Shanghai: Von Tempeln und Tangbao

Shanghai ist ein unheimlich beliebter Ort für Besuche, gefolgt von begeisterten “Jetzt kenne ich China.” Womöglich auch noch “Ich habe die Zukunft gesehen, und sie ist China.”

Shanghai, das ist aber kaum China.

Die bemerkenswertesten Elemente der Stadt haben durchaus ihre Wurzeln in chinesischem Ansporn und Motivationen, aber die Stadt ist ungefähr so repräsentativ für das Land wie es Fifth Avenue-New York für die USA ist.

Aber natürlich gibt es Verbindungen, und man findet diese sehr gut in den Tempeln, die ich besuchte und von denen ich ein wenig erzählen will.

Drei richtige, buddhistische, Tempel.
Jing’an Si. Yufo Si. Longhua Si.

Und zwei “Tempel” des Essens.
Jiajia Tangbao. Xiaoyang Shengjianbao.

Warum diese Auswahl?

Nun, Shanghai ist ein guter Ort für verschiedene Formen von “Maultaschen”, und die sind ebenso schön lokal und traditionell wie auch Foodie-Tourismus-beeinflusst geradewegs in die Moderne.

Buddhistische Tempel sind schon länger eines meiner beliebtesten Objekte für #GetAtHome-Erkundungen in China.

Sie scheinen einem alle bald vertraut.
Und zugleich sind sie, im aktuellen Kontext eines China, das sowohl politisch anti-religiös als auch ziemlich spirituell (und beides auf ziemlich kommerzialisierte Art) ist, faszinierende Symbole von historischen Verbindungen und modernen Beziehungen.

Und ich hatte ja auch nur zwei ganze Tage in dieser Stadt…

Also, los. [Video nur auf Englisch, sorry.]

 

Jing’an Si – Tempel der Ruhe und des Friedens

Etwas wie der Yonghegong Lama Tempel in Beijing liegt auch der Jing’an Si mitten in der Stadt und an seiner eigenen U-Bahn-Station.
Und wird ziemlich viel besucht.

Es macht auch die Faszination des Jing’an Si aus, wie dieser Tempel mitten in der Kommerzwelt von Shanghai, auf der wesentlichen Verkehrsader und Shoppingmeile der Nanjing Road, umgeben von einem Einkaufszentrum, Geschäften und Hochhäusern, gelegen ist.

Jing'an Si
Jing’an Si, gesehen vom nahegelegenen Einkaufszentrum

Jing’an Si selbst, anders als so ziemlich alle anderen buddhistischen Tempel, breitet sich nicht auf grosser Fläche aus, sondern strebt in die Höhe.

Das gesamte Bauwerk scheint so, als wäre es etwas gestaucht worden und hätte darum das übliche Layout eines buddhistischen Tempels in ein kleineres Areal gepackt und dazu übereinander gestapelt.

Die übliche Eingangshalle findet sich so oberhalb des Eingangstores, nicht hinter einer abschirmenden Mauer zu ebener Erde.
Die Haupthalle findet sich auf einem Podest, zu dem ganz schön steile Stufen empor führen.
Es gibt einen seltenen Vajra-Thron, aber der findet sich auf einem Turm ähnlich einer Pagoda, eingepfercht in die nordwestliche Ecke des Tempelareals.

Jing'an Si
Turm/Pagode mit dem Vajra-Thron darauf, Jing’an Si

Wohnquartiere scheint es, dem Gewand, das zum Trocknen draussen aufgehängt war, in dem Tempel auch zu geben, aber an dem seltsamen Ort oberhalb der Andachtsräume, wo normalerweise keine Normalsterblichen geradezu auf deren Köpfen herumtrampeln sollten.

Aber immerhin, rekonstruiert und verändert, wie er es wurde – besonders in Anbetracht dessen, dass der Tempel im Jahr 247 gegründet und 1216 an seinen jetzigen Ort verlegt wurde* – es gibt den Tempel noch und er wird als Tempel genutzt, nicht nur als Sehenswürdigkeit.

*Shanghai selbst wurde nach offizieller Rechnung im Jahr 1292 gegründet, der Jing’an Si ist also, egal wie man es wendet, älter als die Stadt!

Yufo Si – Jadebuddha Tempel

Nur ein paar Strassen nördlich vom Jing’an Si liegt gleich noch ein buddhistischer Tempel der in seiner Ausgedehntheit den Anschein erweckt, er müsse alt sein (auch wenn bei meinem Besuch gerade ziemlich heftige Bauarbeiten in Gang sind). Ist er aber nicht.

Yufo Si
Yufo Si, der Jadebuddha-Tempel

Der Jadebuddha-Tempel, oder genau genommen eigentlich Jadebuddha Zen-Tempel (wenn man den kompletten chinesischen Namen zum Vorbild nimmt), wurde erst im Jahr 1882 gegründet.

Anlass war die Rückkehr des Mönches Huigen von seiner Pilgerfahrt über Tibet bis Burma, wo er die Jadebuddha-Statuen, von denen der Tempel seinen Namen erhielt, als wohltätige Gabe geschenkt bekam.

Yufo Si
Yufo Si, Halle des Jadebuddha

Es gibt hier offenbar auch ein Restaurant (wie ich erst später erfahren habe), aber ich würde den Tempel vor allem dafür empfehlen, was für einen Kontrast man zwischen Tempel und umgebender Stadtlandschaft, zwischen Jing’an Si und Yufo Si, finden kann.

Studien in Kontrasten waren auch ein Grund für meinen Besuch eines dritten Tempels in Shanghai, des Longhua Si – aber das ist Anlass für eine andere Geschichte.

Jetzt also weiter wo unsere Shanghai-Tour begann und endete, beim Essen.

