7+ Tempel in Kyoto (die man gesehen haben muss) an einem Tag

Sehenswürdigkeiten besuchen, das sollte kein Marathonrennen sein.

Manchmal aber, zwischen Tagen, an denen man sich einfach für Zufallsentdeckungen treiben lassen will oder weniger touristisch unterwegs ist, da hakt man gerne einfach ab, was man doch gesehen haben muss.

Es war ungeplant und brachte immer noch Zufallsentdeckungen, dass ich an einem Tag schlussendlich in grossem Bogen durch Kyoto gezogen bin und dabei einen berühmten Tempel nach dem anderen besucht habe: Fushimi-Inari Taisha – Sanjusangen-do (- Yogen-in) – Kiyomizu-dera – Ginkakuji – Kinkakuji – Ryoan-ji – Ninna-ji (- Nishi Hongwanji)

Das Vlog

Fushimi Inari Taisha

Die ersten Nächte in Kyoto verbrachte ich in Maison Fushimi im Bezirk desselben Namens. Etwas im Süden der meisten Sehenswürdigkeiten (und des Stadtzentrums) war ich damit nahe an Uji und fast schon beim Fushimi Inari Schrein.

Perfekt für einen frühmorgendlichen Besuch; und es war auch wirklich früh: Ich war schon vor 6 Uhr morgens dort, noch vor dem Sonnenaufgang. Und vor allen bis auf eine Handvoll an Besuchern. Nicht, wie man solche Orte üblicherweise sieht…

Fushimi Inari in der Morgendämmerung

Der Fushimi Inari Shinto-Schrein, berühmt für seine Torii-umrahmten Pfade, ist zu solchen Zeiten besonders attraktiv.

Erst werden nur manche der Tore von Licht bestrahlt und leuchten damit aus der Dunkelheit hervor. Andere Wege beiben noch im Finsteren, bis dann das Morgenlicht auf sie strahlt.

Noch dazu sind ausnahmsweise einmal wenige andere Menschen unterwegs, so dass man alles in Ruhe auf sich wirken lassen kann. Zugegeben, ich war nur bedingt in Ruhe, versuchte ich doch, den Fushimi Inari Trail rasch auf den Fushimi Inari-Berg hinauf zu marschieren, um den Blick über Kyoto im Licht des Sonnenaufgangs zu erhaschen.

Der Aussichtspunkt auf Fushimi Inari Mountain

Der Aussichtspunkt dort oben war dann auch der einzige Ort in ganz Japan, wo ich meine DJI Spark jemals aufstiegen liess, für einen Blick hinunter auf ein paar der Torii und auf Kyoto selbst.

Die Drohnen-Regeln in Japan sind ziemlich sinnvoll, aber dort war ich wohl eigentlich zu nahe an Gebäuden. Aber zumindest gestört habe ich niemanden – und gleich nachdem ich mit einem interessierten anderen Touristen über dieses Thema gesprochen hatte, gemeint hatte, dass die Spark kaum lauter wäre als die schrecklichen Laubbläser… da ging auch schon der Lärm von ebensolchen Laubbläsern in der Ferne los.

Hinunter ging es dann einen etwas anderen Weg.

Araki-Schrein

Und hier ging es gleich damit los, warum ich von 7+ Tempeln spreche, die ich an diesem Tag gesehen hätte:

Zum einen ist Fushimi Inari ja eigentlich, genau genommen, eben kein Tempel sondern ein Schrein.

Zum anderen findet man hier nicht nur den einen Schrein, sondern vielmehr eine Sammlung derselben. Auf dem Weg wieder hinunter etwa kam ich am Araki Schrein mit seinen kuchi-ire Puppen vorbei…

Diese Kuchi-Ire sind “Matchmaker”; sie sollen dabei helfen, den richtigen Partner oder die richtige Arbeit zu finden.

