Schon einmal für einen Besuch in einer Stadt gewesen, das Beste aus der Zeit dort machen wollend ohne (noch mehr) Sehenswürdigkeiten zu besuchen, die man angeblich gesehen haben müsse… und heraus kam ein Tag, der besch…eiden erschien, aber schlussendlich doch voller Entdeckungen war?

So ging es mir nach dem Tag, der mich quer durch Kyoto zu mehr als sieben der muss-man-gesehen-haben-Tempel geführt hatte…

Diesen Tag wollte ich mich meiner Faszination mit starken Aromen stärker widmen. Schliesslich hatte ich mich durch meine Suche nach “Würze” in Japan hierher leiten lassen.

Matcha-Spurensuche in Kyoto – mit mässigem Erfolg

Zuerst einmal also dachte ich, ich könnte doch meinem Interesse an Matcha weiter folgen und sehen, ob ich nicht (noch einmal, wie damals vor 20 Jahren) der Urasenke-Teeschule einen Besuch abstatten könnte.

Ein Blick auf die Landkarte (sprich, Google Maps), ein paar Infos und los… und leider hatte ich 2 und 2 nicht zusammenzählen können.

Am Weg lag das Hauptgeschäft von Ippodo, einem traditionsreichen und modern arbeitenden Teegeschäft. Das war einmal gut.

Ippodo, Kyoto

Ippodo, Kyoto

Nach dem Spaziergang zu Urasenke, quer durch Kyoto, stellte sich dann aber heraus, dass doch bald eine neue Ausstellung eröffnen würde (wie ich online gesehen hatte). Und dass zu deren Vorbereitung geschlossen wird (wie ich auch gesehen hatte).

Dass also jetzt geschlossen war. Upps.

Teezeremonie-Vorführung, Urasenke Teeschule, 1997

Teezeremonie-Vorführung, Urasenke Teeschule, 1997

Die Dame an der Rezeption war so unangenehm berührt von meinen Umständen, wie es nur Japaner sein können und erklärte, wo ich eventuell hin könne.

Dort…?

Dort war dann erst recht geschlossen, und als ich mich unsicher umblickte, da wurde ich von einem Wachmann etwas angeschnauzt, damit ich nur ja nicht auf die Idee käme, doch irgendwo hinein zu gehen. (So viel zum Thema Stereotype über Japaner.)

Irgendeine Veranstaltung gab es, viele Leute waren dazu unterwegs, aber alles war offensichtlich nur für Eingeweihte (und wohl Eingeladene).

Die Gegend immerhin war interessant.

Honpo-ji, Kyoto

Honpo-ji, Kyoto

Nicht, dass ich nicht genug von Tempeln gesehen hatte, aber hier war immerhin ein anderer interessanter und nicht gerade viel besucht aussehender Tempel.
Der Honpo-ji, der offenbar bloss einer der wichtigsten Tempel der Nichiren-Schule des Buddhismus ist.

Sonne, die zwischen Pinien durch schien, Frauen und Männer im traditionellen Kimono (natürlich dem jeweiligen ebensolchen; auch das traditionelle japanische Männergewand wird Kimono genannt) auf dem Weg wohin auch immer sie sich versammelten… es war schon alles ziemlich malerisch.

Es war auch, nicht sonderlich überraschend, ein interessanter Ort für Tee-Zubehör. Ein Geschäft dort war offen und hatte Teeschalen und Drumherum zu bieten… ich hätte dort (leider nur zu einfach) meinen letzten Cent ausgeben können.

Interesting offerings at this side area at Honpo-ji

Interesting offerings at this side area at Honpo-ji

Mit dieser seltsamen Mischung an Erfahrungen als beendet erklärt, wollte ich dazu sehen, etwas anderes zu schaffen und einem anderen Plan nachgehen:
Wo ich aus Interesse an Botanik nach Japan gekommen war, wieso sollte ich nicht in den Botanischen Garten von Kyoto?

Der Botanische Garten von Kyoto

Auch dort fand ich keinen japanischen Pfeffer – einen der wesentlichen Gründe, warum ich Japan hatte besuchen wollen; mehr dazu übrigens auf www.chilicult.com.
Bloss einen Verwandten ebendieses konnte ich (immerhin) finden.

Zanthoxylum (Sichuanpfeffer) im Botanischen Garten Kyoto

Zanthoxylum (Sichuanpfeffer) im Botanischen Garten Kyoto

Einen anderen botanischen Garten als jenen von Wien, den ich so gut kenne, zu sehen war dennoch interessant. Der Herbst war nicht unbedingt die beste Zeit für einen Besuch, aber es waren gar nicht so wenige Leute unterwegs.

Glas-/Tropenhaus des Botanischen Garten Kyoto

Glas-/Tropenhaus des Botanischen Garten Kyoto

Das Tropenhaus (für dessen Besuch man übrigens ein zusätzliches Ticket kaufen muss) war ganz nett, eher ähnlich jenem im Botanischen Garten von Beijing (während man in Wien nach Schönbrunn müsste, um das Palmenhaus zu besuchen; die Glashäuser im Botanischen Garten Wien sind für Besucher meist nicht zugänglich).

Wie so oft waren auch hier die wenigsten Pflanzen gut (oder überhaupt) beschildert, so dass man als Besucher nicht viel über sie hätte lernen können; mit einer modernere Wissensvermittlung war auch hier überhaupt Fehlanzeige.

Trotzdem war es interessant, wie die Pflanzen dargestellt wurden.

Hier etwa mit etwas mehr Fokus auf der Geographie (etwa mit einheimischen Pflanzen gegenüber europäischen Gärten) und einem Blick auf Pflanzen, die anderswo nicht unbedingt so viel Aufmerksamkeit erhalten würden.

Rosengärten gibt es vielerorts, aber nicht unbedingt in botanischen Gärten, wie hier; ein Areal für Bonsai ist schon eher unüblich, kommt man aus Ostasien hinaus.

Bonsai im Herbstlaub, Botanischer Garten Kyoto

Bonsai im Herbstlaub, Botanischer Garten Kyoto

Von dort ging es wieder zurück in die Stadt und zu einer Erkundung von Sichuanpfeffer (also, japanischem Pfeffer) und anderer (Ge)Würze auf dem Nishiki-Markt. Mehr dazu allerdings nur hier, auf ChiliCult.

Gion

Mit der Nacht dann noch ein Abstecher über den Fluss hinüber in das berühmte Geisha-Viertel von Kyoto, Gion, für ein wenig Stimmung und Fotografie-Versuche…

Zuerst, mit etwas lautem und auffällig-seltsam-modernem Japan…

Spielhalle in Kyoto

Spielhalle in Kyoto

Souvenirs per Münzautomat

Souvenirs per Münzautomat

… und dann traditioneller.

Gion, Kyoto, Nachtstimmung in Seitenstrasse

Gion, Kyoto, Nachtstimmung in Seitenstrasse

Gion, Kyoto, Licht- und Schattenspiele

Gion, Kyoto, Licht- und Schattenspiele

Gion, Kyoto, Restaurant-Hintereingang

Gion, Kyoto, Restaurant-Hintereingang

Das war, wie die Erfahrung um die Urasenke-Teeschule, ein Japan, das sich wenig nach “Zuhause” anfühlte, eher wie das berühmte verschlossene Land, zu dem der Kurzbesucher – zumal Ausländer – sicher nicht gehört.

Viel allerdings fühlte sich nicht so an…