Chinesische Klöße? Kulinar(r)ische Übersetzungen

Das Essen ist das prototypische Element der Kultur. Kultur, die durch den Magen geht, die sich auf dem Teller anrichten und auf dem Tisch präsentieren lässt. Essen ist typisch für ein Land, typisch für Regionen.
Das Problem mit dem Essen ist allerdings, dass es sich wesentlich leichter probieren, konsumieren und gut oder schlecht finden als beschreiben lässt. So ist es ein wunderbares Beispiel dafür, wieso Übersetzung oft weniger Sinn macht als Erfahrung.

Gewürze etwa sind schon lange rund um die Welt zu finden; Geschmäcker – auch wenn sie verschieden sind – sind allgemein-menschlich. Beides sollte sich also, zumindest im grundsätzlichen, gut beschreiben lassen.

Dennoch bestehen Probleme: So ist süß nicht gleich süß. Mitteleuropäer empfinden manche Backwaren aus dem Nahen Osten als extrem süß, eigene Kuchen, Torten, etc. aber sind einfach süß. Für den chinesischen Geschmack allerdings sind schon viele dieser Speisen nahezu unerträglich süß.

Einen ähnlichen, umgekehrten Fall findet man mit der Schärfe mancher chinesischer Speisen. Für Chinesen die solche Gerichte gewöhnt sind, lassen sich verschiedene Geschmacks- und Schärfenuancen unterscheiden. Die Küche aus Sichuan und aus Hunan, für manche Ausländer etwa einfach nur scharf, ist recht verschieden. Merken sollte jeder das daran können, dass Sichuan-Cuisine gerne Sichuanpfeffer (Fagara) verwendet, welcher leicht zitronig und vor allem betäubend-scharf schmeckt bzw. wirkt, Hunan-Küche hingegen wesentlich klarere Schärfe bevorzugt. Noch innerhalb dieser kulinarischen Traditionen gibt es aber starke regionale Unterschiede – stark jedenfalls, wenn man sie denn schmecken kann.

Natürlich werden, in einem gewissen Rahmen, die verschiedenen Geschmäcker auch benannt; so finden sich dann eben im Chinesischen einige typische Bezeichnungen selbst für die verschiedenen Kombinationen und Arten von Schärfe. Die Beschreibungen ergeben zumindest einen gewissen Eindruck, aber die wahre Vielfalt lässt sich nur erschmecken.
"Aromatisch-scharfer Fleisch-Baozi"

Vieles lässt sich durch analoge Speisen scheinbar gut benennen: größere Teigtaschen mit Fülle sind Klöße bzw. Knödel, also sind Baozi wohl chinesische Klöße; Jiaozi sind kleinere gefüllte Maultaschen, also sind Tortellini wohl italienische Jiaozi? Natürlich, so etwas kann einen Eindruck vermitteln. Oft genug aber verwirrt es bloß; besser als eine Übersetzung ist der Originalname mit Beschreibung, noch besser die Erfahrung.

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