So bieten sie eine dieser kleinen feinen Möglichkeiten, etwas offensichtlich “anderes”, faszinierendes, exotisches zu finden, wie wir es in der Ferne so oft suchen… aber auch, mehr zu sehen und zu lernen (oder zumindest zu überlegen): Was für ein Tier sollen sie denn nun wirklich darstellen? Und warum? Warum sind diese “Küchengott”-ähnlichen Figuren als Dreiergruppe – Ehemann, Frau und “Diener” – zu finden?

Sanjūsangen-dō

Weiter nordwärts, kaum einen Kilometer entfernt, findet sich der buddhistische Tempel Rengeō-in, die Halle des Lotuskönigs.

Unter dem Namen kennt ihn allerdings kaum jemand im Vergleich zum populären Namen, der sich von einem typischen Element des Bauwerks ableitet. Hier nämlich den “33 Abständen zwischen den Säulen” der Halle.

Schon von aussen ist diese längste Holzhalle in Japan ein beeindruckendes Bauwerk. Vor 20 Jahren war ich dort schon einmal gewesen, bei meiner zuvor ersten und einzigen Möglichkeit, Japan zu besuchen. Ich gebe zu, ich hatte mich gefragt, ob ich überhaupt noch einmal kommen sollte, so wenig wie ich mich daran hatte erinnern können. War ja wohl doch nicht so beeindruckend?

Nun, gut, dass ich den Sanjūsangen-dō wieder besucht hatte, mit ein wenig mehr Wissen darum.

Die Länge der Halle abzuschreiten und dabei daran zu denken, wie hier eines der berühmten Duelle von Miyamoto Musashi, dem berühmten Samurai und Autor des Buch der Fünf Ringe, stattgefunden haben soll, das Bogenschützen-Turnier, das hier seit der Edo-Zeit stattfindet, bedenkend, dass ist schon ein Erlebnis.

In die Halle zu gehen, vorbei an den hunderten Tausendarmiger Kannon-Statuen aus Holz, mit Blattgold bedeckt, vorbei an den Wächterstatuen vor ihnen, vorbei an dem grossen Kannon-Buddha in der Mitte… und sich dabei auch noch überlegen, wie das Wissen um diese religiösen Figuren sich von Indien über den Himalaya und durch China bis nach Japan ausgebreitet hat?

Das alles ursprünglich im 8. Jahrhundert um in Statuen zu münden, die teils noch Originale aus dem 12. Jahrhundert sind, teils “Nachbauten” die geschaffen wurden, nachdem ein Feuer den ursprünglichen Tempel zerstört hatte… und das auch schon im 13. Jahrhundert?

Beeindruckend. Und es macht etwas bescheidener.

Yogen-in

Vergleichsweise niemand geht über die Strasse an der Seite des Sanjūsangen-dō. Der Blick auf Google Maps würde auch nicht wirklich helfen. Man müsste schon selbst auf die Idee kommen, sich die Gebäude dort genauer anzusehen, um zu merken, dass es sich dabei unter anderem auch um weitere Tempel handelt.

Zumindest ein Tempel dort war, gewissermassen, zugänglich: der Yogen-in.

Zugänglich ist der Tempel selbst allerdings nur mit Führungen. Und diese Führungen werden nur auf Japanisch angeboten. Das macht die Sache natürlich nicht einfacher, aber gleich wesentlich weniger touristisch. Und wie schon im Sanjūsangen-dō sind auch hier im Innenraum keine Fotos oder Videos gestattet.

Was ein faszinierender Ort das aber ist.

Der Tempel ist nicht sehr gross, aber er beinhaltet einige alte Malereien, die von einigem kulturell-historischen Wert sind. Jedenfalls, wenn man weiss, dass sie einen solchen Wert haben.

Vielleicht noch interessanter, was Geschichte(n) angeht: Die Decke über dem wesentlichen Gang durch den Tempel ist aus Holzbrettern gebaut, die früher den Boden in der Burg von Fushimi bildeten.
Diese Burg wurde erobert, die Samurai-Verteidiger begingen Seppuku (rituellen Selbstmord)… und die Blutflecken, die ihre sterbenden Körper hinterliessen, sind auf der “Blut-Decke” immer noch sichtbar.

