Es ist besser, einmal selbst gesehen als hundert Mal von anderen gehört zu haben. Oder so heisst es zumindest.

Aber ist es wirklich so? Sehen wir überhaupt jemals etwas wirklich für uns selbst?

Ich wusste, schon am Weg nach Osaka, dass ich eine andere Stadt erwarten musste als Tokyo, geschweige denn das benachbarte Kyoto. Ich denke auch, dass ich tatsächlich einer anderen Stadt begegnet bin.

 

Aber war dem so, weil die Stadt wirklich anders ist? Oder weil ich es erwartet hatte?

Wenn wir reisen (und auch wenn nicht), sollten wir uns dieses Problems bewusst sein.

Unsere Vertrautheit mit unserem Zuhause, dem Ort, an dem wir leben, blendet uns vor den Dingen, die wir schon zu oft gesehen, aber nie richtig angesehen, haben.
Unsere Erwartung anderer Orte bedingt ganz ähnlich, was wir von diesen sehen und über sie fühlen werden.

Dieses Gefühl wird richtig sein. Oder eben nicht.

Osaka hat sich jedenfalls anders angefühlt.

Ich hatte nicht so viel Interaktion mit Einheimischen, als dass ich darauf eine Einstellung begründen würde.

Aber, der ‘Chef’ von Gasthaus Higashimikuni 44, wo ich die erste Nacht verbrachte, war sehr nett und ein interessanter Gesprächspartner.
Der Verkäufer im BIC Camera Dotonbori, mit dem ich mich über die Sony RX0 unterhielt und von dem ich eine solche schliesslich kaufte, war ebenso angenehm und unaufdringlich.
Drop Inn Osaka (für die zweite Nacht) war ebenso angenehm; die Leute in Lokalen schon überhaupt.

Mitten im Trubel, rund um Essen und Vergnügen, von Dotonbori stolperte ich dann sogar noch über eine Goma-kane Feuerzeremonie.

Ich konnte mich nicht mehr so recht daran erinnern, welche buddhistische(n) Schule(n) diese durchführen, fragte also einen der Mönche dort.
Und er hatte kein Problem mit meinen minimalen Japanischkenntnissen.
(Stellte sich heraus, diese Mönche gehörten zur Shingon-, nicht zur Tendai-Schule.)

Ein Panasonic Center hätte ich zwar auch in anderen Städten finden können, aber ich besuchte jedenfalls das Panasonic Center Osaka – und es war überaus faszinierend, für mich jedenfalls, was dort als die Art des Wohnens dargestellt wurde, die Japaner sich wünschen würden:

Einfach nur spazieren zu gehen und die Stadt einwirken zu lassen, so geschäftig und voller Trubel diese ebenfalls war, so fühlte sie sich immer noch anders an als Tokyo.

Vielleicht war Roads and Kingdoms und deren Beschreibung von Osaka (in ihrem grossartigen Rice Noodle Fish, hier im Amazon-Affiliate Link) als entspannter und offener ja Schuld. Vielleicht machte es den Unterschied, dass ich geradewegs vom Kumano Kodo Pilgerweg kam.

Wir haben gerne klare Antworten und exakte Lektionen, aber meine Osaka-Lektion ist diese:

Klar, man sollte fühlen, was und wie man über einen Ort fühlt. Man sollte sich aber auch mit der Möglichkeit vertraut machen, dass dieses Gefühl womöglich nicht der Wahrheit entspricht. Nicht einmal der eigenen Wahrheit.

Alles nur ein weiterer Grund, gerne nach Osaka zurück zu wollen um zu sehen, ob sich die Stadt bei einem zweiten Besuch ebenso gut anfühlen würde. Dann allerdings vorzugsweise in Begleitung meiner Frau, schon alleine weil die Möglichkeiten, zu essen und shoppen zu gehen, gleichermaßen gut waren. :-p