Tokyo, die Dorf-Megastadt

Tokyo. Die Megastadt. Urbane Agglomeration, Heimat von Millionen Menschen, ununterbrochene Landschaft…
Man muss nur auf den Tokyo Skytree für den Blick aus der Ferne, und das ist leicht zu sehen.

Wenn Tokyo so ist, dann ist diese allumfassende Stadt aber auch zu einem Dorf geworden. Oder eigentlich, zu einer weitläufigen und scheinbar kaum endenden Ansammlung an Dörfern. Und Natur.

Man muss nur vom Blick aus der Ferne mitten hinein, zu Spaziergängen durch verschiedene Nachbarschaften in der Stadt. Und der unterschiedliche Charakter der verschiedenen Teile von Tokyo wird einem schnell klar.

Am Anfang meiner Japanreise wohnte ich im Adachi-Bezirk im Norden von Tokyos Stadtzentrum.

Diese Gegend ist eine gute Einleitung in den Dorfcharakter von Tokyo. Natürlich gibt es auch mehrgeschossige Wohnhäuser. Der Grossteil aber sind die typischen schlanken aber (in Relation) hohen Einfamilienhäuser, die man in Japan oft findet.

Am Sumida-Fluss in Adachi früh am Morgen, mit Blick zum Tokyo Skytree
Am Sumida-Fluss in Adachi früh am Morgen, mit Blick zum Tokyo Skytree

In der Ruhe und Einsamkeit des frühen Morgens ist der dörfliche Eindruck besonders stark.

Früher Morgen im nördlichen Tokyo.
Früher Morgen im nördlichen Tokyo. Sicher, die Strasse ist nicht so schmall, manche Gebäude sind höher – aber es gibt doch auch kleine Geschäfte, Fahrräder an der Brüstung, Blumen in Töpfen…

Und man findet Schreine und Tempel – ohnehin eine meiner Faszinationen – um so manche Ecke.

Kanefukuinari Shrine
Haus links, Parkplatz rechts, Kanefukuinari Schrein an seinem eigenen kleinen Platz

Tempelareale fühlen sich ohnehin etwas anders an, unterbrechen sie die Stadtlandschaft doch mit einem ganz anderen Stil an Gebäuden und, typischerweise, mit einigem an Grün.

Senso-ji, Tokyo
In diesem Fall, der bekannte Senso-ji in Asakusa (Taito)

Der Nezu-Bezirk, den ich für ein spätes Mittagessen in Kamachiku besuchte, bot noch mehr Dorfgefühl…

Nezu-Areal, Tokyo
Nezu-Areal, Tokyo. Eine der wesentlichen Strassen durch die Gegend…

Ein Teil dieser Gegend war besonders faszinierend für mich, weil dort ein Tempelareal an das nächste angrenzt. Alle gut gepflegt. Und alle irgendwie nicht sehr benutzt aussehend…

Friedhofsareal in einem der Tempel von Nezu
Friedhofsareal in einem der Tempel von Nezu. Gut, nicht gerade ein Ort, wo man von seiner erkennbaren Aktivität sprechen sollte

Hibiya-Park, in der Mitte von Tokyo (gleich im Süden des Kaiserpalastes) ist umgeben von Hochhäusern. Und bot erst recht einen gewissen fast ländlichen Charakter:

Ich kam hier vorbei, als nicht nur Spaziergänger unterwegs waren. Eine Art Gartenschau fand auch gerade statt und zeigte, wie Leute kreativ wurden, um einen Sinn von Natur in die Stadt zu bekommen bzw. eine grüne Umgebung genossen…

Hibiya Park 'Gartenschau'
Hibiya Park ‘Gartenschau’
Pflanzenkunst, stets ein Gewinn. Hibiya Park 'Gartenschau', Tokyo, Oktober 2017
Pflanzenkunst, stets ein Gewinn. Hibiya Park ‘Gartenschau’, Tokyo, Oktober 2017

Am Weg zurück zu meiner Unterkunft, wieder zurück in Adachi, fand ich mich plötzlich unter Gruppen von Grundschülern. Sie nahmen alle den Weg zu (und wie sich herausstellten sollte, vorbei an) einem Shinto-Schrein, der mir schon am frühen Morgen aufgefallen war. Diesmal also ging auch ich dorthi.

Schüler in gelben Hüten – um für den Verkehr auffälliger zu sein – wanderten weiter vorbei, nicht ohne sich meistens schnell vor einem Schrein zu verbeugen. Flaggen für das Shichi-Go-San Fest hangen vielerorts. Die Sonne schien. Und Tokyo war weit entfernt von der Blade Runner-artigen Mega-Metropole, als die es so gerne präsentiert wird:

Shinjuku und Shibuya, später auf meiner Reise, sollten wieder andere Eindrücke und ein anderes – und ähnliches – Gefühl hinterlassen.

Von hier ging es aber zuerst einmal auf den Kumano Kodo, nach Osaka und Kyoto.

Und was sagst du?