Kiyomizu-dera

Noch ein Stück weiter nördlich und östlich, immer noch zu Fuss: Kiyomizu-dera.

Dieser Tempel des Klaren Wassers liegt, ähnlich Fushimi Inari Taisha, auch wieder auf einem der Hügel um Kyoto und bietet so einen wunderbaren Ausblick über die Stadt.

Pagode, Halle und “Bühne” (Terrasse) des Tempels sind faszinierende rein aus Holz, ohne Nägel, gebaute Strukturen; ihr Anblick vor dem Hintergrund der Stadt ist wahrlich fantastisch – auf jeden Fall, wenn sie nicht teils von Baugerüsten verdeckt sind, wie es bei meinem Besuch der Fall war, weil wieder einmal Renovierungsarbeiten angesagt sind.

Von der Veranda/Terrasse sieht man auch hinunter auf die drei Kanäle des Otowa-Wasserfalls. Von diesen (besser einem oder dem anderen, nicht allen) zu trinken, soll Wünsche in Erfüllung gehen lassen. Der erste Wunsch allerdings könnte sein, dass die Schlange an Wartenden dorthin nicht gar so lange wäre…

Ginkaku-ji

Wieder hinunter in die Stadt, entlang der etwas touristischen Matsubara Dori, ging ich vom Kiyomizu-dera diesmal zur nächsten grösseren Strasse und einer Bushaltestelle für einen Bus noch weiter nördlich, zum “Philosophenweg” und dem Ginkaku-ji.

Offiziell Jishō-ji, der Tempel der Strahlenden Gnade, ist dieser “Tempel des Silberpavilions” ein Zen-Tempel, der in seiner Gestalt den Goldenen Pavilion (Kinkaku-ji) widerspiegeln sollte, aber nie wie geplant (eingedeckt in Silber) fertig gestellt wurde.

Der eigentliche Silberpavilion, die Kannon-den (Kannon-Halle) ist ein wenig enttäuschend, wenn man ein aufregend spezielles Gebäude erwartet.

Als Repräsentation japanischer Gestaltungsprinzipien allerdings ist er nur umso passender.

Zusammen mit dem perfekt gestalteten und gepflegten Garten von Bäumen und Moos, den Teichen und Wasserläufen und dem Sandgarten ist er womöglich das beste Beispiel – und das am wenigsten zugängliche, wenn man ohne viel Wissen nur hier spazierengeht – für japanische spirituelle Architektur – und Natur.

Kinkaku-ji

Wieder ein Bus, diesmal quer durch die Stadt in den Westen, zu dem Vorbild für den Silbernen Pavilion, den Goldenen Pavilion, Kinkaku-ji.

Mitten am Tag zu diesem auffälligsten und herausstechendsten Beispiel der Architektur in Kyoto zu fahren ist nicht gerade empfehlenswert. Inmitten der Unmenge an Besuchern war es aber eigentlich gar nicht so zeitaufreibend, an den Ticketschalter, in und durch das Gelände zu kommen.

Kinkaku-ji ist auf jeden Fall eine Sehenswürdigkeit von Kyoto, die es nicht nur würdig ist, sie gesehen zu haben, sondern die man gesehen haben muss. Es ist aber auch die Sehenswürdigkeit, die nur zu viel besucht wird und beim reinen Besuch so ähnlich spirituell wirkt, wie ein Trump’scher Hoteltraum.

Von einem historischen und kulturellen Standpunkt gesehen fand ich das Teehaus am Gelände des (und mit Blick auf den) Goldenen Pavilion eindrucksvoller, versteckt wie es vor aller Augen liegt. Aber das ist ja auch mein Steckenpferd, das Thema der Dinge, die man zu leicht übersieht.

Auf jeden Fall aber dient der Kinkaku-ji als ein wunderbares Anschauungsobjekt in Sachen (buddhistische) Architektur, gerade wenn man ihn zwischen Ginkaku-ji und Ryoan-ji besucht, die im Vergleich wesentlich karger sind.

