in dieser Welt heimisch werden

Fotografie Neubedacht: #80Stays mit Trey Ratcliff

Mit der Fotografie ist es heutzutage so eine Sache:

Alle knipsen so viel, Fotos haben keinen Wert mehr.
So viel wird in Photoshop bearbeitet, der Wahrheitsgehalt ist verloren.

Und so viele Fotografen gehören zu den beliebtesten Online-Persönlichkeiten.

Ist es also alles nur oberflächliches Gebaren und die Verlockung des weitreisenden Lebensstils? Ist das keine Art und Weise, sich in der Welt heimisch zu machen, weil man alles nur noch durch Bildschirm oder, bestenfalls, Sucher sieht?

Trey Ratcliff und die #80Stays

Gutes Beispiel um kritisch zu sein: Trey Ratcliffe.

Ich habe so meine Kritik an seinem Ouvre; die Karstlandschaft um Guiilin etwa sieht nie so aus wie auf seinen Fotos, und ein Drohnenflug inmitten von Beijing sollte nicht der Frage nach seiner Legalität bedürfen, geschweige denn als Anlass für eine kleine Heldengeschichte dienen.

Aus der Ferne derart kritisch zu sein, das ist allerdings nur zu einfach (und wohl von etwas Neid geprägt).

Trey Ratcliff in Wien

Trey Ratcliff in Wien

Mehr darüber zu lernen, was jemand denkt und wie er seine Arbeit erklären würde, das ist immer noch – und bei aller Kritik, umso mehr – wichtig.

Trey nun kam auf seinen 80 Stays around the World auch nach Wien, und das Ganze noch dazu zu einer Zeit, wo ich zum Photowalk (oder zumindest den Großteil desselben) kommen konnte. Also nutzte ich diese Gelegenheit.

Ein paar Worte konnten wir auch persönlich wechseln, einiges von seinem aktuellen Ansatz erklärte er während des Spaziergangs für alle, und es war eine interessante Erfahrung.

Mehr dazu, allerdings nur auf Englisch, in meinem Video dazu:

Fotografie: Künstlerisch oder Journalistisch?

Man wird wohl, so würde ich als Fazit zusammenfassen, entscheiden müssen, was Fotografie für einen persönlich bedeuten soll:

Exercise that “interesting” muscle!

Soll sie Journalismus sein, dann muss der Wahrheitsgehalt zählen.

Für ein Werk wie seines allerdings geht es eher um einen künstlerischen Anspruch.

Hier natürlich kommt das HDR, wofür er bekannt ist, ins Spiel. Darum hat er auch, wie auf dem Photowalk ganz klar wurde, keinerlei Scheu davor, Photoshop zu verwenden und ein Bild so umzusetzen, wie es seinen Ideen für ein interessantes Bild entspricht.

Meister und Motiv: Trey Ratcliff vor der Wiener Staatsoper

Meister und Motiv: Trey Ratcliff vor der Wiener Staatsoper

Ich persönlich würde immer noch lieber mehr Realitätsnähe vorfinden. Aber wohl dennoch ein Bild an die Wand hängen, das eher seinem Ansatz entspricht: Mit hervorstechenden Farben und eher künstlerischem Anspruch.

Die Welt (Neu) Sehen

In einem schienen wir uns jedenfalls einig:

Was man von Fotografie hat, das hängt davon ab, was man daraus macht.

Wer an Fotografie als Ansatz, die Welt mit mehr Aufmerksamkeit zu betrachten, herangeht (sei es auch “nur” mehr Aufmerksamkeit für eventuell interessante Motive), der wird auch lernen, die Welt mit anderen Augen zu sehen.

Und was sagen Sie?