#GetAtHome in China 5: Tief im ländlichen Hunan – Eine tektonische Verschiebung, ein Bach… eine Naturschönheit

Es ist nicht gerade so, als hätten Österreich, Europa… überall… nicht auch ihre besonderen Naturschönheiten, die manchmal plötzlich zu Plätzen werden, die man gesehen haben muss.

Versteckte Täler, kleine Wasserfälle, Ausblicke über Wälder, derartiges.

Was aber macht einen solchen Ort speziell genug, um nicht einfach nur da zu sein, sondern etwas besonderes zu sein?

China macht diese Frage besonders bemerkenswert.

Einerseits vielleicht, weil wir als “andere” von so weit weg kommen, dass uns solche Dinge auffallen.

Ein kleiner Wasserfall in einem Bachlauf ist nichts besonderes, wenn man tagtäglich daran vorbeigehen könnte oder man daran vorbei kommt, aber nichts und niemand den Ort als etwas besonderes markiert hat.

China aber scheint auch einen anderen Ansatz zu solchen Dingen zu haben.

Es scheint zumindest so, als hätte China wesentlich mehr Orte, die als speziell bezeichnet und (oftmals, von Regierungsseite) als besondere Naturschönheiten deklariert werden, die den Tourismus fördern sollen.

Jedenfalls den Tourismus in China und durch Chinesen…

Das Duancenggu-Tal, Hunan

Auf einen solchen Fall stiess ich in diesen Reisen durch Hunan, bei einem unerwarteten Stop.


Die Karte zeigt den Weg wieder zurück hinunter; diese Strecke habe ich testweise mit einer Casio ProTrek Smart WSD-F20 aufgenommen.

Das übliche Vlog-Video? Gleich hier:

Nach typisch chinesischer Art hatte ich keine Ahnung, dass wir an einen solchen Ort fahren würden; wir waren meines Wissens nach unterwegs, um die Grossmutter mütterlicherseits meiner Frau zu besuchen.

Ich hatte angenommen, wir würden sie bei ihrem alten Haus sehen, wo wir vor ein paar Sommern schon einmal gewesen waren, aber wir trafen sie tatsächlich in ihrer Wohnung in der nahegelegenen grösseren Stadt (bzw. erst einmal in einem Restaurant in jener Stadt).

Vor all dem, allerdings, da ging es mit dem Auto herum, bis wir plötzlich nach einem Tor stoppten, das klar einen touristischen Ort markierte.

Dahinter fand sich ein Bach, mit einer Hängebrücke darüber, die gerade erst wieder repariert wurde.

Brücke über den Bach, am Anfang des Duancenggu Geoparks
Brücke über den Bach, am Anfang des Duancenggu Geoparks

Offensichtlich hatten die Überschwemmungen der letzten Wochen einigen Schaden angerichtet.

Das war eigentlich ein seltsames Thema, waren wir doch schon wieder zu einer Zeit mit Überschwemmungen und Schäden (und sogar Toten) in China, aber kaum davon betroffen. Das Wasser in Flüssen und Reisfeldern stand wieder etwas höher, aber viel mehr war nicht zu bemerken.

Nach kurzer Suche fanden wir den alternativen Weg, der nicht direkt im Bachbett hinauf ging, sondern etwas daneben – und so ging es hoch.

Ein wenig Mitsuba fiel mir gleich auf.

Mitsuba in China
Mitsuba in China

Diese “japanische Petersilie” kenne ich aus japanischer Küche und von meinem eigenen Garten, wo ich sie anbaue, aber sie wächst auch in China. Dort aber scheint sie niemanden zu interessieren (weshalb ich auch nur den japanischen Namen kenne).
Maroni waren dort auch zu finden.

Die Pflanzen waren allerdings nicht, worum es ging.

Ein Geo-Pfad…

Weiter und höher entlang kommend, da kamen dann Steinplatten mit Erklärungen, welche den Sinn und Zweck des Ortes allmählich (auch für mich) klarer werden liessen: Es ist eine Art kleiner Geologie-Trail (und einfach ein malerischer Ort), ein paar der typischen Steine der Region werden erklärt und die Entstehung dieser Kluft durch geologische Kräfte.

Duancenggu Geopark: Erklärung am Weg
Duancenggu Geopark: Erklärung am Weg

Langsam aber stetig ging er Weg weiter entlang des Baches.

Hartlaub-Vegetation wechselte sich mit Bambuswald ab.

Blick in Bambuswald, Hunan, China
Blick in Bambuswald, Hunan, China

Das Wasser fliesst über polierte Steinplatten, durch Spalten zwischen Felstrümmern, über kleine Wasserfälle.

Alles hübsch, alles nicht wahnsinnig aufregend.

Schlussendlich, ziemlich weit hinein und hinauf, am Ende des Tales (zumindest soweit es den Weg angeht) kommt man dann an einen kleinen Rastplatz chinesischen Stils mit Blick über die wesentliche Attraktion…

Der Shuangshimen-Wasserfall

Hier, am “Doppelstein-Tor”, findet man Fels und Wasser, die Repräsentation des chinesischen Wortes für eine Landschaft (shanshui, eigentlich Berge und Wasser).

Das Wasser fällt über den Fels, zwischen und hinter Felsen die tatsächlich aussehen, als würden sie einen steinernen Torweg in eine andere Welt eröffnen.

In den Wasserfall, jedenfalls.

Am Shuangshimen-Wasserfall in Duancenggu
Am Shuangshimen-Wasserfall in Duancenggu

Ich wünschte, ich hätte geradewegs hineinlaufen können.

Und ich frage mich jetzt, wo wir eigentlich (wie etwa am Sonnstein-Weg) gar nicht so unähnliche Orte haben, die wir als nur zu normal erachten, die aber eines genaueren Blicks würdig wären.

Und was sagen Sie?