Ryoan-ji

Südwestlich entlang der Kinukake-no-michi, der “in Seide gehüllten Strasse” am Fuss des Bergs Kinugasa ging es weiter zu einer neuen seltsamen Geschichte.

Die Strasse nämlich hat ihren Namen vom Befehl des Kaisers Uda im 9. Jahrhundert, man möge ihn auch mitten im Sommer eine verschneite Landschaft sehen lassen.
Sein Wunsch soll erfüllt worden sein, eben indem man die Berghänge dort in Seide hüllte…

Von solchen Extremen führt die Strasse an einen gänzlich anderen Ort, zum Ryoan-ji.

Dieser Zen-Tempel ist berühmt für seinen Steingarten, dessen Betrachtung schon viele Besucher in tiefe Versenkung gebracht hat – bei allem Menschenwuseln rundum.

Ehrlich gesagt bin ich ja beeindruckter von den Malereien auf den Papierwänden, aber bitte…

Ninna-ji (Omuro Kaiserpalast)

Kinukake-no-michi geht noch weiter, zu einer weiteren der zahlreichen Weltkulturerbestätten des alten Kyoto, allerdings einer, die wesentlich weniger besucht wird als die Tempel zuvor.

Der Ninna-ji ist ein recht ungewöhnlicher Komplex was seine Art und Ausbreitung angeht. Der Garten ist – oder fühlt sich zumindest an als wäre er – ausgedehnter als jene anderer Tempel; es gibt einige Gebäude von Bedeutung, aber keine so herausragend offensichtlichen wie der Silberne oder Goldene Pavilion.

Als ich den Ninna-ji besuchte, wurde noch dazu die Kannon-do Halle gerade erst restauriert (die Arbeiten sollen im Frühjahr 2018 fertig werden), was seinen Teil zum eher heruntergekommenen Ansehen des Kirschenhaines mit seinen berühmten spätblühenden Sakura jetzt im späten Herbst beitrug.

Die Haupthalle Kondo, ein Nationalschatz, war zu sehen, aber schien auch eher abgeschlossen, abweisend und wenig besucht.

Da war dann allerdings auch noch der Goten-Bereich, der den Ninna-ji stärker nach einem früheren Kaiserpalast aussehen lässt. (Er war/ist auch als Omuro Kaiserpalast bekannt.)

Man braucht ein (Extra-)Ticket für den Besuch dieses Gebäudekomplexes aus verschiedenen Hallen, die von erhobenen und überdachten offenen Gängen verbunden werden, mäandernd entlang des Dantei (Südgarten) und Hokutei (Nordgarten).

Die Malereien (Fusuma-e) auf den Wänden dieser Hallen und an zumindest einer der Holztüren, die Konstruktionsweise der ganzen Hallen, das Ikebana am Eingang, der in Spuren gezogene Kiesgarten und die manikürten (arborikürten?) Bäume…

Dies war ein Ort, von dem ich noch nie etwas gehört hatte, nicht viel erwartet hatte – und der mich an diesem ganzen Tag vielleicht am meisten beeindruckt hat. Umso mehr, als ich einfach auf gut Glück auch hierhin und in dieses Areal gegangen war.

Tagesausklang

Mein Tag war dort noch nicht zu Ende; ich spazierte weiter durch die Wohngegend südlich des Tempels, die nichts besonderes zu bieten hatte – also umso faszinierender dafür war, einen Eindruck vom ganz normalen Leben in Kyoto zu bekommen.
Von Hanazono Station ging es mit einem Lokalzug zur Kyoto Station im Stadtzentrum, nördlich auch noch am (Minuten später schliessenden) Nishi Hongwanji-Tempel vorbei…

… und nach Nishiki für einen Blick auf Lebensmittel und Geschäfte dort. Schliesslich war es auf der Spur von ‘Würze’ in Japan, dass ich mich überhaupt auf diese Reise begeben hatte.

Und was sagst du?