Reisen mit Erinnerungen: Zurück von Kyoto nach Tokyo, mit Gedanken an 20 Jahre früher

Wir haben nicht oft einen Grund, darüber nachzudenken, woher wir kommen und wohin wir gekommen sind. In dieser Welt instanter Kommunikation und der Faszination mit jugendlicher Impulsivität, noch weniger als ohnehin.

Reiseblogger scheinen nur grossartige Eindrücke und Erlebnisse zu zeigen, jede Woche andernorts – und irgendwie immer gleich.
Beim Reisen scheint es ohnehin oft um das Entdecken von Neuem zu gehen.

Nur zu oft aber finden wir nichts Neues. Oft finden wir uns nur selbst an einem Ort, den wir schon tausendmal gesehen haben, in Büchern und Filmen – und immer öfter, auf Instagram.

Einer der Vorteile eines gewissen Alters, von persönlichen Erfahrungen und Interesse an seiner Familiengeschichte, ist das Potential, dass das dafür hat, Orte wieder zu entdecken. Damit geht ein Entdecken dessen einher, was sich verändert hat und was gleich geblieben ist, in der Welt und an uns selbst; welche Interessen immer noch faszinieren und was wir gelernt haben…

Japan, 1997

Eine meiner “frühen” Reiseerfahrungen war eine Study Tour nach Japan vor 20 Jahren.

Sie kam zu einer Zeit, da hatte ich gerade erst zu studieren begonnen (und folgte schon meinen Interessen in Ökologie und Kulturanthropologie / Ostasien).

Eine Zeit, da Japan gerade in seine “verlorene(n) Dekade(n)” eingetreten war, in Büchern und Popkultur aber immer noch als die ökonomische Macht erschien, welche die Welt beherrschen würde.
Es war auch eine Zeit, wo Japanisch zu lernen immer noch als ein klarer Vorteil erschien, weil dort sicherlich die Zukunft geprägt werden würde.

Nun ja, mittlerweile ist es China, das am aufsteigenden Ast sein soll – aber ganz anders.

Der ökonomische und geopolitische Aufschwung, der ist definitiv da, aber niemand scheint sich sonderlich sicher, wie stabil dieser sein wird.
Der Aufschwung in (pop)kulturellem Einfluss, der ist geringer als jener, den Japan sich zumindest als “exotisch” immer noch behalten hat.

Japan bleibt eine Faszination, das ach-so-andere Land mit so anderer Kultur und Gesellschaft.

Erfahrungen und Lektionen

An einige derselben Orte nach 20 Jahren wieder zu kommen, mit allem was ich in der Zwischenzeit gelernt und erfahren hatte, war faszinierend.

Frühere Befürchtungen

Es war für mich ganz besonders faszinierend, weil ich mich – wie im Vlog-Video angesprochen – nur zu gut daran erinnere, wie ich an der Kyoto Station war und mir nicht vorstellen konnte, dort alleine zu reisen. Nun war ich wieder dort. Alleine. Und es war überhaupt kein Problem, eher schon die normalste Sache der Welt.

Nun, es war ja auch wirklich kein Problem.

Man braucht immer noch Geld; man sieht sich immer noch mit einer Sprachbarriere konfrontiert; es hilft immer noch, eine Idee von Land und Leuten zu haben, um sich nicht wie ein Idiot zu benehmen und nicht einfach nur Dinge zu sehen, sondern auch wirklich erleben zu können, was man sieht.

Die heutige Leichtigkeit

Um einfach irgendwo hin zu kommen, dafür reicht es jetzt aber wirklich, einfach Google Maps zu öffnen und sich dort die Anweisungen anzeigen zu lassen… was uns allerdings dazu zu bringen scheint, uns eher weniger mit dem allem zu beschäftigen, als wir es könnten. Zu schnell lassen wir uns von Instagram und der “Notwendigkeit”, sofort zu zeigen, wo wir sind, ablenken.

Es fühlt sich in dem Zusammenhang immer noch seltsam an, und es scheint auch genug Leute zu verwirren, erst Monate nach der Erfahrung darüber zu schreiben und Fotos online zu stellen. Das macht es aber nur noch interessanter, durch alte Fotos zu sehen und zu beobachten, was erkennbar ist und was praktisch jeglichen Kontext verloren hat…

Und was sagst du?