Shanghai ist, nicht zuletzt dank des Loblieds, das Anthony Bourdain auf sie anstimmte, bekannt für seine Suppen-Maultaschen, Tangbao.
Oder eigentlich für verschiedene Versionen solcher “Knödel”/Teigwaren, von der wirklichen Suppenversion der Tangbao über kleinere Xiaolongbao und hin zu den pfannengebratenen Shengjianbao.

Jiajia Tangbao

Einer der Orte für solche Teigwaren (nennen wir sie doch mal so) welche mit höchster Empfehlung kamen, war Jiajia Tangbao. Bei der wenigen Zeit, die wir für Shanghai hatten, ging es also gleich einmal dorthin.

Sogar zur etwas ungewöhnlichen Zeit von 10:30 Uhr (zum Frühstück ginge es in China früher, zum Mittagessen ab 11:30 Uhr), gab es doch eine Schlange, und die Auswahl war auch schon reduziert auf nur drei verschiedene Arten von Xiaolongbao.

Jia Jia Tangbao
Jia Jia Tangbao, das aushängende Menü

Es gab jene mit Schwein und Eidotter (um 23RMB), mit Schwein und Shrimp (um 30RMB) oder mit Fischrogen in einer Luxusversion die 99RMB kosten würde.
Alles nicht billig für China und für etwas, was sonst Street Food wäre.

Also, anstellen, endlich bis zur Kassentheke vorkommen, Bestellung abgeben, zahlen und Kassenbon nehmen, warten bis ein Sitzplatz zugewiesen wird, setzen und auf das Essen warten. Dampfender Bambuskorb kommt. Es wird genossen.

Als Xiaolongbao sind diese Teigtaschen nicht gar so prall gefüllt wie andere Tangbao, aber man sollte doch vorsichtig sein; es ist immer noch genug an brühend-heisser Suppe in ihnen!

Jia Jia Tangbao
Jia Jia Tangbao Xiaolongbao
Schweinefleisch und Eidotter-Xiaolongbao
Jia Jia Tangbao Schweinefleisch und Eidotter-Xiaolongbao
Jia Jia Tangbao Schweinefleisch und Shrimp-Xiaolongbao
Jia Jia Tangbao Schweinefleisch und Shrimp-Xiaolongbao

Es war sehr interessant.

Der Teig war gut gemacht und dünn, der Geschmack der Brühe und der Fülle war gut, auch wenn er uns (bei Schwein-Shrimp-Fülle) ein wenig zu fischig für dieses Essen war. Ganz und gar nicht schlecht, aber auch nicht aussergewöhnlich.

Dann allerdings hatten wir später einmal Xialongbao in einem Lokal, das Handgemachte Shanghai Bao als seinen Namen führt. Es war aber schon an der Struktur des Teigs klar, dass die Teigtaschen dort alles anderes als handgemacht waren, zumindest was den Teig anging.

Mit diesem Beispiel als Erinnerung waren die Xiaolongbao von Jiajia Tangbao dann doch mehr als nur gut!

Vergleichs-Teigtaschen
Ich möchte das andere Lokal gar nicht erwähnen, aber die Xiaolongbao von dort möchte ich schon zeigen. Siehst du, wie dick und nicht-durchscheinend-glänzend, darum erkennbar nicht-so-gut, diese sind?

XiaoYang Shengjian

Als grosser Fan von Shengjianbao, schon wann immer ich sie in Hunan finden konnte, war eine andere Empfehlung für Shanghai natürlich ein Pflicht-Stop: Little Yang’s Fried Dumplings, XiaoYang Shengjian.

Xiao Yang Shengjian
Xiao Yang Shengjian. Yang’s Dumplings.

Der Laden ist schon vor einiger Zeit eine Kette an Läden geworden, die man an einigen Orten vor allem entlang der Nanjing Road finden kann. Einer davon war, wie sich herausstellen sollte, in einer Strasse, durch die wir schon zuvor hatten gehen müssen, weil der Umstieg von einer U-Bahn-Linie in eine andere durch diese Strasse verläuft.
Einiges an Lokalen findet man in dieser ganzen Strasse, und im zweiten Stock eines einzigen Fresstempels eben auch eine der Zweigstellen von XiaoYang Shengjian. (Ein anderes Yang’s Dumplings liegt übrigens genau gegenüber von Jiajia Tangbao.)

Xiaolongbao sind meist klein und mit relativ dickem Teig gemacht (zumindest so, wie ich sie von Strassenhändlern kenne), Tangbao sind dünnwandig aber grösser und die Teigtaschen für Shengjianbao wiederum sind dickwandiger und grösser.
Hier beim Kleinen Yang waren sie auch noch ziemlich stark gebraten, so dass ihr Boden ganz schön knusprig war, ihre Seiten auch noch etwas, der Oberteil dann aber schön chewy/teigig. Das alles mit ziemlich viel Saft und saftiger Füllung.

Xiao Yang Shengjian
Shengjianbao bei Xiao Yang Shengjian. Komisch, dass man für eine Portion vier Stück bekommt. Nicht gerade eine beliebte Zahl in China…
Xiao Yang Shengjian
Xiao Yang Shengjian

Nicht ganz einfach zu essen, aber eine Kombination, die ich fantastisch finde.

Ich bin bei der Standard-Schweinefleischfülle geblieben, aber XiaoYang würde auch anderes bieten, auch in Kombiangeboten.

Hier, das sollte man wissen, bestellt man an der Fastfoodladen-artigen Theke/Kasse, geht dann zum Fenster, wo man seine Bestellung (entweder To-Go oder zum sitzen und dort essen) ausgehändigt bekommt und dann geht man oder sitzt dort und isst ;)

Nur bitte schön Vorsicht – und viel Genuss!

Und was sagen Sie?