in dieser Welt heimisch werden

Shanghai: Die Zwei Türme

Shanghai, ein Ort um zu sehen, was China geworden ist und vielleicht werden will – und was China zum Grossteil nicht ist. Noch nicht, jedenfalls.

Was China jedenfalls nicht ist, Shanghai aber schon: Das Shanghai, das man am meisten sieht, das erhebt sich wieder, vorwärts zurück zu seinen Glanzzeiten, mit der Anziehung seiner Vergangenheit spielend und sie mit neuem Verve kombinierend.

Dieser Elan ist stark da, in Architektur und im Konsumrausch führt er zu neuen Höhen, metaphorisch wie tatsächlich. Er ist eine sehr chinesische Realität, aber insbesondere eine Shanghai-Realität.

Mich zog es, zum Nachdenken über solche Verbindungen, von der Erkundung der zwei sehr verschiedenen Arten von Tempel des traditionellen Shanghai weiter.

Zuerst, zum Longhua Tempel und seiner Pagode, dann zum Shanghai Tower.

Longhua Si

Shanghai fühlt sich nicht gerade wie ein Ort an, wo Spiritualität je eine besondere Rolle gespielt hat.

Vielleicht liegt es an seiner kolonialen Vergangenheit als Handelshafen, vielleicht auch schon an seiner früheren ebensolchen Rolle in der rein chinesischen Geschichte.

Was auch immer der Grund ist, Shanghai spielte nie eine grosse politische Rolle und hatte damit auch wenig spirituelle Verbindungen. Business hingegen war gross und Nachtleben ebenso…

Umso interessanter, weniger bekannte Orte zu besuchen, die so nur noch mehr herausstechen.

Longhua Temple Pagode, Shanghai

Longhua Temple Pagode, Shanghai

Longhua Tempel ist ein wunderbar herausstechendes Beispiel. Einer von nur drei buddhistischen Tempeln in der Stadt, die mir bekannt sind, und der einzige jener Tempel mit einer Pagode.

Eher ausserhalb gelegen ist der Tempel (mittlerweile) so von Strassen umgeben, dass er geradezu in der Kurve einer einzigen grossen Strasse zu liegen scheint (wenn auch einer langen Kurve)…

Man kommt dennoch ziemlich gut mit der U-Bahn hin, nur der Weg von der U-Bahn-Haltestelle zum Eingang war dank Strassenbauarbeiten ein etwas längerer.

Trotzdem, man muss nur aus der U-Bahn-Station hinauskommen, um sogleich die Pagode zu erblicken, und am Tempelgelände selbst erwarten einen all die üblichen Strukturen und ziemlich interessante Figuren…

Mehr im Video (am Ende dieses Posts). Es ist wieder nur auf Englisch, aber für den Blick auf den Tempel (und dann weiter) braucht es wenig Text.

Von der Pagode des Longhua Tempels, dem “Wolkenkratzer” früherer Zeiten, ging ich dann zum Kontrast weiter zum jüngsten Turm Shanghais, dem Shanghai Tower in Pudong…

Shanghai Tower

Eine sehr andere Struktur an einem sehr anderen Ort. Der Shanghai Tower ergänzt das Duo extra-hoher Wolkenkratzer in Pudong, dem Teil von Shanghai der ständig wieder als “noch vor wenigen Jahren gerade einmal Ackerland” verkauft wird.

Pudong Skyscraper Trio

Mit 632 m Gesamthöhe ist der Shanghai Tower aktuell das höchste Gebäude in Asien und das zweithöchste der Welt, geschlagen nur vom Burj Khalifa.

Also, wer mit Shanghai ausrufen will, dass China die Zukunft wäre, der hat hier zumindest einen konkreten Anhaltspunkt dafür – und immerhin noch einen, der nachhaltigkeitszertifiziert ist.

Hochfliegende Träume für die Zukunft sind natürlich nicht der Grund, warum man einen solchen Ort besucht; vielmehr ist es die Erfahrung, in einem menschengemachten Gebäude so hoch hinaus zu kommen und der Ausblick von ganz oben.

Shanghai Tower, Wolkenkratzer Ausstellung

Los geht es allerdings auf B1 mit der Wolkenkratzer-Ausstellung, die sehr schön und informativ gemacht ist.

Eine Erfahrung ist das sehr wohl.

Die Luftqualität war wie üblich, dementsprechend waren die Ausblicke mehr oder minder gut, aber schon die Fahrt in einem Aufzug, der eine Spitzengeschwindigkeit von 18m/s erreicht, ist seltsam.

Besonders seltsam ist sie, weil sie sich nicht besonders anfühlt. Es gibt nichts besonderes (ausser vielleicht einen kurzen Druck in den Ohren) zu bemerken – wäre da nicht die Anzeige des Stockwerks, an der man sieht, wie schnell man am wievielten Stockwerk vorbeikommt, bis man nach Sekunden am Aussichtsstockwerk 118 angekommen ist. Auf 546 m…

Shanghai, Oriental Pearl Tower & Bund von Shanghai Tower

Shanghai, Oriental Pearl Tower & Bund von Shanghai Tower

Shanghai von Shanghai Tower: Jinmao Tower, World Financial Center und der Blick den Huangpu entlang in die Ferne

Shanghai von Shanghai Tower: Jinmao Tower, World Financial Center und der Blick den Huangpu entlang in die Ferne

Nächtlich werdender Anblick der Gegend um den Bund, Shanghai, vom Shanghai Tower aus

Nächtlich werdender Anblick der Gegend um den Bund, Shanghai, vom Shanghai Tower aus

Ich blieb eine Weile, machte ein Timelapse der Gegend rund um Oriental Pearl Tower und des Bund auf ihrem Weg in die Nacht und erhielt so einen ersten Blick auf den Bund, dem ich noch zwei weitere folgen lassen sollte – diese sind das Thema des nächsten Eintrags.

Also, für einen eigenen Eindruck dieser Erlebnisse, Tale of Two Towers schauen:

Und was sagen Sie?