Uji, Kyoto: Die “Falsche” Seite der Gleise, der Richtige Ort zum #SichZuhauseMachen mit Matcha

Ich bin mir ziemlich sicher, ich hatte irgendwo den Ratschlag gelesen, vom Bahnhof in den Süden von Uji zu gehen.

Die nördliche Seite der Stadt, das wäre die falsche; dort wäre nichts zu sehen.

So ganz falsch ist das nicht; wie so viele Dinge, die man doch einfach weiss.

Südlich des Bahnhofs liegt immerhin die Weltkulturerbe- Stätte des Byodo-in Tempels und seiner Phönixhalle.
Ein Ort, den man gesehen haben sollte.

Nachdem diese wesentliche Sehenswürdigkeit, ebenso wie andere (von denen allerdings einige auf einer Insel im Fluss liegen und daher, wegen Hochwassers, bei meinem Besuch nicht erreichbar waren) in diesem Teil der Stadt liegt, da gibt es natürlich auch viele touristisch-ausgerichtete Stätten hier.

Die Heimat des Matcha

Wer auch nur glaubt, irgendetwas von Matcha zu wissen, sollte von Uji gehört haben.

Uji, nahe Kyoto, ist der Ort, wo viel matcha und sicherlich viel des als der beste geltenden Matcha herkommt. Dementsprechend ist der Ort die Herkunft so manches Matchaproduzenten.

So gibt es in diesen touristisch ausgerichteten Teilen des Ortes einen Matcha Laden nach dem anderen. Wie aber sollte man dann bloss entscheiden, in welchen man geht?

Ich wäre bald gar nicht nach Uji gefahren. Erst als meine Frau mich daran erinnerte, dass ich eine Chance hätte, Matcha direkt von der Quelle zu bekommen, da sah ich nach ob und wie ich nach Uji könnte.

Wie sich herausstellte, war der ein wenig unüblich Wohnort, den ich mir für die ersten zwei Nächte in Kyoto ausgesucht hatte, im Bezirk Fushimi, schon in Richtung Uji gelegen. Eine der zwei Zuglinien, die ich auch für meine Fahrt in das Hostel nutzen konnte, war gleich auch diie Strecke nach Uji.

Das tat ich dann natürlich auch. Ich fuhr, genau genommen, sogar von einem schnellen fruhmorgendlichen Besuch auf dem Osaka Central Wholesale Market direkt nach Uji, ohne mich auch nur im Hostel registriert zu haben.

Es war noch so früh am Morgen, noch hatten keine Geschäfte offen.

Der Byodo-in allerdings, eine erste der geradezu zahllosen Weltkulturerbestatten in (und um) Kyoto, hatte schon offen. Also ging es zuerst einmal dorthin.

Byodo-in

Ich kann nur wärmstens empfehlen, hier überall hin zu gehen, wohin man nur gehen kann. Für die Phönixhalle braucht man ein eigenes Ticket (das die Zeit angibt, wann man für den Eintritt dorthin angestellt sein muss, man sollte also besser versuchen, eine ruhige Zeit zu erwischen). Schuhe und andere Dinge muss man draußen lassen; Fotos und Videos sind in der Halle nicht erlaubt.
Es gibt dort eigentlich nicht viel zu sehen, hauptsächlich den grossen Buddha in der Mitte, aber dessen Konstruktion und die Architektur der ganzen Halle sollte man gesehen haben.

Danach geht man am besten gleich weiter in das Museum (Eintritt dort ist ohnehin im allgemeinen Byodo-in Ticket inkludiert) und betrachtet die Holzschnitzereien aus der Phönixhalle von etwas näher. Sie sind es wert!

Nakamura Tokichi Honten

Ein Ort, wo es um Matcha geht, den ich in Uji ganz klar besuchen wollte, und das auch noch auf dieser südlichen Seite der Stadt, war Nakamura Tokichi Honten.

Dieser originale Laden (eben honten) dieses Matchaproduzenten liegt genau am Weg vom Bahnhof zum Byodo-in, man kommt also ohnehin daran vorbei.

