Shanghai: Zwei Ansichten des Bund – und der Selfies

Früher oder später, ob nun Tourist oder Travel Blogger, findet man sich an denselben Orten wie alle anderen.

Es gibt einigen Missmut zu dem Thema, viele Beschwerden (vor allem jetzt, wo überall Selfies gemacht werden), vielfältige philosophische Diskussionen – aber auch gute Gründe.

1: Nacht am Bund, der übliche Blick

Es ist schon etwas besonderes an Orten, wo Menschen zusammenkommen, und wo sich Leute versammeln, da muss doch etwas besonders sein.

Der Netzwerk-Effekt, durch den manche Social Media-Phänomene plötzlich viral und manche Leute beliebt werden, der wird hier handfest bemerkbar.

Das Resultat sind immer dieselben Fotos, Sehenswürdigkeiten die schon tausend Mal gesehen wurden, bevor man sie jemals besucht hat…

Und so gingen wir, wo wir schon mal wieder in Shanghai waren, auf einen Spaziergang den Huangpu entlang auf den Bund, in der Nacht.

Shanghai. Der Bund und die Skyline von Pudong bei Nacht.
Shanghai. Der Bund und die Skyline von Pudong bei Nacht.

Wie ein paar tausend andere Leute auch.

Der etwas andere #GetAtHome Blick

Ich finde es gar nicht so gut, wie leicht und viel nur zu viele von uns heutzutage hin- und her-reisen. Aber ich glaube nicht, dass wir uns dessen schämen müssten, beliebte Sehenswürdigkeiten auch mit eigenen Augen sehen zu wollen.

Oberflächlich mag das schon sein, aber es hat trotzdem etwas für sich, etwas mit eigenen Augen gesehen zu haben, sein eigenes Bild von etwas gemacht zu haben (auch wenn das schon millionenfach genau so fotografiert worden war), sich selbst dort zu lokalisieren.

Selfies werden sicherlich inzwischen schon öfter zum Sakrileg, klar.
Vielleicht sind sie auch ein Zeichen eines ansteigenden Narzissmus.

Vielleicht aber gibt es doch auch schlechteres, als sich in das Zentrum der eigenen Welt zu stellen.

Aus ökologischem Denken heraus würde ich mir wünschen, dass wir das öfter tun würden. Und weniger oberflächlich.

Wer sich in dieser Welt heimisch machen möchte, sie verstehen und den eigenen Platz darin erkennen will, damit lernen will, besser zu leben, der muss sich in diese Welt stellen.

Und wir sehen die Welt nun einmal aus einer Perspektive, in der wir im Zentrum stehen. Wir müssen nur bedenken, dass dies nicht bedeutet, dass sich die Welt auch um uns drehen müsste oder würde.

Tagesanbruch in Shanghai
Tagesanbruch in Shanghai

2: Ein anderer Blick auf den Bund

Noch dazu gibt es faszinierend einfache Lösungen zu dem Problem, alles genau so zu sehen wie alle anderen und das nicht zu mögen.

Eine Lösung, über die ich noch einmal in einem eigenen Artikel schreiben möchte: Mehr lernen, das eigene Abenteuern und Reisen durch etwas Couch-Abenteuer ergänzen und womöglich ein tieferes Verständnis und damit andere Perspektiven erlangen.

Die einfache Lösung, die ich nutzte, um den Bund und die Skyline von Pudong anders gesehen zu haben:

Ich ging gleich am nächsten Morgen noch einmal auf den Bund, lange vor dem Sonnenaufgang, um ihn auch um diese Zeit gesehen zu haben und zu versuchen, ein Timelapse vom Sonnenaufgang zu machen.

Shanghai. Bund und Pudong Skyline in der frühen Morgendämmerung
Shanghai. Bund und Pudong Skyline in der frühen Morgendämmerung
Skyline von Pudong, Shanghai, zum Sonnenaufgang
Skyline von Pudong, Shanghai, zum Sonnenaufgang – wie auch in der Tools App dafür auf der Casio ProTrek Smart, die ich gerade teste (und die mir hierfür wirklich gute Dienste geleistet hat), zu sehen.

Was soll ich sagen? Es war faszinierend, die Leute auf diese Art zu beobachten. Umso faszinierender, weil es um diese Zeit so wenige Leute waren.

Und ich hatte Glück und war für den perfekten Sonnenaufgang am perfekten Ort.

Der Bund und die Pudong Skyline, Shanghai, genau bei Sonnenaufgang
Der Bund und die Pudong Skyline, Shanghai, genau bei Sonnenaufgang

Wie man noch besser im Video sehen kann:

Und was sagen Sie?