – aber am Berg, mit Ausblicken die die Kletterei absolut wert waren. Zumal die Kletterei ja auch selbst ein gutes Training darstellt…