Ich kenne den Produzenten von seinem Hong Kong-ten, der Zweigstelle in Hong Kong, die meine Frau und ich bei zwei Reisen durch Hong Kong leicht fünf Mal besucht haben…

Hier (wie bei vielen anderen Matcha Händlern, wie sich später herausstellen sollte) wurden einige spezielle Produkte angeboten, die es nur in Kyoto (bzw eben Uji) gab. Ihr Matcha-Jelly und ihre Matcha-Eiscreme waren gut wie immer. Hier wurde sie nur für einen speziellen Touch in einem gekühlten Bambusstück serviert.

Am Menü hier gab es die Warabi-mochi und das Soba mit Matcha, die ich schon aus Hong Kong kannte. Ganz ehrlich kam es mir aber so vor, als wäre das Angebot in Hong Kong besser als jenes hier am Stammsitz.

Das ganze Gebäude allerdings – ein originales, traditionelles Wohn- und ‘Fabriks’gebäude eines Teehändlers und Matcha-Produzenten -war aber den Blick wert. Und der Shop in einem früheren Lagerraum(?) hatte auch eine interessante Auswahl zu bieten.

Marukyu Koyamaen

Wirklich aber war ich hierher nach Uji gefahren, um den Matcha-Produzenten Marukyu Koyamaen zu (be)suchen… wenn er dort wirklich sein sollte.

Orte, die nur Google Maps zeigt

Man findet auf der Website Fabrikstouren angeboten, aber ich konnte nicht so recht herausfinden, wo diese sein würden. (Nicht weit weg, wie sich herausstellen sollte.) Ohnehin müsste man für diese einige Tage im Vorhinein einen Termin ausmachen, ich wüsste aber nicht, wann ich nach Uji kommen würde – oder ob überhaupt.
Bevor ich zu Ihrem Shop kam, da wusste ich nicht viel mehr, als was Google Maps mir zeigen konnte: wo sie sein sollten.

Google Maps zeigte etwas, inklusive Fotos, okay. Aber das hatte ich auch schon für Orte gesehen, die dann doch nicht wirklich (an der angegebenen Stelle) existierten… und hier etwa wird ein “Marukyu Koyamaen”, auf Englisch geschrieben, als “Tour Operator” angezeigt…

Google Maps zeigte den Ort jedenfalls auf der “falschen” Seite der Gleise, wo es nichts touristisch interessantes rundum gab.

Den ganzen Weg hin wunderte ich mich, ob der Shop wirklich dort sein – oder dies wirklich ein Shop sein – würde.

Diese Gegend, der Norden von Uji, war auf jeden Fall einfach bewohnt, belebt, nicht touristisch, mehr als alles, was ich bisher gesehen hatte. Und dafür umso interessanter. Wir landen ohnehin zu oft dabei, nur zu sehen, was wir erwartet hatten und wo man hin gehen müsse.

Ein Matcha-Laden, Definitiv *Nicht* für Touristen

Nun, Marukyu Koyamaen war an jenem Ort. Nicht die Fabrik, aber ein Shop und sogar das Haus des Gründers.

Es war absolut faszinierend, dort zu sein.

Was man hier findet ist kein touristen-ansprechender Shop mit Regalen voller Produkte, die man sich einfach greift. Es ist ein kleiner Shop, der gerade einmal an einer Wand die Produkte repräsentiert, will ich sagen.

Um tatsächlich etwas davon zu kaufen, lässt man sich die Liste der angebotenen Produkte geben, all der verschiedenen Sorten und Packungsgrößen von Matcha und der wenigen anderen Dinge.
Darauf notiert man dann, wovon man wieviel möchte, reicht die Liste an eine der Angestellten und bekommt diese Produkte dann geholt und eingepackt.

I might have managed by myself, but got some help from the English-speaking colleague they could find for me – who, funnily, turned out to be a Chinese from Taiwan.

Ich hätte das vielleicht auch so geschafft, aber mir wurde auch gleich die Kollegin geholt, die Englisch spricht – und sich lustigerweise als eine Chinesin aus Taiwan entpuppte.

Sagen wir einfach, ein interessantes Gespräch war die Folge. Die Tiefen des Matcha-Wissens sind allerdings etwas, was ich nicht hier weiter ausbreiten werde, sondern auf ChiliCult.

Es gibt auf jeden Fall viel zu lernen. Und hier auf der “falschen Seite der Gleise” für einen Touristen fand ich mich mehr am nach-Hause-kommen, mit dieser Erfahrung.

Und was sagst du?