in dieser Welt heimisch werden

In einem Blue Train, zum Narzissenfest in Bad Aussee

Man muss nicht unbedingt nach Peru oder durch Siberien fahren, um eine Landschaft von den Salonwägen eines Blue Train aus zu entdecken. Genau so wenig muss man die ganze Welt bereisen, um “exotische” Events zu finden.

Österreich und gerade auch das Salzkammergut, in dem ich schon einige Zeit verbracht und so manches an Trails präsentiert habe, hat noch immer einiges mehr an Faszination zu bieten.

Wer schnell meine Eindrücke und Gedanken präsentiert haben will, findet hier gleich das Video – oder einfach darunter weiterlesen und weitere nicht-bewegte Bilder finden:

Narziss(en) in Bad Aussee

Gegen Frühlingsende etwa findet man das Narzissenfest in Bad Aussee.

Star Narcissi (Daffodils)
Ich kann mir den Scherz nicht verkneifen; es scheint ein Fest zu sein, das in die heutige Social Media Zeit besser passt als kaum ein anderes. Ein Fest des Narziss für eine Zeit voll Narzissmus.

Selfie on a Rock

Dementsprechend, gleich einmal ein Selfie (aber hallo, mit einem Shirt von Gucci)

Aber, Scherz beiseite, es geht natürlich um die Narzissen in der Region. Und es war sehr interessant. Gleich von Anfang an.

Blue Train in Österreich

Endlich entschieden, dass ich nach Bad Aussee zum Narzissenfest sollte, da fand ich heraus, dass Österreich eine Blue Train Gesellschaft hat, die dorthin fahren würde.

In Salonwägen.

Blue Train Salon Car

Blue Train Salonwagen

Ein paar Emails später hatte ich eine Mitfahrgelegenheit im eigentlich schon ausgebuchten Zug.

Das war einmal eine andere Fahrt.

Die Reise dauert nicht lange, nur ein paar Stunden, aber in solchen Waggons mit dem Ambiente der früheren, geradezu sagenumwobenen, Fernverkehrszüge war sie der perfekte Einstieg zu einem Fest mit solch langer Tradition.

Die Salonwägen der B&B Blue Train sind alle anders, und sie sind alle ein Erlebnis. Mit Frühstück vor der vorbeiziehenden Landschaft schon überhaupt…

Wir waren natürlich ein wenig langsamer unterwegs als die reguläre Verbindung, aber das hat nicht gerade etwas ausgemacht.

Die einzige “Enttäuschung”, meiner Meinung nach: Offenbar wissen viel zu wenige Touristen (ebenso wie beim Kaiserzug nach Bad Ischl im Sommer) um diese Möglichkeit.

Stichwort: Ruhig einmal einen Blick auf das Angebot von B&B Blue Train werfen… (Und nein, ich bekomme nichts für diese “Werbung” bezahlt.)

Bad Aussee und die Narzissen

Alles ist anders. Alles kommerzialisiert. Selbst die Narzissen welken schneller als früher, damals, vor 40 Jahren.

Nein, nicht meine Meinung. Eine Behauptung, die ich am Bahnsteig überhörte.

Es gibt tatsächlich nicht gerade wenige Shuttlebusse; der Eintritt in das Festgelände soll €15 kosten; verschiedene Stände versuchen, alle möglichen Speisen und Getränke zu verkaufen… Und trotzdem.

Ich spazierte durch die Stadt und bin nirgendwo gelandet, wo man unbedingt bezahlen musste. (Das könnte allerdings auch daran gelegen haben, dass wir erst nach dem Korso durch die Stadt, zeitgerecht für den Höhepunkt, den Bootskorso am Grundlsee, angekommen waren.

Es war sehr schön, diese Stadt und ihre Umgebung zu betrachten.

Bad Aussee

Bad Aussee, Blick zurück vom Weg zum Grundlsee

Bad Aussee ist wieder so eine typische Salzkammergut-Stadt mit einigem an Charme und nicht zu unterschätzender Kreativität.

Nicht zu vergessen die Natur.

Der Marsch hinaus zum Grundlsee war eine schöne kleine Wanderung, und die Landschaft um den See ist wirklich beeindruckend schön.

Landschaft um den Grundlsee

Landschaft um den Grundlsee

Mit Leuten in Tracht und Dirndl und schliesslich den Narzissenfiguren am See war das alles noch hübscher. Selbst mit den relativen Menschenmassen.

Narzissenfiguren im Bootskorso am Grundlsee

Narzissenfiguren im Bootskorso am Grundlsee

Vielleicht welken die Narzissen heutzutage ja wirklich schneller. Auf jeden Fall frage ich mich durchaus, ob wohl der Klimawandel hier auch schon zuschlägt und ihre Blütezeit verschiebt…
Solche Fragen machen es aber nur noch wichtiger, solche Feste zu feiern, die schon lange Tradition haben, die einen Teil der lokalen Identität als Einwohner der Region ausmachen – und die Menschen, Orte und Pflanzen miteinander und im Rhythmus der Jahreszeiten verbinden.

Das alles ist es wohl wert, gefeiert zu werden. Für uns alle, überall.

Umso besser, wenn es eine Tradition gibt, mit der sich eine solche Feier verbinden lässt.

Und was sagen Sie?