Warum #SIchZuhauseMachen Nötig ist, 3: (Un-)Körperlichkeit

Einer unserer grossartigen Aspekte ist unser reiches Geistesleben.

In unserem Denken über uns selbst und unsere Geisteswelt, da sprechen wir aber ständig von “unserem Körper” als etwas separates vom Gehirn und komplett anderes als unser Geist.

Wir denken uns mit Vorliebe als mentale, immaterielle Dinge, die das Denken irgendwo hinter unseren Augen bewerkstelligen, wenn nicht gar im Freiflug, losgelöst vom Gefäss des Körpers.

Hier haben dann auch Ideen wie jene eines Uploads des Selbst in Hardware, als Befreiung von den “Fleischsäcken” unserer Körper, her.

Hierher rührt auch die Idee, dass Nahrungsersatz wie Soylent uns von den Bedüfnissen unserer Körper freimachen könnte.

Solche Ideen sind, allem was wir über die Realität unseres Daseins wissen nach, absolut lächerlich.

Egal, was platonische, christliche oder sonstige Philosophie argumentiert, wir sind keine Geiste oder Seelen, die körperliche Vehikel kurzzeitig bewohnen.

Keine Dämonen in keinen Maschinen.

Ein Leben ist kein Road Trip einer Seele, die einen Körper mal schnell von Geburt zu Tod herumreitet, als wäre sie ein Dämon aus irgendeiner Geschichte von übernatürlichen Gegebenheiten.

Unser Geist ergibt sich nur aus unserem Körper, die “zwei” sind so eng miteinander verbunden, eine Trennung in eine angeblich “reine” Sphäre des Geistes ist unmöglich.

Ja, ja, es ist immens populär, das Gegenteil zu behaupten.

Ich kann mir die Stimmen schon vorstellen, die so etwas lesen und lauthals argumentieren wollen, dass das doch alles nicht stimmt. “Ein Gehirn alleine, all die Inputs erhaltend, die es in seinem Körper erhalten würde, würde immer noch funktionieren!”

Die Biologie von Körper-Gehirn-Geist aber macht es unmöglich, dass Körper und Gehirn (und in dessen weiterem Tun, Geist) separate Dinge sein könnten:

Der Haufen an Zellen im Schädel, die Spitze des Zentralnervensystems, die wir als Gehirn bezeichnen, ist durch das periphäre nervensystem und all die Signale von physiologischen Prozessen des Körpers untrennbar mit dem gesamten Körper verbunden. Input aus dem weiteren Nervensystem hat direkten Einfluss darauf, wie die Zellen im Schädel, das ‘Kopfgehirn’, funktionieren. Hormonaler Input aus dem Blutstrom formt Prozesse im Gehirn ebenso wie der Einfluss des Immunsystems. ‘Das Gehirn’ als unabhängig von diesem weitreichenden Input aus dem gesamten Körper zu betrachten macht wenig Sinn.

POCKET GUIDE TO INTERPERSONAL NEUROBIOLOGY, DANIEL J. SIEGEL [meine Übersetzung]

Es kann – muss vielleicht sogar – Spannungen geben zwischen dem, wozu unsere biologisch-physischen Bedürfnisse uns gerne treiben würden und dem, was wir biologisch-mental/bewusst, zu wollen entscheiden. Das ist wohl wahr.

Aber auch (wenn nicht insbesondere) wenn wir als menschliche Wesen besser leben wollen, müssen wir diese Beziehungen besser verstehen, nicht ignorieren und leugnen.

Noch dazu sind solche innigen Beziehungen einfach zu sehen – und man braucht nicht das Extrembeispiel einer Verletzung des Gehirns dazu: Man muss nur einmal versuchen, sich auf eine Aufgabe zu konzentrieren, wenn einem der Magen knurrt. Oder das letzte Essen schwer im Magen liegt.

Anders herum funktioniert das Ganze auch; es hat wohl seinen Grund, dass die Idee “mens sana in corpore sano” – ein gesunder Geist in einem gesunden Körper – schon ihre antiken Wurzeln hat.

Wobei, dieses “in” ist eben unpassend. Es sollte wohl besser “ist” heissen (abgesehen von dem Problem von Behinderungen, die schliesslich längst nicht unbedingt tiefergehende Defekte bedeuten müssen).

Natürlich funktioniert das in beide Richtungen – und über Verbindungen, die manchmal stärker, manchmal schwächer, aber doch untrennbar, sind.

Schreibe einen Kommentar

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.