zu Hause in... mit Gerald Zhang-Schmidt

Mehr sehen, mehr lernen, in dieser Welt #NachHauseKommen

Winter ist? Was man daraus macht!

Weihnachtszeit, Schnee, Eisesglanz… So schön, wie wir es denken?
Winter, Kälte, Dunkelheit… So schrecklich, wie wir es denken?


Meine Gedanken zum Winter mache ich mir hier übrigens als “zweites Türchen” des Outdoorblogger Adventskalender 2017, #outdooradvent17.

Eine Übersicht über die Idee und die Liste aller Teilnehmer, die jeden Tag eine neue Geschichte (oder manchmal auch einen Doppelpack an Geschichten und Gedanken) beisteuern gibt es bei aufundab.eu

Und weil das eine Freude sein soll gibt es nicht nur Gedanken, sondern weiter unten auch ein paar Eindrücke von einem schönen Schneelauf per Video ;)


 

Wie man denkt?

Es heisst immer, alles kommt auf die eigene Einstellung an. Wie man über etwas denkt, so wird es auch.

Ich mag diese Idee, so grundsätzlich wie sie immer gerne präsentiert wird, gar nicht.
Wer sich nach Stunden in der Kälte denkt, es wäre eigentlich viel zu heiss, der ist im Endstadium einer Unterkühlung und nicht mit positiver Einstellung gesegnet.

Viel zu oft denken wir aber auch gar nicht so viel, wir agieren und reagieren.

Schneit es, während wir im beheizten Zimmer sitzen oder über einen Weihnachtsmarkt flanieren, dann ist der Winter wunderschön.
Advent? Skifahren im Sonnenschein auf Pulverschnee? Sowieso schön.

Matsch oder gar Regen, Schneesturm und Kälte? Die übliche z.B. ostösterreichische grüne Weihnacht? Schon wird gejammert.

Was man macht!

Es ist schon etwas Wahres an der Idee, dass unsere Einstellung ganz wesentlich ist – aber auch unser Tun. Und gerade die Winterzeit zeigt das überdeutlich.

Was also machen wir daraus? Machen wir doch das Beste daraus!

Im Denken, in dem wir uns nicht mit dem Jammern aufhalten.

Alles ist sowieso immer schrecklich, alles irgendwie trotzdem schön – oder so würde ich das jedenfalls als Wiener darstellen.

Die Kälte kann anstrengend sein, man muss mit ihr richtig umgehen lernen – aber da gibt es wenigstens etwas sinnvolles zu lernen. Und dafür kommt man in diesem Lernen in eine Landschaft, wie man sie so nicht oft sieht. Wie überhaupt wenige sie so sehen.
Oder doch mehr, als man sich oft denkt; so wenige Leute sieht man auf winterlichen Outdoor-Touren dann nämlich auch wieder nicht.

Man denkt besser, “Wie bereite ich mich richtig vor; was brauche ich, damit ich gut mit der Situation umgehen kann?” als “Wie schrecklich ist das denn?” und schon wird alles, nicht nur aber gerade auch der Winter, wesentlich interessanter.

Man sieht den Winter auch besser als Abenteuer.

Hinaus in die Kälte, in den Sturm, in das Glitzern der Sonne über Schnee und Eis.
Zu weisser Landschaft und klarer Luft, die beissend aufweckt.

Und vielleicht hilft Kälte ja auch wirklich der Gesundheit, beim Abnehmen und der Fitness, wie es die Anhänger der Wim Hof-Methode und ähnlicher Abhärtung meinen?

In der Praxis macht man überhaupt besser das Beste aus jeder Zeit. Ohne zu viel nachzudenken…

Der Winter ist wohl gut, um sich wieder einmal daran zu erinnern, dass man auch einmal zurückstecken sollte.
Sich entspannen, mit seinen Lieben ruhig mehr zusammenkommen, Süsses und Würziges geniessen, Kerzenschein und Weihnachtsduft.

Man kann aber eben auch hinaus.

Testen, wie gut die Ausrüstung und die eigenen Kenntnisse und Fitness-Fähigkeiten nun wirklich sind.

Laufen, auch einmal auf glattem und tieferem Untergrund, der mehr Balance verlangt, aber auch mehr dämpft.
In Bedingungen, in denen man viel mehr auf sich selbst hören muss, besser langsam macht, dafür aber anderes zu sehen bekommt als sonst.

#NachHauseKommen

Schlussendlich sieht man, geht man hinaus, früh genug, wie die Welt für ein neues Jahr wieder zum Leben erwacht, sich weiter dreht, weiter geht und ändert.

Man sieht, wie wenig es braucht, um interessantes zu sehen und abenteuerliches zu tun.

Gerade in Zeiten von Klimawandel und unserer gleichzeitigen Entfremdung von der Natur und ihrem Wandeln, da machen wir uns besser in dieser unserer Welt zu Hause.

Auch im Winter.

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4 Comments

  1. Recht hast Du! Mehr Abenteuer braucht der Mensch!

  2. Winterfjell

    Jo, hast mich zum Nachdenken gebracht. Doch ich finde, dass es grundsätzlich eher auf die eigene Einstellung ankommt als auf das Denken. Vor einer Wintertour denke ich schon mal, dass ich durchaus auch frieren werde. Es wird kalt. Der Wind wird im Gesicht weh tun. Und so wird es dann meist auch, zeigt jedenfalls meine Erfahrung. 🙂
    Aber meine innere Einstellung dazu ist gleichzeitig, dass ich mich dabei spüre und sehe, wie klein mein Licht auf dieser Erde ist. Die Natur zeigt ihre Macht, ich darf nur Teil von ihr sein und sie erleben. Der Schnee sorgt für Stille und das Licht ist einmalig. Eben all das besondere am Winter. Und deswegen gehe ich los.

    Ein Beispiel: Ich habe in der Hardangervidda einst zwei Schweden getroffen, die seit 10 Tagen eisigen Gegenwind hatten und viel mit dem Pulverschnee zu kämpfen hatten. Aber der erste Satz war trotzdem: “Ist es nicht wunderschön hier!?”

    • Einstellung ist ja auch Denken. Nur halt eher, Vordenken. Wissen, was kommen wird. Vorbereitet sein. Und darum auch die Schwierigkeiten geniessen können.

      Problem ist dieses unbedachte “Das wird Scheisse.” Warum? Weil es doch Probleme geben wird. So landet man schlussendlich bei den aktuellen Philosophen, die argumentieren, man dürfe keine Kinder haben, weil das doch unmoralisch wäre, weil das Leben so ein Jammertal wäre. Da passt das auch ganz wunderbar, das “aber trotzdem, ist es nicht wunderschön hier?!” :)

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